Von Babette Staiger, ArminSchulz, Verena Schickle,Bodo Schnekenburgerund Timon Dürr

Rottweil. Die ersten zehn Tage des Fastens sind vorbei. Das Fastenteam der Redaktion ist größer geworden. Unsere Volontärin ist dazugestoßen – allerdings nicht ganz freiwillig. u Babette Staiger (Foto): Eigentlich wollte ich nicht mitmachen beim Fasten-Team der Redaktion. Ich hatte mich auch schon erfolgreich herausgeredet: "Ich bin Protestantin, das mit dem Fasten gilt nicht für mich." Doch dann kam höhere Gewalt ins Spiel. Eine fiebrige Bronchitis fesselte mich eine Woche lang ans Bett und zwang mich zum Nachdenken. Als ich dann noch von den ehrenvollen Vorsätzen meiner Kollegen las, war das Maß voll: "Kehre um, Babette!", rief mir eine innere Stimme zu. Sie klang irgendwie wie Darth Vader, der Bösewicht aus der Star-Wars-Saga. Nach ein paar Sekunden dämmerte mir, dass es meine Bronchien waren, die unheimliche Nebengeräusche von sich gaben. Ins Kloster hat mich diese Aschermittwochs-Erfahrung nicht geführt. Da hätte ich dieselbe Ausrede: Ich bin evangelisch. Aber meine pfeifenden Bronchien sprechen eine deutliche Sprache: Sie verlangen von mir, mit dem Rauchen aufzuhören.

Bis jetzt halte ich durch. Noch überwiegt der Ekel gegenüber allem, was Hustenreiz auslösen könnte. Dazu gehört auch Rauch. Denkbar gute Bedingungen, um der elenden Sucht nach dem Glimmstängel ein Ende zu bereiten. Mit Fasten im engeren Sinne hat das allerdings noch wenig zu tun. Ich habe nämlich noch nicht das Gefühl, auf etwas Genussvolles zu verzichten.

Da ich nun aber Darth Vader in den Bronchien habe, muss ich in den kommenden Wochen nach Vermeidungsstrategien zum Rauchen suchen. Aber vielleicht führt mich das zu einer altmodischen christlichen Tugend zurück: zur Demut. u Timon Dürr: Eine ganze Woche schon habe ich mich wacker geschlagen. Kein Alkohol – davon habe ich mich im Sinne des Fastens entledigt und bin damit im mehr oder weniger heiß begehrten Fastenteam der Redaktion Rottweil. Weder am Wochenende, noch unter der Woche wurde ein Tropfen Alkohol angerührt. Eine kleine Auszeit wollte ich mir dennoch zu Beginn der Fastenzeit nehmen. Am Aschermittwoch hatte meine Freundin Geburtstag. Da dieser Anlass leider nur einmal im Jahr stattfindet, wollte ich auf das eine oder andere Glas Bowle nicht verzichten und damit auf das Wohl meiner Herzdame anstoßen. Einem so ehrlichen Menschen wie mir, sei das vergönnt. u Verena Schickle: "Ab Ostern wieder." Kaum hat die Fastenzeit begonnen, ist der Satz schon leicht abgenutzt. Zur Erinnerung: Ich verzichte auf Alkohol und Fernsehen und versuche, mich morgens im wahrsten Sinne des Wortes mit Gott und der Welt zu befassen. Jetzt ist ausgerechnet am ersten Wochenende der Fastenzeit meine beste Freundin zu Besuch gekommen. Natürlich bringt sie Sekt mit – "ab Ostern wieder". Kurz danach hab ich festgestellt, dass sich meine Lust auf heiße Schokolade beim Après-Ski in Grenzen hält, und dass nach einem Tag auf der Piste abends kaum etwas besser schmeckt als ein Glas Rotwein. Von der Glühweinbude am Funkenfeuer hab ich mich gleich ferngehalten. Die Alternative wäre Tee gewesen, und der war ausverkauft. Blieben nur noch kalte Getränke bei Minusgraden. Na wunderbar. Leicht wird es einem manchmal wirklich nicht gemacht als Faster. Auf der anderen Seite: Erst wenn ich verzichte, merke ich, an was ich mich alles gewöhnt habe. Darum geht es schließlich. In der Nacht auf Montag steht mir so die bisher wohl größte Herausforderung dieser Fastenzeit bevor: die Oscar-Verleihung. Die schaue ich mir schon mein halbes Leben lang an. Allein wenn ich daran denke, zuckt der Finger in Richtung Fernbedienung. Und beim Gedanken an die rührenden Dankesworte kommen mir fast die Tränen – diesmal leider, weil ich sie nicht hören werde... u Bodo Schnekenburger: Ich habe der süßen Susi widerstanden! Wollte mir am Donnerstag was Gutes tun und bin im Lebensmittelgeschäft meines Vertrauens ans Obstregal gestürmt: Clementinen. Und dann heißen die "Süße Susi". Das geht bei meinem Fastenprogramm gar nicht. Denn ich will ja auf Süßes verzichten. Ja, auch an meinem Geburtstag hat’s geklappt. Und dann habe ich mir doch ein Bein gestellt. Ich liebe diese kleinen Apothekerlakritzeckchen aus Frankreich: "Cachou Lajaunie" – mein tägliches Doping. Doch was fällt mir da siedend heiß ein? Süßholz! Lakritze ist aus Süßholz! Die Welt ist furchtbar. u Armin Schulz: Nicht nur furchtbar, sondern auch gemein. Nicht die Welt an sich, aber die Umwelt, also die "lieben" Mitmenschen. Streckt mir doch eine Kollegin in diesen Tagen mit einem frechen Grinsen im Gesicht eine offene Schachtel Mon Chéri entgegen. Mir, der doch auf Süßes verzichtet. Nein, keine Sorge: Ich habe mannhaft widerstanden. Was ein Fehler war, wie ich später auf unserer Facebook-Seite erfahren habe. Ich hätte zugreifen, die verpackten kleinen Quader fürs Osternest nehmen sollen, wurde mir da empfohlen. Das werde ich mir für die nächste Süßigkeiten-Attacke merken. Zugreifen, wegpacken und zurückgrinsen.