Von Steffi Stocker

Schömberg. Der Wandel in der baden-württembergischen Schullandschaft macht auch vor dem ländlichen Raum nicht Halt. Um gerade dort einer Schließung von Schulen vorzubeugen, will die Gemeinde Schömberg eine Gemeinschaftsschule einrichten.

Erfahrungsberichte hörten die interessierten Besucher einer Informationsveranstaltung von den zwei Schülerinnen Alma sowie Jamila und Lehrerin Margret Rasfeld von der evangelischen Gemeinschaftsschule in Berlin Mitte.

"Im Lernbüro kann ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche, um ein Thema oder einen Sachverhalt zu verstehen", erzählte beispielsweise Alma von den beiden ersten Stunden täglich, in denen die Schüler ihren Lerninhalt selbst organisieren. Demnach erhalten sie die notwendigen Einleitungen zum Bildungsstoff und können sich selbst vertiefen, ganz ohne Frontalunterricht.

"Da wir uns selbst dann zum Test anmelden, haben wir den jeweiligen Stoff verinnerlicht und lernen nicht punktuell für eine Arbeit", verwies Jamila auf den Aspekt, dass vieles dann wieder verloren gehe. Sie zog in diesem Zusammenhang den Vergleich zur allgemeinbildenden Schule, die sie zuvor besucht hatte.

"Das pädagogische Konzept wechselt durch eine Gemeinschaftsschule von ›du sollst‹ zu ›ich kann‹ und wird durch Beziehungen mit Anerkennung und Wertschätzung strukturiert", fasste Rasfeld die Grundausrichtung zusammen. So habe jeder Schüler einen Tutor, mit dem er Lernentwicklung oder auch zwischenmenschliche Situationen bespreche. "Wir sind erstaunt, wie gut sie unsere Persönlichkeit erfassen und suchen dann gemeinsam Lösungen", bekräftigten die Schülerinnen.

Ilse Petilliot-Becker, leitende Regierungsschuldirektorin vom Regierungspräsidium Karlsruhe, verwies in diesem Zusammenhang auf die Vielfalt in einer Gemeinschaftsschule. "Die Menschen an sich, aber auch Lernwege, Lernorte sowie der Zeitbedarf und Rhythmus können individuell genutzt werden", beschrieb sie eine offene Entwicklung bei den Kindern. Gleichzeitig erläuterte sie die Voraussetzungen für eine Gemeinschaftsschule, in der alle Bildungswege von der Hauptschule bis zum Abitur unter einem Dach vereint sind. "Sie muss mindestens zweizügig sein", unterstrich Petilliot-Becker eines der wichtigsten Kriterien. Unter anderem deshalb nahm die Gemeinde Schömberg die Nachbargemeinden und ihre Schulen mit ins Boot.

"Wir wollen den Wandel mitgestalten und nicht abwarten mit der Gefahr der Schließung", betonte Bürgermeisterin Bettina Mettler. Vielmehr wolle man für einen Standort im ländlichen Raum kämpfen, um die Schüler auf dem Weg zum Erwachsen werden zu begleiten.

"Die Ludwig Uhland Schule hat schon jetzt baulich hervorragende Voraussetzungen", stellte Mettler einen partnerschaftlichen Dialog mit den Nachbargemeinden in Aussicht. Demnach sollen die Erkenntnisse aus der Informationsveranstaltung im Arbeitskreis Bildung verarbeitet und in den kommunalen Gremien beraten werden, bevor ein Antrag für eine Gemeinschaftsschule gestellt werde.