Simmersfeld - Können Familien mit behinderten und nicht behinderten Kindern bald in Beuren Urlaub machen? Werner Kübler von der Anita-und-Werner-Kübler- Stiftung (AWK-Stiftung) ist davon überzeugt. Die Konzeption stellte er dem Simmersfelder Gemeinderat vor und erntete von allen Seiten Anerkennung und Zustimmung.

Die Bäuerin Marie Seeger hatte einen Herzenswunsch: Nach ihrem Ableben sollte der idyllisch gelegene Hof im kleinen und beschaulichen Ortsteil von Simmersfeld nicht abgerissen, sondern einer sozialen Einrichtung zur Verfügung gestellt werden. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Die AWK-Stiftung hat das Anwesen am Ortsausgang Richtung Erzgrube erworben.

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Das Ziel stand von Anfang an fest: Familien mit einem schwerbehinderten und gesunden Kindern sollen gemeinsam einen mindestens einwöchigen Ferienaufenthalt in der Natur verbringen, Pferde, Hasen, Hunde Katzen, Hühner streicheln und füttern und in einem Sinnengarten die Seele baumeln lassen können. Ein weiterer Gedanke: Beim Abschalten vom Alltag könnten sich die Eltern auch mal voll und ganz auf jene Kinder konzentrieren, die wegen der notwendigen, intensiven Betreuung des körperlich oder geistig eingeschränkten Brüder- oder Schwesterchens oft im Schatten stehen.

Stifter Werner Kübler stellt sich vor, dass bis zu vier Familien gleichzeitig auf dem Hof ihre Ferien verbringen und sich dabei wechselseitig entlasten. Dafür braucht man geeignete Unterkünfte. Der langjährige Vorstand einer Bank nahm Kontakt mit dem Architekturbüro hauserpartner in Altensteig auf und ließ sich einen Entwurf anfertigen. Die Planung stellte Helmut Hauser in der Gemeinderatssitzung vor. Im Endzustand stehen auf dem Hofgelände sechs Ferienhäuser in der Größenordnung neun Meter mal siebeneinhalb Meter, die zu drei Doppelhaushälften zusammengefügt werden und weitläufig voneinander getrennt sind. Zur Anlage gehören ein Spielplatz, ein Bauerngarten mit Wasserlauf und ein Pferde-Aktivkreis. Die 24 vorhandenen Obstbäume rund um den Seeger-Hof bleiben als Bestand erhalten.

200.000 Euro Spenden

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 800 000 Euro, von denen die AWK-Stiftung 545 000 Euroaufbringt. Die "Aktion Herzenssache" des SWR wurde um Unterstützung gebeten. Insgesamt 200 000 Euro kamen an Spenden zusammen. "Mit soviel Geld habe ich nie und nimmer gerechnet", freut sich Kübler.

Inzwischen ist auf dem Hof Leben eingekehrt. Andreas Grass und Regina Ochs wohnen und arbeiten dort mit ihren Kindern Elisa-Sophie (12) und Simon (15), den Labradorhunden Einstein, Lady und Chocolat, dem Esel Lobo, den Shetlandponys Prinz Leopold und Evening Star, zwei Friesen sowie den Katzen Salt und Pepper.

Der Ferienbauernhof wird in mehreren Etappen verwirklicht. In diesem Jahr will man einen Schuppen und ein Doppelhaus erstellen, 2014 weitere Unterkünfte und 2015 eine Scheune.

Gibt es überhaupt Interessenten für eine solche Art von Urlaub? "Die Nachfrage ist riesig", hat Regina Ochs erfahren. Seitdem der Bericht im SWR-Fernsehen ausgestrahlt und im Rundfunk gesendet wurde, "steht das Telefon bei uns nicht mehr still". Weil der Hof im Außenbereich liegt und teilweise umgenutzt wird, muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Bedenken, dass bei einer Vollbelegung der Häuser 40 Leute in einem Ort mit gerade einmal 100 Bewohnern Ferien machen, können weder der Stifter noch die Simmersfelder Gemeinderäte teilen.