
Simmozheim - Zur jüngsten Sitzung des Simmozheimer Gemeinderats waren besonders viele Zuhörer gekommen. Auf der Tagesordnung stand nämlich ein Punkt, der vielen unter den Nägeln brennt.
Seit Jahren beklagen sich Bürger, die in der Nähe der Recyclingfirma Schaal+Müller GmbH+Co.KG wohnen, über diverse Belästigungen. Dies hat dazu geführt, dass das Unternehmen wesentliche Änderungen in der immissionsrechtlich genehmigten Werkstoffanlage vornehmen wird.
Der Gemeinderat war vom Landratsamt zu einer Stellungnahme zu den Veränderungsplänen aufgefordert worden. Diese betreffen den Abriss der Styroporlagerhalle, den Neubau einer Lärmschutzwand, durch deren aufgesetzte Balkenkonstruktion eines Pulkdaches der Lärm verringert werden soll, und die Errichtung einer Befeuchtungsanlage zur Reduzierung der Staubentwicklung.
Im Gremium entwickelte sich eine kritische Diskussion. "Durch den Abriss der alten Lagerhalle und die Erstellung der so genannten Lärm- schutzwand befürchten wir nicht weniger Lärm, sondern einen wesentlich höheren Geräuschpegel", lauteten mehrere Stellungnahmen. Durch die vorgesehenen neuen Schüttgutboxen hinter der Lärmschutzwand werde das Transportvolumen deutlich ansteigen, wurde befürchtet.
Unternehmer Ralph Müller erläuterte, dass er ein Betreibertagebuch zu führen habe, anhand dessen die Mengen jederzeit kontrollierbar seien. "Wer kontrolliert das?", wollte Gemeinderätin Sabine Fels wissen. Die Kontrollen würden stichprobenartig durch das Calwer Landratsamt erfolgen, so Müller. Die geplante Lärmschutzwand werde begrünt und die jetzige Situation deutlich verbessern.
Ein weiterer kritischer Sachverhalt ergab sich daraus, dass ein Kunststoffzerkleinerer feinste gefährliche Kunststoffpartikel freisetze. Dies könne für die betroffenen Anwohner bei entsprechender Windrichtung eine Gefahr für die Gesundheit mit sich bringen, lautet die Sorge betroffener Simmozheimer. Außerdem wurde kritisiert, dass riesige Anlieferungsfahrzeuge schon morgens ab 5.30 Uhr Lärm verursachten und diese Fahrzeuge teilweise auf öffentlichen Straßen parken und rangieren. "Die Anlieferfahrzeuge kommen meist von Subunternehmern anderer Betriebe, und ich habe kaum Einfluss auf ihr Verhalten", argumentierte Müller.
Gemeinderat Eugen Häberle forderte, dass die diskutierten Einwände schriftlich festgehalten werden. "Wir dürfen bei der Stellungnahme alles sagen, was wir nicht wollen, wir müssen es aber auch begründen", resümierte Bürger- meister Hartmut Mayer.
Der Gemeinderat beschloss bei einer Gegenstimme folgende Stellungnahme: Der Rat nimmt den vorliegenden Antrag zur Kenntnis, mit der Maßgabe, dass sämtliche Werte nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz eingehalten und kontinuierlich überprüft werden. Die Gemeinde Simmozheim wünscht sich ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Wand. Hierzu soll rechtzeitig eine Animation der Wandgestaltung vorgelegt werden, damit Details festgestellt werden können. Außerdem müsse sich die Firma Schaal+Müller um eine Entschärfung der Verkehrs- und Lärmbelastung bemühen.