Simmozheim Klassik-Reihe hat ihren festen Platz
Schwarzwälder-Bote, 05.04.2012 04:30 Uhr
Die junge Koreanerin Jee-Eun Franziska Lee präsentierte in Simmozheim Klaviermusik vom Feinsten. Foto: BauschFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Bettina Bausch
Simmozheim. Die Reihe "Klassik im Rathaus" ist inzwischen in Simmozheim zu einer festen Größe geworden, die regelmäßig einen beachtlichen Zahl von Besuchern anzieht.
"Ich freue mich darüber, hervorragende Pianisten hier hautnah erleben zu können", unterstrich Musikliebhaberin Gabriele Schneider beim jüngsten Konzert. Larissa Schüle von der Calwer Musikschule und Bürgermeister Hartmut Mayer hatten wieder einmal ein glückliches Händchen bewiesen, als sie eine junge Nachwuchspianistin verpflichteten.
Die 24-jährige Jee-Eun Franziska Lee entpuppte sich nämlich als ein riesiges Talent, das es verstand, mit dem Boston-Flügel im Rathaussaal eine hervorragende Partnerschaft einzugehen, so dass die Besucher des Konzerts wunderbare Klaviermusik zu hören bekamen. Dabei war es kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil, dass Lee ihr Musikstudium an der Seoul National University absolviert hat. Sie kam vor einem halben Jahr nach Karlsruhe, um sich bei der renommierten Professorin Sontraut Speidel zu vervollkommnen und die europäische Art der Interpretation von Klaviermusik zu studieren. "Bei uns ist die westliche Musik schon weit verbreitet, aber ich denke, die Spielweise ist hier verfeinert und weiter fortgeschritten", sagte die bescheidene Pianistin in gutem Deutsch.
Am Flügel zeigte die junge Frau dann, dass sie die unterschiedlichsten Stücke aus verschiedenen Epochen und ein volles Programm auswendig vorzüglich spielen kann. Zum Einstieg hatte das Nachwuchstalent die Toccata fis-moll KGV 910 von Johann Sebastian Bach gewählt und dabei den improvisierenden Gehalt sehr gut aufgezeigt.
"Bach und Schubert sind meine Lieblingskomponisten", bekannte die Pianistin und ließ auch gleich Schuberts Impromptu f-moll op. 142 folgen. Brillant interpretierte sie das romantische Stück mit seinem melodischen und harmonischen Reichtum. Mit Clara Schumanns Impromptu E-Dur wagte sich die begnadete Spielerin dann sogar an eine Erstaufführung.
Bei der Klaviersonate Nr. 2 des russischen Komponisten Alexander Skrjabin bot Lee noch einmal ihr volles Können auf. War beim Andante einfühlsame Innigkeit gefordert, so verlangte das folgende Presto große Fingerfertigkeit und virtuose Ausgestaltung. Beides gelang der jungen Musikerin meisterhaft.
Bei Stücken der zeitgenössischen Komponisten Henri Dutilleux und Nikolai Kapustin gelang es der Pianistin ebenfalls sehr gut, mit einfühlsamer Spielweise anspruchsvolle moderne Kompositionen authentisch zu interpretieren. Am Ende gab es viel Beifall für die exzellente Leistung der Asiatin.


