
Von Lothar Herzog Schramberg-Tennenbronn. Investitionen in Windkrafträder oder energetische Holzvergasungsanlagen? Mit Spannung verfolgten Waldbesitzer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Tennenbronn zwei hochinteressante Vorträge zum Thema alternative Energiegewinnung. Bernhard Reuter vom Forstamt Rottweil sieht durch das von der grünt-roten Landesregierung verfolgte Ziel, bis im Jahre 2020 rund zehn Prozent des Stroms aus heimischer Windkraft zu erzeugen, neue Chancen für die Waldbesitzer. Allmählich werde das geänderte Gesetz zur Ausweisung von Flächen für Windkraftanlagen umgesetzt.
Interessant dabei sei, dass nun jeder Besitzer von geeigneten Flächen eine Anlage mit anderen zusammen selbst bauen oder einem Investor zur Verfügung stellen könne. Da Energie künftig noch teurer werde, könne dies eine gute Investition mit lukrativer Rendite sein, so Reuter. Beachtet werden müsse dabei der Lärmschutz, der Schatten- und Eiswurf des Windrads, die Biotopverhältnisse und das Landschaftsbild.
Keinesfalls dürften seltene Tiere und Pflanzen zerstört werden, sagte Reuter. Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog riet dringend davon ab, jetzt schon Flächen an Investoren zu verkaufen und auch keinen Antrag für den Bau einer Windkraftanlage zu stellen, da das neue Gesetz erst im September in Kraft trete und nach aktueller Rechtslage abgelehnt werden müsste, klärte das Stadtoberhaupt auf. Als Gegner von Windkraft- und Biogasanlagen outete sich hingegen Referent Edgar Schmider aus Villingen. Das Zauberwort heiße "Energieerzeugung ohne Abhängigkeit des Wetters". Die Energiepolitik der Zukunft werde sich total verändern. Das Dezentrale werde nicht mehr aufzuhalten sein, jede Gemeinde werde versuchen müssen, sich selbst zu versorgen, beschwor der Experte. Da Architekten, Ingenieure und Planer künftig gemäß der EU-weiten Energie-Effizienzrichtlinie prüfen müssen, welche Technik am Markt ist und ob mit dieser neben Wärme auch Strom produziert werden kann, komme der energetischen Holzverwertung durch Kraft-Wärme-Kopplung eine große Bedeutung zu. Diese Technik sei nichts Neues, aber überlegenswert. Während bei Windkraftanlagen der Wirkungsgrad nur rund 60 Prozent, der von Biogasanlagen lediglich etwa 50 Prozent betrage, könne eine Holzvergaseranlage, die Strom, Wärme und Kälte produziere, bis zu 80 Prozent erreichen, so Schmider. Ulrich Müller vom Ramsteinerhof in Haslach-Fischerbach erklärte den Waldbauern die Funktionsweise seiner 45-Kilowatt-Holzvergaseranlage, die er seit zwei Jahren in Betrieb hat und Strom ins Netz einspeist. Sie braucht pro Tag circa fünf Kubikmeter Hackschnitzel, die mit der gewonnen Wärme aus der Anlage auf mindestens 15 Prozent Restfeuchte getrocknet werden. Da die Technik der Holzvergasung noch in der Entwicklung steckt, schätzte Müller die Zeit der Amortisation auf sieben bis zehn Jahre bei einer Laufzeit von 20 Jahren.