Rottweil Taps bewährt sich als Freund
Lea Flammer, 04.07.2012 06:02 Uhr
Kaum da, gehört Kardio-Hund Taps schon zur Familie: Er weicht Gabrijel Talevic nicht von der Seite.Foto: Flammer
Rottweil - Auch wenn er noch nicht vollends ausgebildet ist, verfügt Taps bereits über erstaunliche Fähigkeiten. Sie sollen ihm helfen, dem schwer herzkranken Gabrijel aus Rottweil eine tragende Stütze im Alltag zu sein. Mit vollem Erfolg.
Der Vierbeiner Taps kommt schwanzwedelnd zur Haustür gestürmt. Übermütig rennt er den Gang entlang und erscheint kurze Zeit später mit einem Plüschtier im Maul wieder auf der Bildfläche. Sein Anblick könnte den Eindruck erwecken, er sei ein ganz gewöhnlicher Hund. Doch der Golden-Retriever-Labrador-Berner-Sennenhund-Mischling besitzt eine Fähigkeit, die weltweit einzigartig ist.
"Treuer Freund, Begleiter und Spielgefährte"
Er ist nämlich dank seines Trainers und Ausbilders Uwe Friedrich in der Lage, einen erhöhten Laktatwert im Blut des herzkranken Gabrijels zu erschnüffeln, der bei einer Sauerstoffunterversorgung jederzeit eintreten kann. Doch auch wenn Taps noch nicht komplett ausgebildet ist, spielt er schon jetzt eine sehr wichtige Rolle im Leben des Achtjährigen.
Taps ist in Gabrijels Augen nämlich nicht nur Apportier- und Assistenzhund, sondern auch "ein treuer Freund, Begleiter und Spielgefährte", erzählt dessen Mutter Violeta Talevic. In diesem Moment kommt Gabrijel ins Wohnzimmer und streichelt Taps liebevoll übers Fell. "Die beiden haben eine sehr innige Bindung", sagt Talevic und denkt eineinhalb Jahre zurück.
Damals nämlich hatte sie den Einfall, einen speziellen Hund für ihren Sohn ausbilden zu lassen, der ihm auf Schritt und Tritt zur Seite steht. "Ich hätte nicht gedacht, dass das alles so schnell passieren würde", gesteht sie. Denn während die Familie noch überlegte, welche Rasse am besten geeignet wäre, an welchen Züchter sie sich wenden sollte und welcher Ausbilder infrage käme, nahm das Schicksal seinen Lauf. Nachdem die Donaueschinger Hermann und Ulrike Gumpper von der Krankheit des Achtjährigen erfahren hatten, schenkten sie ihm den Welpen Taps. Und auch der Trainer war schnell gefunden: Seit Oktober bildet Uwe Friedrich vom Hundezentrum Teamcanin aus Löffingen im Hochschwarzwald den Vierbeiner aus. Er ist auf dem Gebiet der präventiven Behandlung und wissenschaftlich fundierter Diagnostik schwerer Krankheit seit Jahren sehr erfolgreich tätig. "Die Hilfe von Uwe Friedrich ist eine Herzenssache, wir sind ihm sehr dankbar dafür", meint Talevic gerührt.
Vier- bis fünfmal die Woche fährt die Mutter mit Taps nach Löffingen, um den Hund darauf zu trainieren, dass er in Gefahrensituationen Alarm schlägt. Manchmal komme auch Gabrijel mit zu den Trainingsstunden, je nachdem in welcher körperlichen Verfassung er sei.
Unabhängig von den Übungsstunden mit Hundetrainer Friedrich arbeitet sie drei Stunden am Tag mit Taps und besucht zudem ein- bis zweimal die Woche eine Hundeschule mit ihm. "Es ist schon recht anstrengend", gibt Talevic offen zu. Und auch der Alltag sei nun sehr stark an Taps ausgerichtet. "Die Spontanität leidet schon darunter", bedauert sie. Denn noch kann man Taps nicht alleine lassen, schon gar nicht mit Gabrijel.
Denn Taps befindet sich gerade in der Pubertät, und diese "hormonelle Phase merkt man ihm an", meint Talevic. Er ist verspielter als sonst, was nicht zu übersehen ist. Ihn mit Gabrijel allein zu lassen, bringe ein zu hohes Verletzungsrisiko mit sich.
Dennoch legt der Vierbeiner verblüffende Manieren an den Tag und beweist eine extreme Körperbeherrschung. So legt ihm Violeta Talevic beispielsweise zwei Leckerlis auf seine Vorderpfoten. Jeder normale Hund hätte das Fressen sofort und auch ohne die Erlaubnis des Frauchens verschlungen.
Nicht aber Taps. Treuherzig sieht er zu seiner Besitzerin auf und wartet auf das "Du-darfst-jetzt-fressen"-Zeichen. Als er es bekommt, rührt er die Leckerlis immer noch nicht an, sondern versichert sich lieber nochmals, ob er auch richtig verstanden hat. Erst nachdem Talevic ihn zum zweiten Mal zum Fressen auffordert, folgt er ihrem Kommando.
Und auch sonst scheint Taps viele Kunststücke zu beherrschen. Macht Talevic ihre Hand auf und zu, so als würde sie pantomimisch die "Blabla-Geste" vollführen, fängt Taps sofort an zu bellen. Deutet sein Frauchen eine Pistole mit der Hand an, legt er sich seitlich auf den Bauch und stellt sich tot. Überhaupt reagiert er auf die erstaunlichsten Wörter und Handzeichen. Da haben er und Trainer Friedrich ganze Arbeit geleistet.
Und selbst falls es nicht klappen sollte, dass Taps unauffällig an den Beinen der Eltern scharrt, sollte bei Gabrijel eine Sauerstoffunterversorgung eintreten, ist der Vierbeiner doch ein Gewinn für die Familie. Vor allem aber für Gabrijel, der sich fröhlich in die zweite Spielrunde mit Taps stürzt.
(vs). Gabrijel Talevics Eltern, Aleksandar und Violeta, haben den Verein Kämpferherzen gegründet. Er betreut Eltern mit herzkranken Kindern und hilft diesen etwa bei Behördengängen. Zudem unterstützt der Verein betroffene Familien auch finanziell. Dazu kommen nach Angaben auf der Homepage gemeinsame Unternehmungen für herzkranke und gesunde Kinder. Daneben veranstaltet die Gruppe Seminare mit Medizinern zum Thema Herzkrankheiten und bietet Betroffenen die Gelegenheit, über ihre Erfahrungen zu sprechen.Weitere Informationen: www.kaempferherzen.de.



