
Von Andrea Fisel Schömberg. "Time to say goodbye – Das Wellenbad sagt Ade": Unter diesem Titel lädt eine Ausstellung im Rathaus Schömberg mit 30 Aufnahmen der Fotografin Christa Kusterer ein, sich von dem ebenso heißgeliebten wie vieldiskutierten Gebäude zu verabschieden. Die ursprüngliche Idee, das leer stehende Bad noch einmal zu öffnen, damit die Bevölkerung hätte Abschied nehmen können, musste aus versicherungstechnischen Gründen ad acta gelegt werden. Jetzt besteht für alle, die dieses Bedürfnis haben, im Foyer des Rathauses die Möglichkeit, sich das ehemalige Schömberger Wahrzeichen anhand eindrucksvoller Großaufnahmen zu verinnerlichen. "Trauern und Bedauern verlangt Zeit und Raum", wusste Bürgermeisterin Bettina Mettler aus eigener Erfahrung.
Christa Kusterer fing Momentaufnahmen des Wellenbads in stimmungsvollen Bildern ein. Da erscheinen Nichtigkeiten wie Schließfächer, Schriftzüge oder Treppengeländer plötzlich in einem bedeutungsvollen Licht, dort erwärmen die Strahlen der Morgensonne, die die Fenster durchdringen, fast spürbar den leeren Raum und daneben erstrahlen die sonst so langweiligen Fliesen des Schwimmbeckens in funkelndem Smaragdgrün. Einmal bestechen die Aufnahmen durch satte, leuchtende Farben, ein andermal erzeugen Schwarz-Weiß oder Antik-Grünbraun die gewünschte melancholische Stimmung.
"Diese marode Schönheit wirkte auf mich fotografisch faszinierend", bekannte die Fotografiemeisterin, die seit 1998 ein Fotostudio in Schömberg betreibt und seit vielen Jahren als Spezialistin für Hochzeitsbilder bekannt ist. In dem leer stehenden, abbruchbereiten Gebäude fand sie einen krassen Gegensatz dazu: "Die Atmosphäre war fast unheimlich; die leere Halle wirkte wie ein muffeliges, riesiges Badezimmer."
Im "Fotoclub Querformat", dessen Mitglieder sich einmal monatlich in Schömberg treffen, um Erfahrungen und Tipps auszutauschen, aber auch um ein gemeinsames Thema zu bearbeiten, reifte in der Künstlerin die Idee, das Wellenbad zu fotografieren. "Im letzten Sommer hatten wir uns das Thema ›Der Zahn der Zeit‹ gestellt", erinnerte sie sich. Als ihr dann diese Aufnahmen richtig gut gelungen seien, habe sie daraus einen Kalender für ihre Kinder als Weihnachtsgeschenk angefertigt, verriet Christa Kusterer. Daraus wurde jetzt ein Geschenk für alle Bürger Schömbergs.