
Simmozheim - Hildegard Mack traute ihren Ohren nicht: Nachdem sie sich seit mehr als zehn Jahren beim Recyclinghof in Simmozheim kostenlos mit Reisig für ihre Advents- und Weihnachtsdekorationen eindecken konnte, wurde ihr nun die Abgabe verweigert.
Die Bad Liebenzellerin sieht nun Gefahren für weihnachtliche Basteleien, die für karitative Zwecke angefertigt werden. Denn sie weiß, dass sich im November viele Erzieherinnen, kirchliche Mitarbeiter und andere sich auf den Weg zu den Recyclinghöfen machen, um sich dort kostenlos mit Reisig einzudecken. Auch diese Menschen wären sicher bitter enttäuscht. Müsste das Material künftig auf dem freien Markt gekauft werden, so Hildegard Mack gegenüber unserer Zeitung, lohne sich die Arbeit kaum noch.
Hinzu kommt, dass sich die Bastlerin aus Bad Liebenzell von den Mitarbeitern nicht gerade freundlich behandelt fühlte. Einen plausiblen Grund habe man ihr nicht nennen können. Auch sei es ihr nicht möglich gewesen, ihr Anliegen der Leiterin des Hofs vorzubringen. Diese befinde sich, so wurde ihr bedeutet, in einer Dienstbesprechung.
Schon aus Sicherheitsgründen könnten Interessenten nicht selbst in den Gartenabfällen nach noch brauchbarem Material suchen. Eine entsprechende Anweisung an die Mitarbeiter der AWG Abfallwirtschaft Landkreis Calw GmbH habe es schon immer gegeben, so Geschäftsführer Manfred Krieck. Falls Hildegard Mack unfreundlich behandelt worden sei, tue ihm das leid und er entschuldige sich für dieses Verhalten.
Aufgrund des Vorfalls in Simmozheim bittet die AWG künftig um eine kurze Mitteilung, für welchen karitativen Zweck das Reisig verwendet werden soll. Danach kann dann das benötigte Material abgeholt werden.
Interessenten wenden sich an die AWG Abfallwirtschaft Landkreis Calw GmbH, Mathias Beck, Gäuallee 5, 72202 Nagold oder per E-Mail an mathias.beck@awg-info.de. Krieck weist darauf hin, dass die AWG nicht in Konkurrenz zu professionellen Anbietern wie Gärtnereien treten kann. Deshalb müssen Interessenten glaubhaft machen, dass sie das Grünzeug für einen guten Zweck benötigen.
Hildegard Mack hat sich ihre Bastelutensilien zwischenzeitlich anderweitig besorgt. Sie hält die Regelung, die getroffen wurde, nachdem ihr Fall bekannt geworden ist, für zu bürokratisch. Sie plädiert nach wie vor für eine Lockerung der gültigen Dienstanweisung.