Von Uwe Ade

Schopfloch. Informationen zur Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft bekam der Gemeinderat Schopfloch in seiner jüngsten Sitzung von der Vorsitzenden des Verbands der Bürgerenergiegenossenschaften in Baden-Württemberg, Elisabeth Strobel.

Durch eine solche Genossenschaft – 58 gibt es bereits unter dem Dach des Verbands in Baden-Württemberg – wäre es für die Bevölkerung möglich, sich an der großen Windkraftanlage bei Oberiflingen zu beteiligen. Mit eingeschlossen wären noch drei Windräder des gleichen Anlagentyps wie in Schopfloch mit ebenfalls je 138 Metern Nabenhöhe, die derzeit bei Berghülen im Alb-Donau-Kreis entstehen. Diese sollen noch dieses Jahr in Betrieb gehen. In Berghülen wurde vergangene Woche bereits eine Bürgerenergiegenossenschaft gegründet.

"Der Charme dabei ist, dass wir die Anlage in Oberiflingen jeden Tag sehen", sagte Bürgermeister Klaas Klaassen und wollte wissen, ob es möglich sei, nur die Anlage in Oberiflingen und eventuell dort später dazukommende Anlagen in die Beteiligung zu nehmen. Dazu erklärte Frank Lehmann von der EnBW Neue Energien, dass Schopfloch und Berghülen bei der EnBW als Verwaltungseinheit zu einer Gesellschaft zusammengefasst seien. Elisabeth Strobel hob die bessere Risikostreuung bei zwei Standorten hervor. Sie wies zudem darauf hin, dass die Genossenschaft nach Gründung nicht an nur ein Projekt gebunden sei. Es könnten weitere Beteiligungen dazukommen.

Frank Lehmann gab Informationen zu den Anlagen sowie zur Wirtschaftlichkeit und stellte ein Modell vor. Er wies darauf hin, dass ein ähnliches Projekt, jedoch im Photovoltaikbereich, bereits erfolgreich umgesetzt worden sei. Durch den Mindestzins von 3,5 Prozent, der für heutige Verhältnisse recht attraktiv sei, sei das Risiko gering. Ein Vorteil für die Genossenschaft ist laut Lehmann auch, dass die EnBW selbst Investor bleibt. Um seine Mehrheit zu sichern, hat der Stromversorger den Anteil von Genossenschaften auf 49,9 Prozent begrenzt. Als Risiken nannte Lehmann, dass die prognostizierten Erträge nicht erreicht werden oder – im Extremszenario – die EnBW in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnte.

Zur Anlage in Oberiflingen berichtete Lehmann, dass diese sehr gut laufe. Momentan liege die technische Verfügbarkeit bei 99 Prozent. Zwar sei die Stromproduktion im Sommer schwächer als erwartet ausgefallen, dies sei jedoch nicht aussagekräftig. Er gehe davon aus, dass die erwarteten Werte nach einem Jahr auf jeden Fall erreicht werden.

Elisabeth Strobel führte aus, dass in den 58 Genossenschaften ihres Verbands – die erste wurde 2008 gegründet – bisher keine negativen Erfahrungen gemacht worden seien.

Man werde sich im Gemeinderat nochmals beraten und in Klausur gehen, erklärte Klaassen. Er könne sich zudem vorstellen, die Beteiligung auf den Gemeindeverwaltungsverband oder auf den Landkreis auszudehnen. Falls man sich für eine Bürgerenergiegenossenschaft entscheidet, ist der nächste Schritt eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung. Bei positiver Resonanz steht dann die Gründungsversammlung für die Genossenschaft an. Damit jeder die Möglichkeit hat, sich zu beteiligen, soll die Beitragsuntergrenze für Anteilsscheine möglichst niedrig sein und in der Regel bei 100 Euro beginnen.