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Schönau Einst Stromrebellin, heute preisgekrönt

Ralf Deckert, vom 12.04.2011 17:10 Uhr
Ursula Sladek kämpft für eine atomfreie Zukunft. Foto: EWS
Ursula Sladek kämpft für eine atomfreie Zukunft. Foto: EWS

Schönau/San Francisco - Stromrebellin ist kein Lehrberuf: Ursula Sladek aus Schönau (Kreis Lörrach) ist Stromrebellin aus Überzeugung. Das Atomunglück in Tschernobyl vor 25 Jahren brachte sie und ihren Mann, den Arzt Michael Sladek, auf die Idee, dass man »etwas tun« müsse, um den Gefahren der Kernenergie zu entgehen. Gestern erhielt Ursula Sladek in San Francisco den mit 150 000 US-Dollar (rund 103 700 Euro) dotierten »Goldman Environmental Prize«, einen der weltweit wichtigsten Umweltpreise für Bürgerbewegungen.

Aus ihrer Elterninitiative »Eltern für atomfreie Zukunft« entstand die Idee, das Stromnetz des heimischen Städtchens Schönau mit seinen 2500 Einwohnern selbst zu betreiben. Ein nahezu revolutionäres Vorhaben, aus dem schließlich 1997, gegen viele Widerstände und mit Hilfe illegaler Solarmodule auf heimischen Kirchendächern, die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) hervorgingen. Da war es dann eben aus mit dem Leben als Lehrerin und Mutter. Ursula Sladek wurde neben ihrem Mann Chefin eines Energieversorgers, der ausschließlich mit atomfreiem Strom aus Wasserkraft und Kraft-Wärme- Kopplung handelt und auch keinen nuklear aktiven Stromriesen als Anteilseigner im Hintergrund hat.

Preisträger sind gefragte Ansprechpartner für die US-Medien

Heute ist Ursula Sladek gefragter Gast in Talkshows und berät Kommunen, die ihre Energieversorgung in die eigene Hand nehmen wollen. Die EWS sind ein bundesweit beachtetes Modell für eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand.
Für die Demokratisierung der Stromversorgung wurde die 64-Jährige gestern in San Francisco mit dem »Goldman Environmental Prize« geehrt, der auch als grüner Nobelpreis bezeichnet wird. Im Anschluss an die Preisverleihung gehen die Preisträger auf eine zehntägige Rundreise durch Teile der USA, wo sie gefragte Ansprechpartner für die US-Medien zu Umweltthemen sein werden. Vorgeschlagen wurde Sladek von Ashoka, einer weltweit tätigen Förderorganisation für Sozialunternehmer: »Ursula Sladek hat mit ihrer Pionierarbeit bewiesen, dass Stromversorgung bürgereigen und dezentral organisiert werden kann« so Michael Vollmann von Ashoka Deutschland. Der »Goldman Environmental Prize« wurde 1989 von dem mittlerweile verstorbenen Unternehmerpaar Richard und Rhoda Goldman gestiftet und wird jedes Jahr an sechs Preisträger aus aller Welt vergeben. Bisher wurde er an 145 Menschen aus 80 Ländern verliehen. Ursula Sladek ist erst die zweite deutsche Preisträgerin in einer Reihe von Persönlichkeiten wie die afrikanische Preisträgerin des Jahres 1991, Wangari Maathai. Sie erhielt 2004 den Friedensnobelpreis.

Zeitpunkt der Ehrung fast schon makaber

Ursula Sladek wird zu einem Zeitpunkt geehrt, der auf fast schon makabre Weise kaum besser gewählt sein könnte: Vor genau 25 Jahren kam es in Tschernobyl zur großen Reaktorkatastrophe, die letztlich zur Gründung der EWS geführt hat. Und nun hat die neuerliche Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima die Aufmerksamkeit wieder auf das Thema Atomausstieg gelenkt. Seit Fukushima ist die Nachfrage nach »Rebellenstrom« ums Zehn- bis Zwölffache angestiegen, berichtet EWS-Mitgeschäftsführer Martin Halm.
 
Die EWS haben mittlerweile über 1000 Anteilseigner, über 105 000 Kunden und sie verkaufen jährlich 400 Millionen Kilowatt Stunden Ökostrom. Das stete Wachstum brachte 2009 einen Jahresumsatz von 67 Millionen Euro. Zuletzt wurden die EWS Partner der Stadt Titisee-Neustadt im Hochschwarzwald, deren Gemeinderat die Übernahme des städtischen Stromnetzes und die Gründung eigener Stadtwerke beschlossen hat.
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