Rottweil - Das Bezirksligaspiel zwischen dem TV Talheim und der HSG Rottweil war eigentlich entschieden. 30:26 führten die Gastgeber und lediglich noch ein paar Sekunden waren zu spielen, aber dann überschlugen sich die Ereignisse.

Die Spieler Steffen Weinmann (HSG Rottweil) und Marius Immer (TV Talheim) gerieten aneinander und wurden von den beiden Schiedsrichtern des Feldes verwiesen. Wie es bei einer Roten Karte im Handball üblich ist, muss der bestrafte Spieler daraufhin auch die Halle verlassen. Rottweils Spieler wollte sich aus der Halle entfernen und wurde dabei von der Empore aus, wo viele Zuschauer und auch der Talheimer Fanblock stehen, von einem Trommelschlegel getroffen. Steffen Weinmann fiel zu Boden, blutete aus dem Mund und sogar ein Stück eines Zahnes war abgebrochen.

"Wir hatten Angst, dass er keine Luft mehr bekommt, weil er gekrümmt auf dem Boden lag", so Rottweils Trainer Siggi Katzmeier zu dieser unrühmlichen Szene, deren Auslöser beide Parteien unterschiedlich gesehen haben. "Der Rottweiler Spieler zeigte den Zuschauern auf der Empore den ›Stinkefinger‹, und daraufhin wurde der Trommelstecken geworfen", so die Version von Talheims Abteilungsleiter Karsten Hauser.

Aus Sicht der Rottweiler wurde ihr Akteur von den Zuschauern auf der Empore, wie auch andere Gästespieler während des gesamten Spieles, verbal immer wieder attackiert und provoziert.

"So etwas geht gar nicht, es waren teilweise sehr unflätige Kommentare, die unter die Gürtellinie gingen", betonte HSG-Coach Siggi Katzmeier. Nachdem die Partie minutenlang unterbrochen war, forderten die Schiedsrichter und ein Schiedsrichter-Beobachter, der die beiden jungen Unparteiischen extra in dieser Partie "unter die Lupe" nahm, Rottweils Spieler auf, die Partie fortzusetzen und die restlichen 18 Sekunden effektive Spielzeit über die Bühne zu bringen. "Auch ich wollte meine Mannschaft dazu überreden, aber meine Spieler sahen sich allesamt nicht mehr in der Lage weiterzuspielen, weil sie sich bedroht fühlten", betonte HSG-Trainer Katzmeier.

Auch Talheims Spartenleiter Karsten Hauser verurteilte die Geschehnisse aufs Schärfste. "So was geht überhaupt nicht. Da schaffen es ein paar wenige, dass so ein Spiel aus dem Ruder läuft. Wir haben uns nach dem Spiel auch bei den Rottweilern für diesen Vorfall entschuldigt". Selbst der Zuschauer war reumütig und schickte Rottweils Trainer Katzmeier, der früher selbst einige Jahre den TV Talheim trainierte, eine Entschuldigung per Mail. "Er hat sich bei mir, bei unserem Spieler Steffen Weinmann und auch bei unserer gesamten Mannschaft für diesen Vorfall entschuldigt", bestätigte Katzmeier. Dieser wollte auch klarstellen: "Gegen die Wertung des Spiels und deren Ausgang werden wir überhaupt nicht angehen. Talheim war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen. Aber die Begleitumstände gehen überhaupt nicht".

Für Katzmeier war die Einteilung zweier sehr junger Schiedsrichter für so ein Derby nicht gerade glücklich: "Talheim gegen Rottweil war immer schon ein Spiel mit Derby-Charakter. Mir wurde vom Schiedsrichter-Beobachter gesagt, man habe sich für diese beiden jungen Schiedsrichter entschieden, weil diese vom Verband speziell gefördert werden sollen und große Talente sind. Meiner Meinung nach waren die beiden jungen Schiedsrichter in diesem Spiel aber total überfordert. Die waren total fertig aufgrund der Ereignisse", schilderte Katzmeier.

Während Talheimer Beobachter der Partie anmerkten, dass während des Spiels immer wieder gegnerische Zuschauer in Richtung Spielfeld stürmten und von Talheimer Ordnern zurückgehalten wurden, war aus dem Rottweiler Lager zu vernehmen, dass Spieler der HSG ständig von gegnerischen Zuschauern provoziert worden seien. Fakt ist, dass sich die Partie von außen immer mehr "hochschaukelte", ein Umstand, der im Sport und eben auch auf lokaler Ebene in diesem Maße besorgniserregend ist.

Die ganze Angelegenheit dürfte wohl nicht vom Bezirk Neckar/Zollern entschieden werden, weil dessen Sportgerichtsvorsitzender Helmut Götz aus Talheim ist und somit wohl als befangen gilt. So wird wohl der Handball-Verband Württemberg (HVW) selbst zu einem Urteil kommen müssen. "Ich rechne für beide Vereine mit einer Geldstrafe. Wir werden diese für die Vorfälle mit dem einen Zuschauer bekommen, die Rottweiler, weil sie das Spiel nicht zu Ende gespielt haben", vermutet Karsten Hauser vom TV Talheim.

Unrühmlich, wenn sich auch der "Täter" danach für sein Verhalten entschuldigt hat, ist dieser Vorfall auf alle Fälle. Die Talheimer selbst, so äußerte sich Karsten Hauser auf Nachfrage, wollten sich in einer eigens einberufenen Sitzung darüber beraten, wie sie selbst mit diesem Vorfall umgehen werden und welche Konsequenzen sie daraus ziehen werden.