Schiltach Nesterweise Silbererze im Heubach

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Der Bergmanns-Kelch und Kinzigtäler Bergmann in Paradeuniform mit einer Mulde gediegenen Silbers Fotos: Harter Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hans Harter

In Schiltach wurde einst Silber gefördert, und das nicht zu knapp. Die Grube "Anton" im Heubach war ergiebig. Zeugnis der Bergmannsgeschichte legt ein silberner Abendmahlskelch ab, der momentan wieder restauriert wird.

Schiltach. Ein Festzug, wie ihn Schiltach wohl nie erlebt hatte, bewegte sich am 25. April 1843 vom Rathaus zur Einweihung der neuerbauten evangelischen Stadtkirche. Schulklassen, die Sängerchöre von Schramberg und Schiltach, weiß gekleidete Mädchen, Geistliche beider Konfessionen, Gemeinderäte, Bürgermeister, die "Bergleute des Kinzigthales", Zünfte, zum Schluss die "Kirchspielsgenossen" von Schiltach, Lehengericht und dem Reichenbächle. Neben den "Bürgercorps" von Kaltbrunn, Schenkenzell, Bergzell und Wolfach, die – bunt uniformiert –­ Spalier standen, fielen besonders die Bergleute in ihrer traditionellen Tracht auf.

Sensationsfunde

Sie repräsentierten den "Badischen Bergwerksverein", eine Aktiengesellschaft, die Gruben im Südschwarzwald und Kinzigtal betrieb. Hier schürfte sie im Heubach in der Grube "Anton", unweit des "Auerhahn". Sie hatte den Namen vom Tiroler Bergmann Anton Mantel, der einst ihren erzführenden Gang fand: fleischroten Schwerspat mit nesterweise Silbererzen, die große Ausbeute versprachen. So konnten einmal an drei Tagen hintereinander 47,5 Kilo Silber gewonnen werden.

Neben dem Grubeneingang war das "Scheidhaus", wo in Handarbeit die Erze vom tauben Gestein geschieden wurden, zum Teil 10 bis 50 Pfund schwere Blöcke mit 85 Prozent Silbergehalt. 1837 waren 54 Arbeiter mit der Aufbereitung beschäftigt, 28 Knappen schafften unter Tage. 1834 bis 1850 wurden 737 Kilo Silber und 189 Tonnen Kobalt gefördert, womit die Grube die reichste des Kinzigtals war.

So verwundert nicht, dass der Badische Bergwerksverein als nahes Montan-Unternehmen am Fest in Schiltach stark vertreten war. Die Bergleute, die zwei Gulden Taglohn bekamen und freie Zehrung hatten, überbrachten auch Geschenke: "Einen silbernen Abendmahlkelch und einen silbernen Abendmahlteller", deren Edelmetall sie im Heubach gegraben hatten. Wie gemeldet wird, fertigte "Silberarbeiter Deimling" die beiden Stücke "kunstreich im Stil der Kirche".

Der Karlsruher Wilhelm Deimling führte eine Werkstatt, die den großherzoglichen Hof belieferte. Die Arbeiten wurden für "feine Vollendung und meisterhafte Mattfarbe des Silbers und der Politur" sehr gelobt.

Dies gilt auch für die Schiltacher Stücke, die schöne Blumenornamente, die Meistermarke und eingravierte Inschriften zeigen. Sie berichten von der Kirchweihe in Schiltach als dem Anlass ihrer Entstehung. Auf dem Kelch finden sich auch "Schlägel und Eisen", die Zeichen des Bergbaus, die bildlich auf den Bergwerksverein verweisen. Vor sie ist eine Öllampe gestellt, das christliche Symbol für Wachsamkeit und Licht, ohne die auch der Bergbau fehlgeht und im Dunkeln stecken bleibt. Die Inschrift dankt Gott für den Segen, der auf dem Unternehmen ruht.

So sind die künstlerisch gestalteten Silberarbeiten beides: Liturgische Geräte von großer Formschönheit und seltene historische Denkmale, die vom Bergbau in den heimischen Tälern erzählen. Diesem ist auch der 700 Meter ins Erdinnere führende Stollen der Grube "Anton" zu verdanken. Seit 1971 nützt ihn ein Geowissenschaftliches Observatorium für die Messung der Schwingungen des Erdkörpers, wie sie Erdbeben auslösen. Ein Schock traf vor geraumer Zeit auch den Bergmanns-Kelch: In zwei Teile zerbrochen, verhilft ihm derzeit ein handwerklicher Könner dazu, wieder ein Ganzes zu werden. Im alten Glanz erstrahlt auch die filigrane Abendmahlsbrot-Platte, die noch immer im Gottesdienst verwendet wird.

  
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