Schömberg Tüftler bauen E-Pferd für Kinderklinik

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Haben Zügel, Zeitplan und Steuerung fest in der Hand (von links): Urs Machtolf, Artur Bühler und Stefanie Braun treten mit einem selbst gebauten E-Pferd beim Regionalwettbewerb "Jugend forscht" an und hoffen, dass sie mit einer Qualifikation für den Landeswettbewerb durch das Ziel galoppieren. Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Isabel Hansen Schömberg/Königsbach­Stein. Mit einem Pferd, das auf der Stelle läuft, wollen drei Auszubildende des Maschinen- und Anlagenbauers Felss aus KönigsbachStein im Regionalwettbewerb "Jugend forscht" Mittelbaden/Enz am 1. März das Rennen machen. Ein Gewinner ist schon jetzt die Kinderklinik Schömberg. Sie bekommt das E-Pferd für die Hippotherapie geschenkt."Die Rollbewegungen unserer Hüften beim Reiten sind identisch mit den Bewegungen, die wir beim Gehen machen." So erklärt Stefanie Braun, Mechatronik-Auszubildende im dritten Lehrjahr, wie die Hippotherapie behinderten Kindern helfen kann, wieder laufen zu lernen. Auch in der Klinik wird diese Therapieform eingesetzt. "Sie kann aber immer nur bei gutem Wetter und in Begleitung mehrerer Spezialisten durchgeführt werden. Deshalb wollten wir ein Gerät entwickeln, das die Bewegung des Pferdes simuliert und so die Hippotherapie ergänzen kann", erläutert sie.

Bevor sie sich mit dem Mechatronik-Auszubildenden Urs Machtolf und dem angehenden Industriemechaniker Artur Bühler an die Arbeit gemacht hat, stand Grundlagenforschung im Stall auf dem Programm, inklusive Reitstunde. Für die absoluten Anfänger Machtolf und Bühler eine einmalige Erfahrung.

Die jungen Männer sind sich einig: "Ein paar PS mehr sind uns lieber." Da war die Arbeit mit der Videotechnik schon eher etwas für Hobby-Fotograf Machtolf. "Mit High-Speed-Kameras haben wir die Bewegung eines Pferds im Schritt mit 16 000 Bildern in der Sekunde aufgezeichnet." Ein hoher Aufwand im wahrsten Sinn des Wortes: "Wir brauchten synchrone Aufnahmen von der Seite und von oben. So haben wir für eine Kamera ein Gerüst gebaut." Über Messpunkte an Schulter und Hüfte des Tiers konnten die Daten ausgewertet werden und lieferten die dreidimensionale Vorlage für eine realitätsnahe Simulation.

Unter dem gesattelten Schaumstoff-Koloss, der in der Lernwerkstatt auf seinen letzten Schliff wartet, steckt eine hochkomplexe Technik. Vier einzeln gesteuerte Zylinder fungieren als Hufe und geben die Abstoßimpulse. Die Bewegung wird über ein tragfähiges und elastisches Skelett aus miteinander verbundenen Hydraulik-Schläuchen auf den Rücken übertragen. Wärmflaschen fungieren als Blasebalg, der das Schaukeln im Schritt verstärkt. Der rollbare Standfuß, den der 20-jährige Bühler gebaut hat, ist vollgepackt mit Elektronik: Kabel, Platinen, Steuerungselemente.

Ein Knopfdruck auf Start, das Programm fährt hoch, dann zuckelt das Pferd unter Surren und Schnaufen im Schritt-Takt auf der Stelle. "Fühlt sich an wie auf einem Pferd", findet Braun, die – anders als die Kollegen – mehrjährige Reiterfahrung hat. Der letzte Test steht noch aus: "Im Vermessungsraum der Klinik, wo sonst Ganganalysen bei Kindern durchgeführt werden, gleichen wir den tatsächlichen Bewegungsablauf unseres Pferdes mit den Daten aus dem Bewegungsablauf des echten Pferdes ab."

750 Stunden hat das Trio seit 2010 in der Lernwerkstatt des Familienunternehmens, im Stall und in der Freizeit in die Tüftelei gesteckt. Viele Hindernisse mussten überwunden werden. "Als wir das Pferd schon verkleidet hatten, haben wir festgestellt, dass der Skelett-Körper nicht tragfähig war. Wir mussten alles wieder auseinandernehmen und von vorn anfangen", erinnert sich das Trio an einen Rückschlag. Mal war die Leistung der Zylinder zu schwach, mal der Kopf zu schwer, dann entbrannten Diskussionen darüber, ob für die Halterung der Bedienung ein Pinnwand-Magnet reicht oder einer bestellt werden muss. "Eigentlich gab es fast täglich ein Problem, dass wir lösen mussten." Aufgeben kam für die Tüftler aber nie in Frage. "Das Ziel war, behinderten Kindern zu helfen." Die Idee, sich für "Jugend forscht" anzumelden, kam später und mit ihr der Ehrgeiz: "Natürlich hoffen wir auf einen Preis." Ein Win-Win-Projekt für alle sei die Aktion schon jetzt: "Wir haben wahnsinnig viel gelernt. Die Kinderklinik bekommt ein Therapiegerät geschenkt. Und Felss hat etwas Gutes getan."

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