
Schömberg - Welches Sakko zu welchem Anlass? Leuchtend rote oder dezent dunkelblaue Krawatte? Ist Ladies First immer richtig? Beim Gentleman-Training im Schömberger Kursaal hatte Coach Dirk Pfister für jede Frage der rund 100 Zuhörer die passende Antwort parat.Das Publikum lernte an diesem Abend einiges über Kleidung und Etikette und hatte bei der humorvollen Präsentation viel zu lachen. Coach Pfister, in Gala-Anzug samt Fliege gekleidet, spickte seine Ausführungen mit Anekdoten und Witzen.
Auf der Bühne hing Anzug an Anzug an einem Ständer. Auf einem üppig beladenen Tisch stapelten sich Hosen, Hemden, Schuhe und Gürtel. Mithilfe dieses textilen Sammelsuriums erklärte der Coach, wie lange Hemdsärmel sein dürfen, wo die Krawatte enden muss und dass ein Arbeiterunterhemd nicht gerne gesehen ist. "Es sei denn, sie haben schon eine Frau gefunden, die sie geheiratet hat." Obwohl es "Gentleman-Training" hieß, waren hie und da Frauen in den Stuhlreihen zu sichten. Auch für die Damen hatte Dirk Pfister den ein oder anderen Hinweis. Das falle ihm nicht schwer, sagte er, da er eine Ausbildung in Farbstil und Imageberatung für Frauen durchlaufen habe.
Doch Gentleman-Training ist nunmal nicht Gentlewoman-Training. Weshalb der Stilcoach vor allem für Männer wertvolle Tipps zu bieten hatte. Dass ein Alltagssakko beispielsweise mindestens einen Schlitz an der Hinterseite haben muss, war den wenigsten Zuhörern im Kursaal bekannt. Verstohlen tasteten einige gleich ihres ab. Auch, dass ein Anzug insgesamt elf Taschen hat, glaubte mancher erst nach der öffentlichen Auszählung. "Männer brauchen das. Für Frauen hat der liebe Gott ja Handtaschen erfunden", so Pfister.
Noch überraschender für das Publikum war, dass der allseits bekannte und beliebte Spruch "Ladies First" nicht in allen Lebenslagen passt. In der Garderobe beispielsweise schwingt sich der Mann zuerst in den Mantel. Nach drei Mal Raten war der Grund gefunden: Damit die Dame nicht so lange dick eingepackt in der Wärme warten muss.
Dass auch Männer in den Chefetagen in Modefragen oft danebengreifen, zeigte Pfister am Beispiel eines Schlipses, den er dem Vorstandsmitglied einer großen Firma abgenommen hatte: schreiend bunt mit den Gesichtern von Popeye und seiner Frau Olivia aufgedruckt. "Ich musste fast mit ihm darum kämpfen", erzählte er lachend.
Abschließend gab Pfister seinem Publikum mit auf den Weg, sich immer dem Anlass entsprechend zu kleiden. Und sich vor einem Treffen, Vorstellungsgespräch oder Geschäftsessen zu informieren, was das Gegenüber erwartet. "Bei jemandem, der keinen Wert auf schicke Kleidung legt, müssen sie auch nicht im feinen Anzug erscheinen." Um sich an das Anzugtragen zu gewöhnen, empfahl der Stilcoach schlicht: "Gehen sie mit ihrem besten Freund einen heben und schlafen sie danach in ihrem Anzug."
Dirk Pfister präsentierte seine Stilberatung als Auftaktveranstaltung zum dritten deutschen Weiterbildungstag. Im Kreis Calw hat es sich die Arbeitsgemeinschaft "Fit durch Fortbildung" zur Aufgabe gemacht, diesen Tag wieder durch ein Ereignis zu bereichern, und hatte den Stilcoach eingeladen.