Schwarzwald-Baar-Kreis "Das Feuer in der Stadt wieder entfachen"

Schwarzwälder-Bote, 03.08.2012 20:00 Uhr

Stefan Wagner kommt, setzt sich in ein Schwenninger Café – da klingelt auch schon das Handy. André Mangold ist am anderen Ende der Leitung, erklärt dem Manager der Wild Wings, dass er auf dem Weg in die Neckarstadt ist. Ist die Wohnung für den neuen Verteidiger fertig? Steht der Dienstwagen bereit? Fragen, die Wagner durch den Kopf gehen. Einen Kaffee, drei Telefonate und eine Stunde später hat der Manager des Zweitligisten nicht nur die Fragen von Mangold zu dessen Zufriedenheit beantwortet, sondern sich auch ausführlich über die Situation bei den Wild Wings geäußert. Natürlich ging es auch um das Sommertheater in der 2. Liga.

Herr Wagner, in genau einer Woche steht das erste Eistraining der Wild Wings an.

Ja, das wird auch Zeit. Dies wird wieder eine lockere Angelegenheit. Für die Fans, es ist ja ein öffentliches Training, ist es die erste Möglichkeit, das Team zu sehen. Und auch viele Spieler werden sich ja das erste Mal begegnen. Beginn wird übrigens um 18 Uhr sein. Die offizielle Eröffnung ist dann aber am 26. August, wenn wir gegen Basel spielen. Dann wird es auch ein Rahmenprogramm geben. Und auch die Nachwuchsarbeit des Schwenninger ERC wird vorgestellt.

Diese beiden Termine sind also fix. Jedoch war es in diesem Sommer nicht einfach, die Vorbereitung zu planen.

Dies ist richtig. Wir wussten ja lange nicht, in welcher Liga wir spielen werden. Hätten wir den Platz von München in der Deutschen Eishockey-Liga eingenommen, dann hätten wir die schon terminierten Testspiele der Münchner absolvieren müssen. So konnten wir also erst spät mit den Planungen der Vorbereitungspartien für die kommenden sechs Wochen beginnen. Weiter war es deshalb nicht möglich, ein Trainingslager im Ausland zu veranstalten. Ich denke aber, dass wir dennoch eine gute Vorbereitung hinlegen werden. Und in Sachen Team-Building werden wir uns sicher noch etwas Schönes einfallen lassen.

Sicherlich in enger Absprache mit Neu-Coach Stefan Mair.

Natürlich. Zu Lasten unserer Handyrechnung sprechen wir alles täglich sehr eng ab.

Wie charakterisieren Sie den Südtiroler, für den es die erste Station in Deutschland sein wird?

Stefan Mair ist sicherlich ein anderer Typ als unsere letzten Trainer. Er ist aber auch sehr ehrgeizig, will in Schwenningen den nächsten Schritt machen. Stefan Mair ist also hungrig und wissbegierig, dazu ein akribischer Arbeiter und ein moderner Coach. Seine Stärken liegen sicher auch im taktischen Bereich.

Nicht nur der Trainer ist neu, auch sieben Spieler wurden bisher verpflichtet.

Nach der vergangenen Saison (Aus im Halbfinale, Anm. d. Red.) war ja klar, dass wir etwas verändern mussten. Allerdings konnten wir wegen der ganzen München-Geschichte erst spät mit den Personalplanungen für die 2. Liga beginnen. Zusammen mit Stefan Mair haben wir dann nach Spielern geschaut, die zu uns passen, die uns weiterbringen können. Wichtig ist, dass das Gesamtpaket stimmt, also die Mischung von spielerischen und kämpferischen Elementen, wobei Stefan Mair schon Faktoren wie Passsicherheit und Laufbereitschaft sehr wichtig sind.

Wobei Stefan Mair mit Rob Hennigar, den er zuletzt auch in Cortina betreute, nur einen Spieler wirklich kennt.

Dies sehe ich eher als Vorteil an. Alle Spieler fangen unter Mair bei Null an, müssen sich empfehlen. Die Leistungen in der Vergangenheit, ob gut oder schlecht, zählen nichts mehr. Jeder Spieler muss sich also neu beweisen. Insgesamt ist das Team jünger geworden, dazu – so denke ich – spielerisch auch einen Tick besser.

Besser muss auf jeden Fall das Powerplay werden.

Auf jeden Fall. Wir hatten in den Play-offs eine Erfolgsquote von nur knapp acht Prozent. Das war nicht zweitligatauglich, hat uns letztendlich das Genick gebrochen. Klar, dass wir bei den Verpflichtungen auch auf die Powerplay-Fähigkeiten der Spieler geschaut haben.

Was muss sonst noch besser werden?

Wichtig ist, dass alle Mannschaftsteile gemeinsam konstant ihr Potenzial abrufen. In der vergangenen Runde gab es mal Probleme in der Defensive, dann trafen die Stürmer nicht. Es geht also darum, dass wir eine kompakte Einheit werden, als solche funktionieren.

Noch fehlt allerdings ein "junger und hungriger", so Stefan Mair, Außenstürmer.

So ist es. Und ganz ehrlich, wir haben uns zuletzt einige Absagen eingehandelt, was vor allem am derzeitigen NHL-Lock-out liegt. Viele Nordamerikaner pokern derzeit, warten ab. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bis zum Trainingsauftakt unsere letzte Kontingentstelle vergeben haben werden.

Schon seit einiger Zeit steht fest, dass Matt ­MacKay, der Sohn von "SERC-Legende" Mark, das Wild-Wings-Trikot tragen wird.

Wir freuen uns natürlich, dass wieder ein MacKay in Schwenningen spielt. Man darf aber nicht zu hohe Erwartungen haben. Matt ist ein junger Spieler, der zuletzt vor allem in der Oberliga spielte. Er besitzt Talent und soll sich bei uns weiterentwickeln. Dies gilt übrigens für viele unserer Spieler, die noch lange nicht ihr ganzes Potenzial ausgeschöpft haben.

Wir haben noch gar nicht über die Saisonziele gesprochen.

(lacht). Ja, die Saisonziele. Natürlich ist es immer der Anspruch der Wild Wings, in der Tabelle oben mitzuspielen. Wichtig dazu wäre natürlich ein guter Saisonstart, was allerdings aufgrund der vielen Auswärtsspiele nicht einfach wird. Und ein Ziel muss es sein, in den Play-offs endlich einmal in Bestform zu sein. Doch dies ist noch ein weiter Weg. Zunächst geht es auch um noch etwas anderes.

Um was?

Ganz wichtig ist es für uns, dass wir das Feuer in der Stadt für die Wild Wings wieder entfachen. Durch unsere nicht immer guten Leistungen in der vergangenen Runde, die ganze München-Geschichte und die zum Teil in der Öffentlichkeit ausgetragenen Differenzen von anderen Zweitligisten sind einige Fans zumindest verunsichert. Uns muss es durch Siege und attraktives Eishockey wieder gelingen, die Zuschauer zu begeistern. Der Spaß muss zurückkommen.

Wobei das übliche Sommertheater um Auf- und Abstieg, um juristische Spitzfindigkeiten auf Versammlungen der für die 2. Liga zuständigen ESBG oder um Förderlizenzen alles andere als spaßig war.

Dies ist noch untertrieben. Ich kann es absolut nicht nachvollziehen, und dies war nicht nur bei der Sache mit den Förderlizenzen so, dass einige Vereine Dinge an die Öffentlichkeit geben, die auf Sitzungen gar keine Rolle gespielt haben. So waren Förderlizenzen überhaupt kein Thema. Natürlich brauchen wir diese, aber eine gemeinsame und für alle zufriedenstellende Lösung, also für die DEL- und die Zweitligavereine, ist leider noch nicht in Sicht. Ich hoffe aber weiter, dass man mittelfristig endlich an einem Strang zieht.

Wie erklären Sie aber Sport-Fans, dass es derzeit nicht nur keinen sportlichen Aufstieg in die DEL gibt, sondern, dass auch Bremerhaven als Zweitliga-Absteiger weiter in der zweithöchste Klasse spielen darf?

Stopp – das kann man nicht in eine Schublade stecken. Das Problem war in diesem Sommer, dass kein Oberligist in die 2. Liga aufsteigen wollte. So kam es dazu, dass Bremerhaven die Möglichkeit bekam, weiter in der 2. Liga zu spielen. Hätte die 2. Liga in jedem Jahr einen Absteiger und die Oberligisten würden weiter nicht die Aufstiegsoption wahrnehmen, dann würde es ja bald keine Vereine in der 2. Liga mehr geben.

Dennoch gibt es Leute, für die der sportliche Wert der 2. Liga fragwürdig ist.

Das kann ich sogar nachvollziehen. Allerdings, und dies betone ich, geht es um eine sportliche Meisterschaft. Jeder Spieler, ja jeder Beteiligte, hat das große Ziel, diese zu feiern. Alles andere können wir nur sehr bedingt beeinflussen.

Wäre die Einführung einer DEL II, die ja immer wieder ins Spiel gebracht wird, eine Lösung?

Mittelfristig denke ich schon, dass die DEL II kommen wird. Es muss eben ein zukunftsfähiges Modell erarbeitet werden, dass für alle Beteiligten in Ordnung ist. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

u  Die Fragen stellte Gunter Wiedemann

 
 
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