
Von Peter RottenburgerSchiltach. Zum 24. Deutschen Flößertag hatte die Deutsche Flößerei–Vereinigung nach Zeitz an der Weißen Elster eingeladen. Gastgeber war der "Förderverein Elsterfloßgraben Zeitz".Und so kamen die Flößergruppen aus den verschiedenen Regionen Deutschlands zusammen, nicht nur um die allgemeine jährliche Mitgliederversammlung abzuhalten und die üblichen Vereinsregularien abzuwickeln, sondern auch, um eine Flößerstadt kennenzulernen, Kontakt zu den Menschen zu bekommen, die dort leben und Freundschaften zu begründen, zu erneuern oder zu vertiefen.
Auch eine Abordnung der Schiltacher Flößer um Flößerobmann Thomas Kipp machte sich auf den Weg in eine Gegend, die den Reiseteilnehmern aus Schiltach bisher eher unbekannt war.
Zeitz liegt im Süden von Sachsen-Anhalt und im Burgenlandkreis. Im Tal der Weißen Elster zwischen Gera im Süden und Leipzig im Norden. Von 1652 bis 1718 war Zeitz Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Zeitz. Als Residenz diente das vorbildlich restaurierte Schloss Moritzburg.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine starke Industrialisierung ein. Rund um die Stadt befand sich ein Gürtel von Braunkohlegruben im Untertage- und auch im Tagebaubetrieb. Die Zeitzer Klavierindustrie mit zeitweise 30 verschiedenen Fabriken war weithin bekannt, wie auch die Zeitzer Holzwaren- und Kinderwagenindustrie.
Die De-Industrialisierung nach der Wiedervereinigung überstanden allerdings nur ganz wenige Unternehmen. Dieser Strukturwandel führte ab 1990 zu einem enormen Beschäftigungsverlust. Die Sozialstruktur ist durch hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Lebten im Jahr 1995 noch rund 36 000 Einwohner in der Stadt, so ging die Einwohnerzahl bis 2009 auf rund 26 000 zurück.
Im Rahmen der städtebaulichen Erneuerung geschah anerkennenswert vieles, es ist aber nicht zu übersehen, dass viele wertvolle stadtbildprägende Gebäude dringend der Erneuerung bedürfen oder akut vom Verfall bedroht sind.
Der "Förderverein Elsterfloßgraben" ist ein noch junger Verein, der sich das ehrgeizige und anspruchsvolle Ziel gesetzt hat, den Elsterfloßgraben, ein technisches Kulturdenkmal von hohem Rang, wiederherzustellen. Schon 1578 wurde mit dem Bau dieses großen Floßgrabens begonnen und letztendlich entstand auf einer Länge von insgesamt 93 Kilometern ein Kunstgrabensystem, das zu den längsten in Europa zählte und sieben Fließgewässer miteinander verband. Auf ihm wurde vor allem Triftholz mit einer Scheitlänge bis drei Metern transportiert, um die großen Städte wie etwa Leipzig mit Brennholz zu versorgen. Selbst aus den Wäldern des Vogtlandes und des Thüringer Waldes wurde das Holz auf dem Floßgraben transportiert. Im Verlauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte ist der Graben ausgetrocknet, versandet, zugeschüttet oder umgenutzt worden oder gar ganz verschwunden. Teilweise führt er aber auch noch Wasser. Beim Flößertag befassten sich mehrere Vorträge mit diesem Thema. Genügend Zeit für Begegnung und Gespräch blieb bei Exkursionen per Schiff auf der Unstrut und auf der Saale, die in eine herrliche Landschaft eingebettet sind, liegt Zeitz doch zugleich auch in der Weinregion Saale-Unstrut mit so sehenswerten Städten wie Freyburg oder Naumburg. Saale, Unstrut und Weiße Elster dienten übrigens seit dem hohen Mittelalter ebenfalls der Flößerei.
Der traditionelle ökumenische Gottesdienst am Sonntag zum Abschluss des Deutschen Flößertags fand in einer kleinen, romanischen Kirche in einem Teilort von Zeitz statt.
Mit vielen neuen Eindrücken kehrten die Schiltacher schließlich zurück in den Schwarzwald.