
Von Manfred Köncke
Simmersfeld. In Simmersfeld sind die Hexen los – genauer: die "Schnaitbach-Hexen". So nennt sich die neu gegründete Narrenzunft. Am gestrigen Dreikönigstag wurden nach altem schwäbisch-alemannischem Brauch die Masken abgestaubt, und am 14. Januar geht es zum Nachtumzug mit über 2500 Hästrägern nach Neuhausen-Schellbronn.Ein Fasnetsverein im konservativ-evangelischen Simmersfeld? Warum nicht, sagte sich Heike Schlagenhauf, die zehn Jahre aktives Mitglied einer badischen Narrenzunft war, während der Kampagne nahezu an jedem Wochenende verkleidet durch die Straßen zog und ihren späteren Mann Markus sofort mit dem Bazillus ansteckte.
Als sich das Ehepaar 2004 im ehemaligen Feriengebiet "Seelesäcker" häuslich niederließ, stand die Gründung einer Fasnetsgruppe nicht zur Debatte. Der 41-jährige Industriemeister arbeitete als Industriemeister bei der Boysen-Niederlassung BAK in Simmersfeld, seine Frau kümmerte sich um die Erziehung der drei Kinder Lea (13), Joschua (9) und Tara (8). Aber immer wenn die fünfte Jahreszeit anbrach, waren alle fünf auf den Beinen, besuchten Umzüge und Hallenveranstaltungen – oder Frau Mama schlüpfte in das Häs der Schellbronner Narren und marschierte mit.
Irgendwann wurde der gelernten Industriemechanikerin die ständige Fahrerei von 40 Kilometern zu viel, zumal Schellbronn nur eine Zwischenstation war zu Veranstaltungen im nördlichen und südlichen Schwarzwald. Aber nur am Straßenrand stehen und zuschauen, wie die unterschiedlichsten Gruppen vorbeimarschierten, das wollten weder sie noch ihr Mann. Also fassten sie vor einem Jahr den Beschluss, selbst eine Zunft in Simmersfeld zu gründen. Die Eltern Erika und Hans Kappelmann waren von der Idee ebenso begeistert wie Schwester Sabine Dümmke und deren Mann René. Inzwischen ist die Zahl auf 23 – darunter der Narrensamen mit neun Kindern im Alter von einem bis 15 Jahre – angewachsen.
"Wir wollen Spaß haben undviel lachen"
Die Gründungsversammlung fand am 3. April statt. Markus Schlagenhauf ließ sich zum ersten Vorsitzenden wählen. Er war auch maßgeblich an der Ausarbeitung der Satzung und den Formalitäten zum Eintrag ins Vereinsregister des Amtsgerichts Nagold beteiligt.
Und wie sollte sich der Verein nennen? Köllbachtal-, Wolfsberg- oder Schnaitbach-Hexen? Nach einem Grillfest stand der Name fest. Das neongrüne Häs, bestückt mit Fledermaus, Spinne und Vereinswappen, durchzogen von der blauen Farbe des Gewässers zwischen Simmersfeld und Fünfbronn, den Unterrock und die grün-weißen Stulpen haben die Närrinnen selber genäht, die Strohschuhe wurden besorgt und die handgeschnitzten Hexenmasken samt Pferdeschweif nach eigenen Vorstellungen bei einem Kunsthandwerker aus Schönau am Königssee in Auftrag gegeben.
Um sie in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und neue Mitglieder zu werben, waren die Schnaitbach-Hexen vor einem Monat auf dem Simmersfelder Weihnachtsmarkt mit einem Stand vertreten, verkauften selber hergestellte Bastelsachen, servierten Schupfnudeln und einen wohlschmeckenden Hexentrank.
Nach dem gestrigen traditionellen Masken-Abstauben in einer Garage mit anschließender Fackelwanderung und dem Nachtumzug in Schellbronn geht es für die Schnaitbach-Hexen Schlag auf Schlag weiter. Am 28. Januar sind sie in Bad Imnau, am 4. Februar beim Lumpenball in Untertalheim, am 12. in Ittersbach, am 18. in Deckenpfronn, am 19. in Neuhausen, am 20. bei einem Nachtumzug in Calw und zum Abschluss am 21. Februar in Herrenberg.
Ein Fasnetsverein, und darauf legen die Gründer wert, ist für sie alles andere als eine bierernste Angelegenheit. "Wir Schnaitbach-Hexen wollen uns am Leben erfreuen, Spaß haben, lustig sein, gemeinsam feiern und viel lachen." Wer in die fröhlichen Gesichter der Eheleute Heike und Markus Schlagenhauf und ihrer drei Kinder schaut, glaubt das aufs Wort.
Weitere Informationen: Wer den Simmersfelder Schnaitbach-Hexen beitreten will, kann sich telefonisch über 07484/329003 oder per e-mail über markus.schlagenhauf@schnaitbach-hexen.de anmelden oder sich im Internet auf der Homepage www.schnaitbach-hexen.de näher informieren.