Schramberg - Ein Schutt- und Schlammstrom rutschte am frühen Morgen in Schramberg vom Schlossberg ins Tal und wurde hinter der "Schönen Aussicht" abgebremst.

Wasser und Schlamm bahnten sich ihren Weg über die Treppen zwischen dem Gasthaus und dem Nachbarhaus und schossen dann über den unteren Burgweg und zwischen St. Maria und der Musikschule hindurch zur Schiltach. Eine rote Schlammschicht bedeckte den Burgweg bis hinab zum Flussufer.

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Der steile Hang am Schlossberg war am Fuß des Holzabfuhrwegs abgegangen und hatte einige Bäume mitgerissen, die dann als Verhau oberhalb der Schönen Aussicht hängen blieben und somit Schlimmeres verhinderten.

Erst in der morgendlichen Dämmerung hatten die Anwohner erkennen, was genau in der Nacht passiert war, "als die Straßenlaternen schon ausgeschaltet waren".

Der Städtische Bauhof, der am Morgen die Situation schnell erkannte, informierte die Stadtverwaltung, die aufgrund der Gefahrenlage die Bewohner aus drei betroffenen Häusern am Burgweg evakuierte. Zu groß, so Oberbürgermeister Thomas Herzog, sei die Gefahr, dass ein zweiter Teil des Hangs oberhalb der Häuser drohe, in Richtung der Gebäude zu rutschen. Dabei handelt es sich wohl rund um fast 600 Kubikmeter Material, wie vor Ort deutliche wurde. Die Menschen kamen bei Bekannten und Verwandten unter.

Um zumindest der Schlammlawine auf dem Burgweg Herr zu werden, war am Nachmittag der städtische Bauhof mit Räumgerät und Bagger angerückt. Zuvor schon war der Wassergraben bei der "Schönen Aussicht", der vom Schlamm zugedeckt worden war, wieder geöffnet worden, um ein Abfließen des Hangwassers zu ermöglichen.

Zur Sicherung vor weiteren Abrutschungen war schließlich auch das Technische Hilfswerk im Einsatz, das allerdings nach ersten Sicherungsarbeiten, so Herzog, abgezogen werden musste, da auch für die Helfer selbst Gefahr bestand.

Gegen Spätnachmittag war dann auch der Geologe des Regierungspräsidiums Freiburg vor Ort, um sich ein Bild von der Lage am Burgweg zu machen. "Wir müssen noch abwarten, wie wir mit der Situation technisch umgehen", sagte das Stadtoberhaupt gestern Abend. In Abstimmung mit der Stadt wurde dann gestern mit einem Bagger auf dem Forstweg begonnen, das Hangwasser umzuleiten, um eine weitere Durchnässung des Geländes zu verhindern. Dazu war auch das Technische Hilfswerk wieder im Einsatz, das die Baustelle ausleuchtete.

Vor fast einem Jahr hatte es ebenfalls am Fuß eines Waldwegs in der Schramberger Südstadt eine größere Hangrutschung gegeben, die eine Taubenzuchtanlage verschüttet hatte. 1988 war es zudem schon im Bereich des heutigen Schadensereignisses zu einer Moräne gekommen, so dass ein Verbau angebracht wurde. Den Waldwegebau im Rotliegenden, also dem typischen Schramberger Deckgestein, sieht Walther sowieso als "äußerst schwierig" an, weil sich im Gegensatz zum Granit der Untergrund bei Abbrüchen nicht verzahne, sondern das darüber liegende Material wie auf einer Rutsche talwärts befördert werde.