
Schopfloch (rs). An den 570 Schwerbehinderten im Kreis ging der Wirtschaftsaufschwung bislang vorbei. Deswegen stellt die Agentur für Arbeit Nagold die kommenden Monate unter die Überschrift "Inklusion". Wie sich die Einbindung Behinderter im Arbeitsalltag gestalten kann, zeigt das Schopflocher Unternehmen Homag.
Seit 2007 bietet Homag in einer Initiative mehrerer Firmen im Kreis Ausbildungsplätze für lern- und teils auch körperbehinderte Jugendliche an. In der Regel treten beim Schopflocher Unternehmen jährlich zwei Jugendliche eine Ausbildung zum Metallfeinbearbeiter an. Das Berufsbild wurde zwar nicht speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Lernbehinderung zugeschnitten, bietet ihnen jedoch gute Rahmenbedingungen. Denn bei der Ausbildung zum Metallfeinbearbeiter wird der Lehrinhalt der ersten beiden Lehrjahre eines Industriemechanikers auf drei Jahre verteilt.
Steffen Stippl, Leiter der Technischen Ausbildung, und Ausbilder Andreas Beilharz zogen beim Pressegespräch eine positive Bilanz. Zwar sei der Betreuungsaufwand höher, aber alle Metallfeinbearbeiter seien übernommen worden, so Stippl. Ein Lehrling habe sogar besonders gute Leistungen gezeigt. Er habe anschließend eine Ausbildung zum Industriemechaniker begonnen.
"Einbindung schafft Motivation", ist Stippl überzeugt. Das Gefühl, gebraucht zu werden sei etwas, das man allen Schwerbehinderten vermitteln müsse. Für ihn ist Inklusion eine "gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Geschichte". Im Zuge von demografischem Wandel und Fachkräftemangel rücken Bevölkerungsgruppen in den Fokus der Firmen, die bislang als unvermittelbar galten.
Soll Inklusion gelingen, müssen viele Rädchen inein-andergreifen. Bei Dennis Binder gelang dies mustergültig: Agentur für Arbeit, Homag, Krankenkasse und er selbst mit seiner Familie zogen an einem Strang. Binder hat eine Lernbehinderung, seine linke Hand fehlt. Trotzdem begann er im Oktober eine Ausbildung zum Metallfeinbearbeiter bei Homag. Bei Binder ging der Ausbildung ein Praktikum voraus. In dem konnte getestet werden, ob er mit Hilfe einer speziellen Prothese die anfallenden Arbeiten erledigen kann. Dass die Krankenkasse mitspielte und die Prothese bereits für das Praktikum zur Verfügung stellte – für Binders Ausbilder Andreas Beilharz eine "tolle Sache". Dennis Binder fühlt sich gut integriert. Im Betrieb wird er mit acht Industriemechanikern und einem weiteren Metallfeinbearbeiter ausgebildet. Das Oberlinhaus Freudenstadt begleitet die Ausbildung zusätzlich mit einem Nachhilfeangebot. Mit Beispielen wie Dennis Binder will die Agentur für Arbeit laut deren Chef Ulrich Viertl in den kommenden Monaten für die Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer werben.