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Von Hartmut Breitenreuter
Seewald-Besenfeld. Nicht erst abwarten, bis zum geplanten Nationalpark ein Gutachten erstellt ist, will der Waldbesitzerverein Nordschwarzwald. Er positionierte sich gestern bei seiner Hauptversammlung ohne Gegenstimme gegen das Projekt.Bereits vor der Seewaldhalle in Besenfeld wurde deutlich, wer da tagte. Auf jedem zweiten Auto prangte der Aufkleber mit dem durchgestrichenen Nationalpark-Schriftzug. Ebenso deutlich fiel auch das Votum für einen Antrag aus, der Waldbesitzerverein möge sich bereits vor Vorliegen des Gutachtens der Landesregierung gegen den Nationalpark aussprechen. Rund 70 Mitglieder des Vereins unterstützten den Antrag, nur zwei enthielten sich der Stimme.
Die Ablehnung eines Nationalparks zog sich denn auch wie ein roter Faden durch den anschließenden Holz- und Waldtag, zu dem der Verein vier Redner – alles Gegner des Nationalparks – eingeladen hatte. Auch Landtagsabgeordneter Norbert Beck (CDU) machte keinen Hehl daraus, dass er von den Nationalparkplänen der grün-roten Landesregierung nichts hält. Baden-Württemberg habe in Sachen Naturschutz seine Hausaufgaben längst gemacht. "Ich brauche keinen Nationalpark, weil wir einen funktionierenden Naturpark haben", sagte Beck. Sein Kollege im Landtag, Timm Kern (FDP), machte deutlich, dass die Menschen in der Region seit Jahrzehnten von und mit dem Wald leben und war überzeugt, dass die Mehrheit von ihnen keinen Nationalpark will.
Den Auftakt der Redner machte der ehemalige Forstpräsident Peter Weidenbach, der nach dem Sinn fragte zuerst den Wald für viel Geld umzubauen, um ihn dann in 30 Jahren als Nationalpark sich selbst zu überlassen. Keine Aussagen würden bisher gemacht, wie die Jagd im Nationalpark aussehen soll, kritisierte er. Aufsehen erregte Weidenbach mit einem Zahlenspiel über die Kosten des Nationalparks, das man, wie er selbst zugab, aber nicht so genau nehmen dürfe. So prophezeite Weidenbach für den Nationalpark Kosten für den Waldumbau von einer Million Euro pro Jahr, für den Nutzungsverzicht 3,9 Millionen Euro pro Jahr und fünf Millionen Euro pro Jahr durch den Verzicht auf CO2-Einsparung, weil 50 000 Festmeter Holz weniger eingeschlagen werden. Astronomisch war die Summe des Wertschöpfungsverlusts von 166 Millionen Euro pro Jahr, die Weidenbach auf der Grundlage des Umsatzes in der Forst- und Holzbranche errechnet hatte, die im Land pro Jahr 31 Milliarden Euro beträgt.
Forstdirektor a. D. Hans-Peter Duss, der einst die Forstämter Schönmünzach und Klosterreichenbach leitete, und somit für die Flächen zuständig war, die vermutlich im geplanten Nationalpark liegen werden, betonte, es sei schlichtweg falsch, wenn behauptet werde, dass sich in der anvisierten Nationalparkfläche stufige Mischbestände von Bäumen befinden. Es seien fast reine Fichtenbestände "mit ein paar Kiefern". Das größte Problem sei aus forstlicher Sicht aber der Borkenkäfer. Das Bannwaldgebiet "Wilder See" sei in wenigen Jahren "gefressen" worden. "Es geht sehr schnell, auch die Nachbarbestände des Nationalparks werden überrollt", kündigte Duss an und erhielt Applaus von den Waldbesitzern. Ferner, so Duss, sei es eine Illusion, Fichtenbestände in 30 Jahren in Mischbestände umzuwandeln. Zu der von Befürwortern ins Feld geführten Bewahrung der Schöpfung benötige man keinen Nationalpark. Sie werde seit Jahrhunderten von Bauern und Waldarbeitern bewahrt.
Peter Dombrowsky, ehemaliger Landrat des Kreises Freudenstadt und Vorsitzender des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, machte vor allem die Unterschiede zwischen Naturpark und Nationalpark deutlich. Der Naturpark sei von "unten nach oben", sprich von den einzelnen Mitgliedsgemeinden und -kreisen, entwickelt worden. Der Nationalpark werde rechtsverbindlich festgesetzt. Eine Mitwirkung der Region sei nicht vorgesehen.
Sanfter Tourismus, eine vielfältige Nutzung und eine nachhaltige Entwicklung seien Ziele des Naturparks. Ein Nationalpark werde weitgehend der Natur überlassen. "Ich kann keine Vorteile für einen Nationalpark erkennen", betonte Dombrowsky. Er äußerte zudem die große Befürchtung, dass zu Gunsten des Nationalparks andere Förderungen unterbleiben könnten und somit der Naturpark an Bedeutung verlieren könnte.
Touristische Aspekte gegen den Nationalpark tischte Hotelier Martin Zepf aus Hinterlangenbach auf, betonte aber, dass er nicht für alle seine Kollegen und auch nicht für den Hotel- und Gaststättenverband spreche. Die Region brauche keinen großen Tages- oder Massentourismus. "Wir wollen den sanften regionalen Tourismus fortgeführt wissen", argumentierte Zepf. Der Wald müsse frei zugänglich und erlebbar bleiben. Ein Nationalpark könne kein Heilmittel gegen Übernachtungsrückgänge sein, sondern stelle durch seine Gefahren wie verstärkte Sonneneinstrahlung durch abgestorbene Bäume oder die Hochwassergefahr eine Einschränkung der touristischen Weiterentwicklung dar.
Jochen Bier, Vorsitzender des Waldbesitzervereins und Moderator der Veranstaltung, setzte den Statements gegen einen Nationalpark noch die Krone auf, in dem er betonte, es sei zwar gerade recht ruhig bei den Gegnern, doch es werde noch "relativ laut werden". Er nahm dabei in Kauf, dass wohl zwischen Befürwortern und Gegnern Gräben aufgerissen werden könnten, die schwer wieder zu schließen seien.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Sachlichkeit hielt zum Schluss der ehemalige Nagolder Oberbürgermeister und SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Prewo. Traurig fand er, dass Drohworte in den Saal geworfen worden und nur Gegner des Nationalparks zu Wort gekommen waren. Nicht gut fand er auch, dass sich die Waldbesitzer bereits jetzt gegen einen Nationalpark ausgesprochen haben. Mit Offenheit komme man viel besser aus, meinte Prewo, der auch die Zahlen von Peter Weidenbach anzweifelte. Zwischenrufe und Unmutsbekundungen der Waldbesitzer begleiteten seinen Redebeitrag.