
Von Lothar Herzog Schramberg. Das Thema war hochaktuell, der Vortrag interessant und spannend und der Referent überzeugte mit immensem Fachwissen. Doch der Besuch der Vorträge im Schloss zur Europawoche der VHS blieb erneut hinter den Erwartungen zurück.Schade eigentlich, denn die Chance, mehr über die bewegte Geschichte, Kultur und (Außen)-Politik Europas, insbesondere von Deutschland, Frankreich und Großbritannien, in so kurzer Zeit und für jeden verständlich zu erfahren, wird so schnell nicht wiederkommen.
Hans J. Tümmers, der Politikwissenschaft an der European School of Business Reutlingen lehrt, verstand es hervorragend, die aufmerksamen Zuhörer zum Thema "Europäische Visionen und nationale Realitäten – Europa in der Krise?" des Öfteren zum Schmunzeln zu bringen, indem er bewusst von der Thematik etwas abschweifte und seine eigene Meinung einbrachte. Sein Ziel war es, den Besuchern die Europäische Union im Zusammenhang mit den nationalen Interessen der Mitgliedsstaaten näher zu bringen, was ihm sehr gut gelang.
Manchmal seien Visionen eben erfolgreich. Denn wer hätte gedacht, dass die USA einmal ein Farbiger regiere, die Berliner Mauer falle, die Sowjetunion auseinanderbreche oder Tunesien und Ägypten von Revolutionen heimgesucht würden. Die europäische Integrationsgeschichte sei eine Abfolge von Krisen, sagte Tümmers. Zurzeit gebe es beispielsweise die Euro-Krise.
Europäische Visionen müssten immer mit den nationalen Interessen in Einklang gebracht werden. Europa habe keine klar definierten geografischen Grenzen, diese würden vielmehr kulturell bestimmt. Eine gemeinsame Kultur schaffe jedoch nicht automatisch eine Schicksalsgemeinschaft, in der eine umfassende Solidarität bestehe und jeder für den anderen eintrete. Oft werde der Grundsatz vergessen, dass Außenpolitik die Vertretung von nationalen Interessen bedeute. Es könne kein vereintes Europa ohne Deutschland und kein Deutschland ohne vereintes Europa geben.
Frankreich, erläuterte Tümmers, habe im Gegensatz zu Großbritannien seine Haltung zu einem integrierten Europa kontinuierlich geändert und sei das Land, das die größten Interessen am europäischen Integrationsprozess aufweise, behauptete der Referent. Die Europapolitik habe für Deutschland oberste Priorität. Sie erfordere jedoch die Wahrung von Bescheidenheit und Vorsicht sowie eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich.
"Der europäische Traum geht weiter"
Die Europäische Union sei keine Föderation, sondern eine Form kontinentaler Zusammenarbeit, für die es bislang noch keine Vorbilder gebe. Europa sei darüber hinaus keinesfalls in der Krise, der "europäische Traum" gehe auf jeden Fall weiter, lieferte Tümmers umgehend die Antwort auf die Frage seines Vortrags gleich mit, dessen Äußerung, Deutschlands Schulen seien im Gegensatz zu denen in Frankreich Wellness-Oasen und Chaoten-Schule, im Anschluss zu einer kleinen Schul- und BildungssystemDiskussion führte, da an diesem Abend auch der ein oder andere Pädagoge im Publikum saß.