Sichere Stelle gekündigt Ein Flechtkurs bringt die Wende

Lisa Philippen, 12.08.2012 14:00 Uhr

Stuttgart - Farben spielen in Kerstin ­Mülders Leben eine wichtige Rolle. „Ich bin eine Mischung aus Gelb und Rot.“ Hinter dem Farbspiel steckt die sogenannte Limbic-Theorie, die unterschiedlichen Charakteren und Berufen eine Farbe zuordnet. Kreative und Künstler sind gelb, Rot steht für Erfolgsorientierte, soziale Berufe sind grün und blau eher klar strukturierte Berufe wie Ingenieurwissenschaften.

Kerstin Mülders Produkte kaufen in erster Linie grüne Menschen. Früher arbeitete sie für blaue Menschen. „Das hat mich aber nie ganz erfüllt“, weiß die 38-Jährige heute.

Zehn Jahre war die zweifache Mutter Marketing-Managerin in einer Chemie-Firma für Industrielacke in Möglingen (Kreis Ludwigsburg). Die Limbic-Theorie ist noch ein Relikt aus ihrer Marketing-Zeit. Werbung für Indigoblau und rostfreies Magenta zu machen – für Kerstin Mülders konnte das nicht alles gewesen sein. Sie machte sich selbstständig. Es war ein Schritt vom blauen ins gelb-rote Leben. Weidenzauber heißt ihr Unternehmen. Sie vertreibt allerlei Produkte aus geflochtenen Weiden. Ihre Kassenschlager: Tipis und Kinderspielhäuser für den Garten. Angefertigt nach ihren Entwürfen. Dabei kann die studierte Betriebswirtin Unternehmergeist und Kreativität zusammenbringen.

„Ich dachte, das sei was für Frauen jenseits der Menopause“

Das Weidenflechten lernte Kerstin ­Mülders erst vor drei Jahren kennen. Eine Freundin überredete sie zu einem Kurs. „Ich dachte, das sei was für Frauen jenseits der Menopause“, gibt sie zu. Doch der Kurs wurde zu ihrem persönlichen Wendepunkt. Mit dem Flechten kann sie seitdem nicht mehr aufhören. „Manche stricken, ich flechte.“ Um die Ruten zu biegen, brauche es viel Kraft. Eine grobe Arbeit, das sei genau ihr Ding. Die Weiden erinnern sie an die Landschaft des Niederrheins. Dort ist Kerstin Mülders aufgewachsen. Nach Stuttgart kam sie mit ihrem Mann erst vor zwölf Jahren.

Die Idee zu den geflochtenen Häuschen hatte eigentlich ihre achtjährige Tochter. Eine Dachlawine hatte das alte Kinderhaus unter sich begraben. „Vom quietschbunten Plastikhäuschen blieb nur noch Sperrmüll übrig. Meine Tochter meinte: Mama, flechte uns doch ein neues.“ Gesagt, getan: Eine Woche brauchte Kerstin Mülders für ihr erstes Weidenhaus. Ein grobes Bild hatte sie im Kopf, vorgezeichnet hatte sie es nicht. Und das Ergebnis kommt an: Mal dient es ihren Töchtern als Restaurant, dann verwandelt es sich zu einer Schule oder ist einfach nur Rückzugsort vor der Erwachsenenwelt.

 
 
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