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Schwarzwald-Baar-Kreis "Grüner Schwarzwälder" setzt auf Inhalte

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Beim Feierabendspaziergang im Bad Dürrheimer Kurpark lässt sich lässt Grünen-Kandidat Volker Goerz von Kreisredaktionsleiterin Cornelia Spitz begleiten. Foto: Eich

Schwarzwald-Baar-Kreis - "Ich stehe seit Juli unter Feuer" – der Wahlkampf im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September beansprucht den "grünen Schwarzwälder" Volker Goerz seit Wochen. Umso wichtiger ist es, zwischendurch aufzutanken.

Abschalten kann der Bundestagskandidat beispielsweise im Kurpark in Bad Dürrheim. Bei einem Feierabendspaziergang lässt er sich von der Redaktion des Schwarzwälder Boten begleiten. Er kennt den Kurpark wie seine Westentasche, flaniert alle zwei bis drei Wochen durch die üppig bepflanzte Anlage, wenn er seine Mutter in der Kurstadt besucht und mit ihr einen Spaziergang macht.

Zwischen sattem Grün und bunten Blütenköpfen geht es mit dem Bundestagskandidaten gemütlich durch den Kurpark. Ist Gas geben nicht so sein Ding? Lässt er die Wähler lieber zu sich kommen, als offensiv auf sie zuzugehen? Er stutzt bei dieser Frage überrascht: "Ich gehe sogar ganz massiv zu den Leuten", über 100 Termine habe er seit seiner Nominierung zum Bundestagswahlkandidaten der Grünen im Schwarzwald-Baar-Kreis schon wahrgenommen, viele davon mit ganz direktem Draht zum Wähler.

Gerne schlage er beispielsweise seinen Wahlstand auf Wochenmärkten auf, und auch 30 bis 40 Stunden Haustürwahlkampf gehen auf sein Konto – "ich habe dabei wunderbare Momente erlebt", sagt er und schildert lächelnd spontane Einladungen zum Kaffeekränzchen oder altbackene Vorurteile gegen die Grünen, mit welchen er erst einmal aufräumen musste. "Ich bin nicht derjenige, der die große Glocke läuten will", erklärt er seine Strategie. "Ich will mit Inhalten überzeugen." Nachdenklich fügt er mit Blick auf die Facebook-Seite "des einen oder anderen Mitbewerbers" hinzu: "Da ist vieles mehr Schein als Sein".

Doch dabei lässt er es bewenden. Seitenhiebe oder Nachtreten sind offenbar auch nicht sein Stil. Mit flammendem Interesse widmet er sich stattdessen inhaltlichen Fragen zum grünen Wahlprogramm – von der grünen Garantierente bis hin zur Verkehrswende. Auch wenn der heute 47-Jährige erst 2012, quasi als Spätberufener, Mitglied der Grünen geworden ist, sei er der Partei schon ­immer nahe gestanden und habe auch immer "grün" gewählt.

"Grün kann jeder", hat das Magazin Stern als mögliche Ursache verhaltener Umfrageprognosen für das Wahlergebnis der Grünen ins Feld geführt. Und tatsächlich finden sich auch bei Mitbewerbern Argumente im Wahlprogramm, die dort in den Achtzigern noch undenkbar gewesen wären. Warum also ist Volker Goerz der Grünste von allen Kandidaten im Schwarzwald-Baar-Kreis? "Wir sind das Original", behauptet er und setzt hinzu, dass die Programmpunkte seiner Partei mehr als nur ein Lippenbekenntnis seien.

Ministerpräsident Kretschmann hat den Grünen im Ländle viel Rückenwind gegeben

"Die Grünen machen in Baden-Württemberg einen super Job", findet der in Schramberg lebende, aber aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis stammende Bundestagskandidat. Und Ministerpräsident Kretschmann habe den Grünen im Ländle natürlich viel Rückenwind gegeben, die Menschen würden sehen, "dass Grün Baden-Württemberg gut tut". Das "grüne Wunder im Schwarzwald-Baar-Kreis", als Martina Braun bei den jüngsten Landtagswahlen sogar das Direktmandat für die Grünen holte, komme also nicht von ungefähr. "Ich hätte nichts dagegen, wenn sich das grüne Wunder vom Schwarzwald-Baar-Kreis wiederholt", sagt Goerz lachend, aber er wolle ja realistisch bleiben.

Dass ein Einzug ins Parlament vom Listenplatz 32 der Grünen aus eher unwahrscheinlich erscheint, ist ihm durchaus bewusst. Er macht keinen Hehl daraus, andere Ambitionen gehabt zu haben: "Also ganz ehrlich: Ich wollte mehr", gibt er deshalb unumwunden zu. Und auch, dass er kein Problem damit habe, "in vier Jahren noch mal anzutreten". Aber "zweistellig", das solle sein Ergebnis im Schwarzwald-Baar-Kreis dann doch werden. "Man muss sportlich sein", meint Goerz.

Nachdenkliche Töne stimmt er wenig später im Kräutergarten des Kurparks an. Seine Hände streichen über Rosmarin und Salbeiblätter, es sei schon erstaunlich, welche Kraft Kräuter hätten. "Man braucht nicht immer die Pharmaindustrie", weiß Goerz. Und woran krankt seiner Meinung nach die Gesellschaft am meisten? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "an falscher Ernährung!" Zuviel Zucker, der Einsatz von Pestiziden, Massentierhaltung oder mit Antibiotika vollgepumpte Tiere sind nur einige Punkte, die er als abschreckende Beispiele aufzählt. "Sich gesund zu ernähren, das ist die beste Medizin", steht für den Schramberger fest.

Dass auch die Industrie der Region gesund bleiben muss, steht für ihn außer Frage. Auch wenn die Wirtschaft hier von vielen Automobilzulieferern lebe und diese Branche gerade vor besonders vielen Herausforderungen stehe, sei der Zug für die Region noch nicht abgefahren. "Wir wünschen uns, dass unsere Industrie das Automobil neu erfindet", sagt Goerz. Elektromobilität sei das eine, aber auch Wasserstoff halte er als Überbrückung für hochinteressant. Apropos Brücken bauen: Mit Blick auf die Integration hält er auch das für notwendig. Er habe die Ängste und Sorgen vieler Menschen in der Region angesichts der sehr großen Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge in Villingen und Donaueschingen verstanden. Trotzdem: "Frau Merkel hat schon das richtige gemacht", als sie die Flüchtlinge nach Deutschland einließ – "alles andere wäre unmenschlich gewesen", ist Goerz überzeugt. Doch die wahre Herkulesaufgabe gelte es jetzt zu meistern, das sei die Integration. Und hier herrsche noch viel Nachholbedarf, wie sein Gespräch mit Flüchtlingen in Villingen neulich gezeigt habe. Nur zwei bis drei Stunden Deutschunterricht pro Woche erhielten diese – "da müssen wir uns nicht wundern, wenn Integration nicht funktioniert", findet Goerz.

Die Themen für die er sich erwärmen kann und für die er sich gerne im Deutschen Bundestag einsetzen möchte, gehen Volker Goerz an diesem Feierabendspaziergang durch Bad Dürrheims Kurpark nicht aus – doch dann ist tatsächlich Feierabend: Volker Goerz verabschiedet sich nach einem gemütlichen Ausklang im Kurhaus und blickt erwartungsvoll auf die nächsten Wahlveranstaltungen, sein Terminkalender für die nächsten Wochen ist prall gefüllt.

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