Von Karin Ferenbach

Schömberg. Nur noch wenige Tage, dann heißt es für Tanja Bauer Kofferpacken. Die 37-jährige Trainerin beim WSV Schömberg fliegt am 17. Februar nach Brasov im Südosten Rumäniens. Dort findet bis22. Februar das elfte "Olympische Winterfestival der Europäischen Jugend" statt.

Im Dezember wurde Bauer vom Deutschen Skiverband offiziell nominiert, sich vor Ort als Nachwuchstrainerin mit B-Lizenz um die deutschen Biathleten zu kümmern und sie durch die Trainings- sowie Wettkampfphasen zu begleiten. Seit zehn Jahren ist die Mutter eines 15-jährigen Sohnes Trainerin im deutschen DC-Kader, dem talentierte und leistungsstarke junge Biathleten im Alter von 17 und 18 Jahren aus ganz Deutschland angehören.

Der Nominierung voraus ging das Angebot Bauers an den damaligen Jugendkoordinator Frank Ulrich, sich als weibliche Trainerin verstärkt in der Ausbildung des Biathlon-Nachwuchses zu engagieren. "Was die Trainer anbelangt, so ist der Biathlonbereich nach wie vor eine Männerdomäne. Selbst die weiblichen Athleten werden nahezu ausschließlich von Männern trainiert. Das möchte ich ändern, denn wir Frauen haben zum Teil andere Ansätze, vor allem wenn es um Einfühlungsvermögen, Motivation, Nachhaltigkeit und Stärkung des Selbstwertgefühls geht", meint Bauer, die selbst eine erfolgreiche Laufbahn als Leistungssportlerin im deutschen Biathlon-Kader hinter sich hat.

Unter Ulrichs Nachfolger Harald Böse bekam Bauer die Gelegenheit, bei verschiedenen Lehrgängen an den Olympiastützpunkten in Oberhof und Ruhpolding als Co-Trainerin auszuhelfen. "Die Zusammenarbeit mit Jesko Fischer, dem hauptamtlichen Mannschaftsführer des DC-Kaders, hat dann auch sehr gut funktioniert und so freute ich mich natürlich sehr darüber, als er mich nach einem möglichen Einsatz bei den Olympischen Jugendspielen fragte", erklärt die 37-Jährige, die sich seit 1988 hauptberuflich bei der Firma Richard Wöhr in Höfen um den Reklamationsservice und in diesem Zusammenhang um die Prozessverbesserung und das Qualitätsmanagement kümmert.

Ihr Arbeitgeber und Chef Stefan Wöhr unterstützt das Engagement seiner Mitarbeiterin: "Die mit Trainingslagern und Wettkämpfen verbundenen Fehlzeiten während der Wintermonate werden rechtzeitig besprochen und im Sommer durch entsprechende Mehrarbeit wieder kompensiert. Im Übrigen managt Frau Bauer eigenständig und sehr zuverlässig eine entsprechende Vertretungsregelung für die Zeiten ihrer Abwesenheit", beschreibt Wöhr die Vereinbarungen mit seiner Fachkraft.

Im Rahmen von drei Qualifikationslehrgängen werden die Teilnehmer für die Jugendolympiade ausgewählt. "Unsere Schömberger Athleten sind da leider noch zu jung", meint Bauer, die jedoch schon einige der Favoriten für eine Wettkampfnominierung von diversen Lehrgängen und vom Deutschlandpokal kennt. Bauer ist sowohl im Spitzensport als auch an der Basis zu Hause. In der Jugendarbeit des WSV Schömberg mit derzeit 37 Kindern und Jugendlichen auf Skiern erfährt sie viel Unterstützung aus dem Verein. Wenn sie nicht auf Landes- oder Bundesebene unterwegs ist und auch sonst keine privaten Verpflichtungen hat, steht ihr wöchentliches Abendprogramm mit Trainingseinheiten auf der Schieß- und Rundkursanlage in Schömberg, der Erstellung der Trainings- und Wettkampfpläne und organisatorischen Dingen weitgehend fest.

"Spätestens am Sonntagabend gehen die Wochenpläne an die jeweiligen Athleten", erklärt die Europacup-Gesamtsiegerin des Jahres 1994 und Zweitplatzierte des Jahres 1995. Da bleibt nur wenig freie Zeit. "Doch um auch etwas nur für mich zu tun, besuche ich regelmäßig Yogakurse im Nachbarort Unterlengenhardt. Dann wird der Blick auch mal wieder auf ansonsten nebensächliche Dinge gelenkt", beschreibt Bauer ihren Ausgleichssport.

Umso schöner ist es für sie, wenn sie von den Athleten positive Rückmeldungen bekommt. "Ich verfolge eine klare, strukturierte Linie und werde auch bei den männlichen Leistungssportlern akzeptiert", sieht die Schömbergerin ihrem Trainereinsatz in Brasov zuversichtlich entgegen.