Schömberg - Rund 4500 Tonnen Beton, 800 Tonnen Ziegel, 200 Tonnen Rest- und Sperrmüll, 100 Tonnen Stahl sowie Metalle, 20 Tonnen Asbestfassadenplatten, 80 Tonnen Dachpappe und 50 Tonnen Holz – all dies muss beim Rückbau des Wellenbads entsorgt werden. Der aktuelle Stand der Arbeiten ist heute Thema im Gemeinderat.

Die Abbrucharbeiten sowie das Rückbaukonzept und die ingenieurtechnische Betreuung waren im vergangenen Jahr vom Gemeinderat vergeben worden. Die Gesamtkosten liegen nach Angaben der Verwaltung bei rund 350000 Euro. Ursprünglich war von 395 000 bis 465 000 Euro ausgegangen worden. Teile des Inventars aus dem Bad und der Sauna wurden inzwischen verkauft. Das brachte der Kommune rund 15 000 Euro ein.

Die Entsorgung wird mit Hilfe des elektronischen Abfallentsorgungsnachweisverfahrens für gefährliche Abfälle organisiert und vom beauftragten Ingenieurbüro überwacht. Der Rückbau hat im August begonnen, im November war das Wahrzeichen, der Leuchtturm, abgerissen worden (wir berichteten). Wenn der Abbruch des gesamten Komplexes beendet ist, soll das Gelände mit rund 2500 Kubikmetern Material wieder aufgefüllt werden.

Das Rückbaukonzept ging zunächst davon aus, dass etwa 300 Tonnen Dämmstoff entsorgt werden müssen. Im Laufe der Arbeiten hat sich allerdings herausgestellt, dass einst die vierfache Menge an Styropor verbaut wurde. Im Bereich des ehemaligen Saunatrakts wurden Dämmstoffstärken von bis zu 50 Zentimeter gemessen. Die Gemeindeverwaltung geht nun davon aus, dass die Abbruchkosten um rund 30 000 Euro steigen werden.

Schätzungsweise werden 4500 Tonnen an so genanntem Betonaufbruch anfallen. Die entstehende Baugrube soll durch verdichtungsfähiges Material aufgefüllt werden. Betonproben ergaben, dass der Schutt uneingeschränkt für den Wiedereinbau verwendet werden kann. Vor Ort hergestelltes Recyclingmaterial wird laut Vorschlag der Verwaltung also wiederverwendet, und die Lieferung von Auffüllmaterial ist nicht mehr notwendig. Dies wiederum bedeute eine Ersparnis von 24 000 Euro.

Das Höhenwellenbad war mehr als 35 Jahre alt und galt jahrzehntelang als Wahrzeichen und Alleinstellungsmerkmal Schömbergs. In den Anfängen wurde die Anlage durch die seinerzeit längste Wasserrutsche in Europa weit über die Region hinaus bekannt. Die Gemeinde brachte jedes Jahr große Summen für die Unterhaltung des Bades auf. Sanierungsinvestitionen brachten nicht den gewünschten Erfolg, so dass sich die Besucherzahlen in 16 Jahren sogar halbierten: 1990 kamen etwa 190 000 Besucher, 2006 rund 95 000. Erfolgsversprechende Lösungsansätze blieben aus. Die Schließung des Bades wurde für Ende des Jahres 2006 beschlossen.

Der Wunsch, Einwohnern und Touristen eine Bademöglichkeit zu bieten, wurde dennoch weiterverfolgt. Wie mehrfach berichtet, wurden für die Wiederaufnahme des Betriebs mehrere Möglichkeiten ins Auge gefasst: Sowohl die Erhöhung des Hebesatzes der Grundsteuer B zur Deckung von Folgekosten, als auch ein Betreiberkonzept nach dem PPP-Modell wurden nach Beschluss durch ein Bürgerbegehren rückgängig gemacht.

Der Gemeinderat soll heute Abend über den Wiedereinbau des laut beauftragten Ingenieurbüros unbelasteten, verwertbaren Bauschutts beraten. Weitere Themen auf der Tagesordnung sind unter anderem der Haushaltsplanentwurf 2013 sowie die Beratung und Beschlussfassung über die Sanierung der Kurparkbeleuchtung. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaus.