Rottweil Stadt zählt zu den Risikogebieten

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Der aus Schramberg stammende Geograf, Geoökologe und Waldbrandforscher Christophe Neff (links) mit seinem Studententeam im Waldbrandgebiet am oberen Göttelbach (kleines Bild). Fotos: Fritsche Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Johannes Fritsche

Schramberg. Christophe Neff vom Institut für Geografie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat mit seinen Studenten eine Woche lang das Waldbrandgebiet zwischen Göttelbach und Sulgen untersucht.

Der Feuerökologe verlegte nach dem Waldbrand vom 16. Juli seinen Kartierkurs kurzerhand nach Schramberg. Von Montag bis Samstag war Neff mit seiner Studentengruppe unterwegs in der Raumschaft Schramberg, um "die Vegetationsdynamik auf den Waldbrandflächen zu kartieren". Untergebracht war die Gruppe im Naturfreundehaus Sommerecke.

Beim Waldbrand am Hang zwischen Schramberg und Sulgen hatten Windböen Glut von der brennenden Wiese in den Wald getragen und auch diesen in Brand gesetzt. "Die Waldbrandforschung ist in Europa wenig entwickelt, der Schramberger Brand ist eine Chance, neue Erkenntnisse zu gewinnen", erklärt Neff.

Ab einem Umfang von zehn Zentimeter erfassten der aus Schramberg stammende Wissenschaftler und seine Gruppe alle angebrannten Bäume zwischen Göttelbach und Bundesstraße 462: Um welche Baumart es sich handelt und bis in welche Stammhöhe der Baum gebrannt hat. Die spätere Auswertung soll unter anderem Aufschluss darüber geben, wie sich der Brand aus den verschiedenen Brandherden heraus entwickelt hat und welche Baumarten schneller abbrennen.

Wichtig ist auch die Frage, bei wie viel Prozent verbranntem Stamm ein Baum abstirbt oder überlebt. Wenn 70 Prozent und mehr verbrannt sind? Oder schon bei weniger Schaden? Nächstes Jahr will Neff erneut kontrollieren, vielleicht sogar im Rahmen einer Abschlussarbeit eines seiner Studenten, was mit den Tannen in der Zwischenzeit passiert ist.

"Bislang gibt es noch kaum Forschung, wie sich Bäume nach einem Brand erholen", bedauert Neef. Er wagt eine erste düstere Prognose: "Ein Drittel der geschädigten Bäume wird umfallen". Schon vor der endgültigen Auswertung im Institut liefert der Augenschein als ein erstes Ergebnis, dass die Kiefern am Waldhang offensichtlich schneller und mehr verbrannt sind als die Fichten. Eine Tatsache, die man bei Aufforstungen im Schwarzwald generell beachten sollte: Denn der Waldbrand vom 16. Juli hat ins Bewusstsein gerückt, dass Schramberg in dieser Hinsicht Risikogebiet ist. "Auch ohne Klimawandel kann es in Mitteleuropa Waldbrände geben und es hat auch diese schon immer gegeben, auch wenn das kollektive Gedächtnis diese Ereignisse erfolgreich verdrängt", erinnert Neff.

Die Waldzunahme in der Talstadt Schramberg wie in vielen anderen Teilen des Schwarzwalds werde in trockenen, warmen Sommern dazu führen, dass die Waldbrandrisiken erheblich steigen. "Für Siedlungen, die wie Schramberg von Wald umschlossen sind, kann das in extrem trockenen und heißen Sommern dann durchaus zum Problem werden", warnt Neff. Mit Annette Melvin, Kommandantin der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Talstadt Schramberg, und Revierförster Christoph Eberle ist er das jetzt betroffene Gebiet gemeinsam abgegangen.

Die Lehren aus dem Brand: Nicht nur die Zugangswege müssen immer frei sein – beim Brand hatte Bauschutt auf dem Weg die Löschfahrzeuge an der Zufahrt gehindert – , die Feuerwehr braucht für den nächsten Wald- oder Flächenbrand andere schnellere und leichtere Einsatzfahrzeuge.

"Mit speziellen Waldbrandlöschfahrzeugen verhindert man keine Waldbrände, aber man kann sie beim Ausbruch auch abseits vom befestigten Wegenetz in unwegsamen Gelände schnell und effektiv eindämmen und damit verhindern, dass sich aus einem kleinen Waldbrand eine großflächige Waldbrandkatastrophe entwickelt", versichert Waldbrandforscher Neff.

 
 
 

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