Schönwald Schmidt: Schönwald ist alleine lebensfähig

Schwarzwälder-Bote, 28.04.2012 02:11 Uhr

Von Christel Börsig-Kienzler Schönwald. In seiner wohl letzten Bürgerversammlung zog Bürgermeister Hans-Georg Schmidt gestern Abend vor rund 150 Zuhörern in der Uhrmacher-Ketterer-Halle Bilanz, was während seiner Amtszeit in den vergangenen über 30 Jahren in Schönwald alles gegangen ist.Mit Blick auf die Bürgerversammlungen in Schonach und Schönwald zum Thema "Stärkere Kooperation der beiden Gemeinden" sagte Schmidt eingangs: "Meine Bilanz soll auch zeigen, dass der Heilklimatische Kurort und Wintersportplatz Schönwald, das mir ans Herz gewachsene Dorf, alleine lebensfähig ist. Wir haben in den letzten 30 Jahren alle Gebäude und alle Einrichtungen der Gemeinde, bis auf das Freibad, grundlegend saniert oder neu gebaut".

Schmidt erinnerte an die Anfänge seiner Amtszeit, die 1981 begann, in der nicht, wie versprochen, zuerst das Problem Haus des Gastes angegangen werden konnte, sondern zuerst die Wasserversorgung in vielen Bereichen saniert und das Hallenbad in Ordnung gebracht werden musste. Letzteres müsse jetzt wieder generalsaniert werden.

Das fast 30-jährige Projekt "Wasserversorgung" könne im Herbst durch die Inbetriebnahmen des über zwei Millionen Euro kostenden, neuen Wasserwerks vorläufig abgeschlossen werden. Die Quellensuche im Oberort habe sich als richtig erwiesen und den teuren Einstieg bei der Bodenseewasserversorgung erspart. Künftig werde man erstklassiges Wasser nachhaltig produzieren können und habe somit eine gute Lösung für die Zukunft.

Mit vereinten Kräften habe man auch die Uhrmacher-Ketterer-Halle gebaut, die für Schönwald ausreichend und auch bezahlbar sei, fuhr Schmidt fort. Die Sporthalle sei auch im Jahr 1993 an die Schule angebaut worden. Zur selben Zeit seien Regenüberlaufbecken gebaut und Wohnhäuser saniert worden.

Schmidt erinnerte an das traurige Kapitel Uhrenfabrik Wehrle in der Ortsmitte. Das Land und die Gemeinde hätten über fünf Millionen Mark ausgegeben, um sie zu retten und eine weitere Million, um die Gebäude abzureißen. Alles habe nichts genutzt, die Firma existiere wie damals nicht mehr. Schmidt bedauerte auch, dass man bis heute für die in den 1990er Jahren entstandenen Überplanungspläne des Geländes in zentraler Lage keinen Investor fand. Daher wolle der Gemeinderat nächstes Jahr ein Bürgerforum beginnen, um Ideen zu gewinnen, was man mit der Ortsmitte machen kann und soll. Mündlich sei die Aufnahme in das Ortskernsanierungsprogramm 2013 zugesichert. Studenten der Fachhochschule Nürtingen würden Vorschläge ausarbeiten

Wieder zurück blickend erinnerte der langjährige Schultes an den landwirtschaftlichen Wegebau im Rahmen der Flurbereinigung und an den Neubau für den Bauhof in der Gutachstraße 1997/98.

Raumschaftsgemeinden müssen für Hauptschule gemeinsam kämpfen

Mit dem Erhalt von Erdgas rüstete die Gemeinde alle Heizungen um. Es wurden Unimogs, Fahrzeuge, Maschinen, Pistenwalzen und Schneekanonen gekauft, "ohne die manche Wintersportveranstaltung heute nicht möglich wäre", und der Skilift nachgerüstet.

"Der Spielplatz in der Ortsmitte wurde gebaut, das erste Gewerbegebiet ›Im Loch‹ und auch das Wohnbaugebiet ›Sägebauer‹ erschlossen", informierte der Bürgermeister.

"Die Sanierung der Grundschule folgte und die Vereinbarung mit der Nachbargemeinde Schonach, dass diese künftig die Hauptschule für Schonach und Schönwald haben wird. Leider hat die Landesregierung dazu geführt, dass wir auch um diese Haupt- und Werkrealschule kämpfen müssen. Richtig wird es sein, wenn die Raumschaftsgemeinden hier zusammenstehen und eine Lösung finden, damit unsere Schüler in der Raumschaft weiter alle Abschlüsse bis zum Gymnasium erreichen können".

Schmidt sprach die Investitionen im Kindergarten und in der Grundschule an. Hier habe man genau das Richtige getan und werde auch weiter agieren, damit junge Familien die Einrichtungen finden, die sie nach ihrer Meinung brauchen. Kanalbau im Außenbereich sei teuer, aber notwendig und richtig gewesen, so Schmidt. Der Bau der Verbandskläranlage in Gremmelsbach zeige, "dass Triberg, Schonach und Schönwald immer dann eng zusammenrücken müssen, wenn ein jeder daraus einen Vorteil habe". So könne man Spitzen in den Gemeinden ausgleichen und kostengünstiger arbeiten.

Auch für die Feuerwehr sei das Notwendige getan worden und 2003/04 habe man mit Bürgerspenden und Sammelaktionen den alten Friedhof umgestaltet und eine neue Aussegnungshalle gebaut.

Die langen Verhandlungen bis zur Geburt des Vereins Ferienland und der Ferienland GmbH erwähnte Schmidt ebenfalls. Schönwald sei als stärkster Ort im Tourismus den Weg immer vorausgegangen. Man habe nicht jeden Pfennig gezählt, der dazu notwendig war, sich anzunähern. Künftig müsse man auch bei den touristischen Einrichtungen stärker auf Qualität als auf Quantität setzen. Er riet Vermietern mehr für die Gäste-Unterhaltung zu tun, das sei nicht Aufgabe der Tourist-Infos und der Allgemeinheit.

"Unsere Festung ist ein Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme"

Zu den Investitionen sage Schmidt: "Mit nur 250 000 Euro Eigenmitteln konnten wir unser Rathaus mit barrierefreiem Zugang herrichten. Damals war von einem Zusammenschluss noch nicht die Rede." Sein Zusatz "Unsere Festung kann sich wirklich sehen lassen und ist ein Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme", sorgte für Erheiterung im Saal.

Jetzt fehle nur noch schnelles Internet im Dorf, fuhr Schmidt fort. Er hoffe, dass sich hier schon bald etwas tut.

Der Bürgermeister räumte offen ein, dass "sehr wenig in die Straßenunterhaltung gesteckt wurde". Ihm seien jedoch ordentliche Einrichtungen für die Kinder, den Sport und die Freizeitgestaltung, also Investitionen in die Zukunft, die das Dorf lebenswert und als Wohnort mit intakter Natur attraktiv halten, wichtiger. Er bat am Ende die Schönwälder, auch weiter den Gemeinderat und künftigen Bürgermeister zu unterstützen. "Wenn Sie dies alle miteinander tun, habe ich um die selbstständige Gemeinde Schönwald, in der ich alt werden möchte, keine Angst".

Zum interessanten Thema Windenergie referierte anschließend ausführlich Gerhard Kienzler von der Windkraft Schonach GmbH.

 
 
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