Schömberg Paintball-Sporthalle bleibt umstritten
Wolfgang Krokauer, 09.11.2012 10:02 Uhr
Ob im Interkom Nordschwarzwald eine Paintball-Sporthalle entsteht, ist bislang offen.Foto: Baziuk
Schömberg/Unterreichenbach/Engelsbrand - Ob im Gewerbegebiet Interkom Nordschwarzwald in Schömberg eine Paintball-Sporthalle entsteht ist offen.
Zwar hat sich der Gemeinderat von Schömberg mehrheitlich gegen ein solches Vorhaben ausgesprochen, doch letztendlich entscheidet die Versammlung des Zweckverbandes Interkom Nordschwarzwald darüber. Das Gremium tagt am nächsten Montag, 12. November, ab 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Schömberg. Dort haben neben Schömberg die beiden anderen am Interkom beteiligten Gemeinden Engelsbrand sowie Unterreichenbach ebenfalls eine Stimme.
Engelsbrands Bürgermeister Bastian Rosenau sagte, dass es im Engelsbrander Gemeinderat keine abschließende Beratung gegeben habe: "Wir stimmen uns mit den anderen beiden Kommunen ab." Der Rathauschef selbst hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Die von der Paint-Plus GmbH eingereichten Unterlagen sind ihm aber noch zu wenig. Jedenfalls möchte er wissen, ob bei dem Vorhaben Arbeitsplätze entstehen und Gewerbesteuer eingenommen wird. Darüber hinaus will er geklärt haben, ob bei dem Spiel auf Menschen geschossen wird, wobei er sich vor einer Vorverurteilung hüten möchte. Er räumte ein, dass sich im Interkom Nordschwarzwald bislang nicht allzu viel tue.
Auch Unterreichenbachs Rathauschef Carsten Lachenauer ist gespannt auf das, was die Vertreter der Paint-Plus GmbH am Montag zu sagen haben. Er machte deutlich, dass es auch seiner Gemeinde vorwiegend um Arbeits- sowie Ausbildungsplätze geht. Er hoffe deshalb auf die Ansiedlung mittelständischer Betriebe. Was er bislang gesehen habe, sehe nicht nach Arbeitsplätzen aus. Momentan tendiere er eher dazu, die Pläne für eine Paintball-Sporthalle abzulehnen: "Sie ist nicht typisch für ein Gewerbegebiet."
Thorsten Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter der Paint-Plus GmbH, sagte, dass fünf bis sechs versicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze entstehen. Er investiert in das Projekt nach eigenen Angaben 800 000 Euro. Beim Paintball werde übrigens nicht auf Personen geschossen, sondern sie würden markiert.
Am Interkom Nordschwarzwald in Schömberg ist Engelsbrand mit 30, Unterreichenbach mit 15 sowie Schömberg mit 55 Prozent beteiligt. Jede Kommune hat eine Stimme. Für Schömberg sitzen sieben, für Engelsbrand fünf sowie für Unterreichenbach drei Vertreter in Versammlung des Zweckverbandes, der seit Anfang 2010 existiert.



Paintball-Sporthalle
Als aktiver Spieler kann ich die Haltung von Herrn Lachenauer natürlich nachvollziehen. Eine Paintball-Sporthalle findet sich nicht an jedem Ort, was aber vermutlich daran liegen dürfte, dass der Sport die Mitte der Gesellschaft schlicht noch nicht erreicht hat. Dafür ist er aber sicherlich auf einem guten Weg, finden sich doch international tätige Konzerne, die Ihre Führungsriege zur Stärkung des Zusammenhalts und des Teamgeistes auf ein Paintballfeld schicken. Ebenso hochprofessionelle Fussball- oder Basketballvereine. Von einer stetig wachsenden Anzahl an Freizeitspielern ganz zu schweigen. Man nimmt nur wahr, worauf man auch sensibilisiert wurde. Schaut man also doch mal etwas genauer hin, finden sich auch hier im Ländle durchaus Paintballfelder in Gewerbegebieten. Nur sind diese Sportstätten eher dezent als solche gekennzeichnet; kaum jemand würde ein Outdoor-Spielfeld hinter einer 2 Meter hohen Sicht- und Lärmschutzwand mitten in einem Gewerbegebiet vermuten. Durch Wände schauen können wohl auch nur die wenigsten, also fährt man an den großes Hallen unbekümmert vorbei. Allein die genannte Summe zeigt eindeutig, welches Potential hier zu erwarten ist. Niemand investiert privat eine knappe Millionen Euro in ein Projekt, von dem nicht zu erwarten ist das es sich am Ende für einen auszahlt. Und wenn es das tut, lohnt sich das zwangsläufig auch für die Kommune. Schaut man sich einmal im Internet um, finden sich deutschlandweit zahlreiche Sportstätten die, speziell im turniertauglichen Bereich, seit Jahren bestehen. Auf diesen werden Turniere ausgetragen, unterstützt und veranstaltet von florierenden Unternehmen aus Europa, Australien und Amerika. Nein, ich kann mir nur äußerst schwer vorstellen das hierbei keine Gewerbeeinnahmen zu verzeichen sind. Die Befürchtung, die Paintball-Sporthalle würde keine Ausbildungsplätze generieren, kann ich verstehen. Dass durch die Halle aber keine Arbeitsplätze entstehen würden, hingegen nicht. Der Sport verlangt, speziell für Anfänger, einen hohe Betreuungsgrad. Die Sportgeräte müssen stets fachmännisch gewartet werden, ebenso die Halle. Eine Bilanz schreibt sich ebenfalls nicht von allein. Das Vertrauen, welches dem Paintballclub Bieselsberg e.V. bisher entgegengebracht wurde, könnte hier mit einer einfachen Entscheidung dauerhaft gekrönt werden. Profitieren würde wohl jeder davon.
Wo ist diese Halle typisch?
Die Aussage 'Sie ist nicht typisch für ein Gewerbegebiet.' hinkt ein wenig. Leider sind Paintball Hallen so gut wie nirgends typisch. Es gibt nicht den typischen Ort wo Paintball Hallen errichtet werden, da sie so gut wie überall immer wieder unter allen möglichen, auch durch viele unseriösen Begründungen, abgelehnt werden. Der Sport ist sowohl bei Jungesellenabschieden oder als Teambuilding Event oder eben als Turniersport sehr beliebt. Da es ein nicht ganz günstiger Sport ist, wird die Halle sicher ihren Umsatz machen, auch alleine dadurch, dass es in der Region nur sehr wenige Hallen gibt. Mir sind in ganz Baden Württemberg 5 Hallen bekannt, keine davon wurde von anfang an als Paintball Halle geplant, daher muss sich hier der Spieler eher an die Umgebung anpassen als umgekehrt. Hier wäre nun die Chance, eine Halle zu schaffen die auch als Trainings oder Austragungsort für Internationale Turnier verwendet werden kann. Ich kenne keine Industrie, welche sich von Paintballspielern gestört fühlen sollte, da dies eh eher in den Abendstunden und am Wochenende lauter wird. Paintballspieler müssen tagsüber ja selber arbeiten um sich dieses Hobby zu finanzieren, was sie auch gerne tun. Wer vorbehalte hat, sollte selbst einfach mal Paintball spielen. Das macht einfach Spaß. Nicht nur das Spiel, sondern gerade auch die Zeit zwischen den Runden, mit Freunden fachsimpeln, Spaß haben und anschließend noch was Essen gehen. Was nach einem anstrengenden Spieltag auch wahrlich nötig ist. Da bleiben schon ein paar Euros in der Region hängen.