Simmozheim Meinungen gehen weit auseinander

Schwarzwälder-Bote, 23.06.2012 04:30 Uhr

Von Bettina Bausch

Simmozheim. Wie können Kinder am besten und gleichzeitig kostengünstigsten betreut werden? Um diese Frage drehte sich am Donnerstagabend die lebhafte Diskussion im Simmozheimer Gemeinderat. Der Fokus war dabei auf den Schülerladen gerichtet, also die Betreuung außerhalb der Schulzeiten.

Betreuerin Sigrid Uwira, die mit dieser Arbeit täglich befasst ist, berichtete dem Gremium über das Konzept und den derzeitigen Stand im Schülerladen, der sich in letzter Zeit zu einer beliebten Einrichtung gemausert hat. Dies schlägt sich in den steigenden Zahlen der zu betreuenden Jungen und Mädchen nieder. Die Eltern wünschten sich große Flexibilität hinsichtlich der täglichen Betreuungszeiten, unterstrich die Referentin.

Nachdem die Kommune die Einrichtung vor drei Jahren vom insolventen Tageselternverein übernommen hat, wurden die damals sehr niedrigen Löhne der Betreuerinnen auf Tarifniveau angehoben. Die Personalkosten machen den größten Teil des Gesamtaufwands auf. Das Gremium diskutierte ausführlich, in welchem Rahmen für die Eltern gerechte und faire Betreuungsgebühren erreicht werden können.

Die Elternbeiträge richteten sich bisher nach deren Einkommen. Doch dies funktionierte nach der Erfahrung von Kämmerin Renate Maier nicht. "Das Angebot wurde von Anfang an nicht so richtig angenommen. Dies liegt vorwiegend an den Gebühren, die bisher einkommensabhängig sind und vor allem für die höheren Einkommensgruppen weit über den Sätzen unserer Nachbargemeinden liegen", informierte sie. Die Bürger zeigten sich unzufrieden darüber, dass man bei der Überprüfung ihrer Einkommensverhältnisse in ihren Angelegenheiten "schnüffeln" müsse.

Die Verwaltung schlug deshalb eine Neuregelung mit einer Sozialstaffelung nach der Anzahl der Kinder einer Familie vor, die das Betreuungsangebot nutzen. Darüber gingen die Meinungen jedoch weit auseinander. Gemeinderätin Sabine Fels konnte nicht verstehen, dass bei der angestrebten Neuregelung Alleinerziehende bis zu 1600 Euro jährlich mehr zu zahlen hätten als bisher. Dies sei in den Nachbarorten nicht so. Nach eingehender Diskussion und diversen Einwänden einiger Räte wurden hier mehrere Zahlen innerhalb der Staffelung geändert.

"Ich sehe nicht ein, dass wir Alleinerziehende vorziehen", sagte Gemeinderat Friedbert Baral und plädierte für die Gleichbehandlung aller Bürger. Außerdem sei nicht einzusehen, dass man bei der Umstellung auf eine neue Gebührenstaffelung gut Verdienende auch noch subventioniere. Siegfried Kempf plädierte für eine Umstellung nach den abgeänderten Zahlen des Verwaltungsvorschlags. "Wir wollen nicht, dass die Menschen sich vor uns ausziehen müssen", unterstrich er. Bürgermeister Hartmut Mayer verwies darauf, dass für die Kinderbetreuung 1900 Euro als Zuschuss beantragt wurden. Der Abmangel von jetzt voraussichtlich 8000 Euro jährlich sei für die Kommune ein verhältnismäßig geringer Betrag im Vergleich zu den Gesamtkosten der Kinderbetreuung.

 
 
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JUN
23
Alena Ziehung , 08:02 Uhr

Schäm dich!

Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf - meist bei der Mutter. Jüngsten Statistiken zufolge ist inzwischen fast jede fünfte Frau mit Kindern Alleinerziehende. Die wenigsten von ihnen sind das freiwillig. Schon heute hätten die rund 643.000 Alleinerziehenden bundesweit das höchste Risiko zu verarmen, geht aus einer DGB-Untersuchung hervor. So bekamen 2009 nahezu dreimal so viele Alleinerziehende Hartz IV wie Single-Haushalte. Bei den Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern zählten sogar 70 Prozent zu den Hilfeempfängern. Büchelbronn liegt weit vom Schuß und Herrn Baral fern ab der Wirklichkeit. Sein Verständnis scheint mit dem alten Testament zu enden