Schwarzwald-Baar-Kreis - Überrascht und schockiert reagierten Katholiken im Kreis darauf, dass Papst Benedikt XVI am 28. Februar sein Pontifikat abgeben möchte. Ale Befragten bekundeten aber Respekt vor der Entscheidung des Papstes.Ewald Beha (55) seit wenigen Monaten Pfarrer in Niedereschach, erklärte auf Anfrage des Schwarzwälder Boten: "Ich denke, seine Entscheidung verdient Größe und hohen Respekt. Er setzt Zeichen und zeigt, dass auch ein Papst zurücktreten kann, wenn er spürt, er hat die gesundheitliche Kraft nicht mehr. Allerdings hat mich das überrascht und ich bin betroffen von der Entscheidung, denn ich dachte eigentlich, ein Papst bleibt immer bis zu seinem Tod im Amt. Papst Benedikt ist ein großartiger Theologe, er steht hinter der Weltkirche und und seine Entscheidung zeigt, welche Verantwortung er zu tragen bereit ist. Wie es jetzt weitergeht? Ich vertraue auf den heiligen Geist. Die Kirche ist schließlich 2000 Jahre alt, das ist eine Weltkirche. Für mich ist wichtig, dass der Dialogprozess in der Erzdiözese Freiburg weitergeht. Konkrete Themen sind dort die Zulassung zum Priesteramt und die Frage nach der Wiederverheiratung Geschiedener. Das ist ein Thema, das mich bewegt Es ist die Frage, wie das Priesteramt zugänglich gemacht werden kann. Das sind Themen, über die auf der Deutschen Bischofskonferenz gesprochen wird. Für mich ist wichtig, dass der Papst offen ist, für das, was die Menschen bewegt und die Christen bewegt. Und dass der Glaube Zukunft hat und in Zukunft das Evangelium verkündet werden kann. Die Zukunft lege ich in die Hand des heiligen Geistes.

Prälat Norbert Maginot (83) verbringt gerade seinen Urlaub bei Familie Hiekisch in Unterkirnach. In Bayern ist der Augsburger wegen seiner Rundfunkpredigten bekannt. "Diese Entscheidung des Papstes an einem Rosenmontag ist für mich überraschend, damit habe ich nicht gerechnet", so Maginot, der eine Zeitlang in Rom lebte und Kontakte in den Vatikan hat: "Ich habe aber schon etwas geahnt, in den vergangenen Wochen hatte der Papst gesundheitliche Schwierigkeiten und fühlte, dass seine gesitigen und körperlichen Kräfte nachließen. Für die Kirchengeschichte ist diese Entscheidung dennoch erstaunlich. 1294 ist schon einmal ein Papst zurückgetreten. Eigentlich bleibt der Pontifex bis zum Endes des Lebens im Amt. Er darf nicht gedrängt werden, zurückzutreten, aber er kann selbst bei Krankheit diesen Schritt in freier Entscheidung treffen. Nur bei einem Glaubensabfall würde der Papst automatisch sein Amt verlieren. Ich finde das gut, das Benedikt sich so entscheiden hat, wenn er seinem Amt nicht gewachsen ist. Unter den gegebenen Umständen ist das sinnvoll. Sein Vorgänger hat trotz Krankheit einen anderen Weg gewählt. Vielleicht wegen diesen Erfahrungen hat der Papst jetzt so entschieden. Er zieht sich in ein Kloster zurück. Er hat sich schon vorher mit der Frage befasst, ob er zurücktreten soll, wenn es nicht mehr geht. Offenbar ist es jetzt so, er spürt, dass seine Kraft nachlässt." Sind Päpste grundsätzlich zu alt, wenn die gewählt werden? "Die müssen nicht so alt sein", meint Maginot: "Sein Vorgänger war 56, als er gewählt wurde. Aber zu jung sollten sie auch nicht sein. Sie sollten die richtige Reife haben. Das Alter allein ist nicht wichtig, Wir alle sind gespannt, wie es jetzt weitergeht."

Betroffen ist Regina Hiekisch (79): "Ich habe gehofft, dass er noch eine Zeitlang im Amt bleibt. Ich lese gerade seine Bücher über das Leben Jesu, die sind sehr interessant. Fastnacht ist ein ungünstiger Zeitpunkt für eine solche Bekanntgabe."

"Größten Respekt", hat Michael Stöffelmaier, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes, "vor dieser sicher nicht leichten Entscheidung, in der er ja zugesteht, den Aufgaben der Führung der katholischen Kirche nicht mehr gerecht werden zu können." Stöffelmaier, der Benedikt XVI als "großen Kirchenlehrer" schätzt und zur Zeit Skiurlaub in tirol macht, verbindet aber mit dem Respekt für Papst Benedikt "auch die Hoffnung, dass in der katholischen Kirche endlich wieder ein Aufbruch möglich ist, ähnlich dem, der sich mit dem II. Vatikanischen Konzil ereignet hat. Die katholische Kirche benötigt dringend ein Oberhaupt. das den Glauben an Jesus Christus auf der Grundlage der heutigen Zeit deutet und neu über wichtige Themen, wie die Stellung der Frauen in der Kirche, geschiedene Wiederverheiratete, Zöllibat und vieles mehr nachdenkt. So bedauerlich der Amtsverzicht von Benedikt XVI ist, so zeigt er doch auch Größe, für dieses wichtigen Themen den Weg frei zu machen."

Vöhrenbachs Pfarrer Martin Schäuble bediente gestern im Pfarrzentrum Krone, kam aber vor das Haus, um sich den großen Fasnet-Mendig-Umzug anzusehen. Er hatte vom Rücktritt des Papstes nur über Dritte gehört und wollte sich daher nicht darüber äußern, da er die Gründe für diesen Schritt nicht kannte. "Zuerst habe ich das für einen Scherz gehalten, als mir jemand erzählt hat, der Papst sei zurück getreten, schließlich ist das seit 600 Jahren nicht mehr vorgekommen", meinte er.

Heidi Merk, Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Seelsorgeeinheit St. Andreas in Blumberg, sagte auf Anfrage: "Durch die vielen Probleme in der katholischen Kirche hatte Papst Benedikt eine sehr schwere Amtszeit. Ich finde seinen Schritt anerkennenswert. Persönlich durfte ich ihn beim Weltjugendtag in Köln und bei seinem Deutschlandbesuch in Freiburg erleben. Wir können alle stolz darauf sein, einen deutschen Papst gehabt zu haben."