Bühl - Österreichs Kaiserin Sissi speiste 1883 hier mit Erzherzogin Valerie, andere betuchte Gäste schnallten sich auf der Höhe die ersten Skier an oder machten Jagd auf Auerhühner. Das Hotel Sand an der Schwarzwaldhochstraße war Ende des 19. Jahrhunderts erste Adresse für viele Adelige und vermögende Bürger. Das war einmal: Der Glanz ist längst verblasst.

Das Hotel steht seit langem leer und ist nur ein Beispiel für den Verfall der früheren Prachtbauten an der Schwarzwaldhochstraße. Während das Schicksal der Bühlerhöhe - es ist das letzte verbliebene Luxushotel an der berühmten Panoramastraße - noch offen ist, ist das des ehemaligen Hotels Hundseck bereits besiegelt. Im November rückten die Bagger an, um das ehemals denkmalgeschützte, zuletzt baufällige Gemäuer dem Erdboden gleichzumachen. „Es war Gefahr in Verzug“, sagt der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der findet: „Es ist einfach traurig, was sich da oben abspielt.“

Dabei hatte das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Hundseck lange durchgehalten: Noch Mitte der 1930er Jahre eleganter Treff der Gesellschaft und Wintersportzentrum des Bühler Höhengebiets, wurde es im Zweiten Weltkrieg für die Kinderlandverschickung genutzt, danach für französische Soldaten und bis 1982 als Kurklinik für Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Tagungs- oder Jugendhotel, Asylheim oder Residenz eines indischen Gurus - Pläne gab es für das Hundseck einige. Besitzer auch. Die letzten ließen das Haus verfallen. Droht dieses Schicksal nun auch der Lieblingsresidenz Konrad Adenauers, der in die Jahre gekommenen Bühlerhöhe, und dem benachbarten Hotel Plättig? Beide wurden - wie das Hundseck - von einem ausländischen Investor gekauft. Zwar gab es für das Schlosshotel immerhin Pläne.

„Hoteliers müssen viel Geld in die Hand nehmen“

Doch aus der Neueröffnung im nächsten Jahr wird wohl nichts. Der neue ukrainische Eigentümer scheint das Interesse an der geschichtsträchtigen Immobilie verloren zu haben. „Man steht dem einigermaßen ohnmächtig gegenüber“, sagt der Rastatter Landrat Jürgen Bäuerle (CDU). „Die Eigentümer haben es versäumt, in guten Zeiten in die Häuser zu investieren.“ Doch das mit dem Investieren ist gar nicht so leicht: König Gast hat immer höhere Ansprüche, will aber immer weniger bezahlen. „Hoteliers müssen viel Geld in die Hand nehmen“, weiß der Inhaber vom Hotel Schliffkopf, Heiko Fahrner. „Und 14-Tage-Urlauber haben wir schon lange nicht mehr.“ Die meisten seiner vorwiegend baden-württembergischen Gäste bleiben im Schnitt nur zweieinhalb Tage. Auch, weil die heutigen Alpin-Skifahrer den schneesichereren Feldberg im Südschwarzwald oder die Alpen vorziehen.

Das Hotelsterben ist nach Ansicht von Landrat Bäuerle aber keineswegs ein Zeichen für den Niedergang des Tourismus an der Schwarzwaldhochstraße. „Es gibt ein anderes Freizeitverhalten“, sagt er. Mit Wanderwegen, einem dichten Loipen- und Mountain-Bike-Netz oder Attraktionen wie dem Wildnis- oder Lotharpfad werden deshalb vor allem Tagestouristen angesprochen. Der beliebte Mummelsee ist ohnedies „Rummelsee“. Viele Reisebusse halten dort. Ganz in der Nähe ist mit Unterstmatt noch ein altes Hotel außer Betrieb. „Bis jetzt habe ich keinen Investor gefunden“, sagt Eigentümer Fahrner. Er hofft, dass die Bühlerhöhe möglichst bald wieder aufmacht. „Wo viele Leute hingehen, kommen mehr“, meint er. Fahrner, dessen Familie seit 1932 auf dem Schliffkopf ist, freut sich daher, dass das ehemalige Hotel Zuflucht zwischen Bad Peterstal und Kniebis als Anlaufpunkt für Wanderer des Westwegs wiederbelebt wurde.

Der umstrittene Nationalpark Nordschwarzwald würde nach Einschätzung von Hotelier Fahrner zumindest die Gegend wieder bekannter machen. Der parteilose Bühler OB Schnurr geht weiter: „Ich persönlich sehe den Nationalpark als Chance. Er bringt mit Sicherheit Arbeitsplätze, sorgt für eine Belebung und bessere Infrastruktur.“ Und vielleicht könnte dann das Hotel Sand gerettet werden, „der letzte Zeitzeuge einer glanzvollen Zeit“, hofft der Durbacher Grundschul-Konrektor Marc Zöller. In den holzvertäfelten Stuben des Sand könnte ein Schwarzwaldhochstraßen-Museum mit Info-Center eingerichtet werden, schlägt er vor. Mit einer Handvoll Unterstützer kämpft er seit Jahren für den Erhalt der Höhenhotels - bislang hat die Politik nach seiner Beobachtung aber wenig Interesse an der „historischen Aufgabe“ gezeigt. Dennoch will er weitermachen.

 
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