Rottweil Schwierige Zeiten

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Der Beruf macht Gerhard Pfau nach wie vor Spaß, was momentan dabei herauskommt, ist allerdings zum Überleben eines Hofs zu wenig. Fotos: Schnekenburger Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Bodo Schnekenburger

Man weiß es ja. Wenn ein Berufsstand klagt, sind es die Landwirte. Regelmäßig. Doch zwischenzeitlich steht vielen das Wasser bis zum Hals.

Kreis Rottweil. Gerhard Pfau ist einer, der die Sache gerne auf den Punkt bringt: "Meiner Meinung nach muss ein Hof zwei Familien ernähren können. Den Senior und den Junior. Das war immer so und wird immer so sein." Derzeit ist es allerdings nicht so. Und so dreht sich das Thema der Diskussion, die vor einem halben Jahr in Zusammenhang mit Überlegungen zu Tierschutz und Massentierhaltung begann, in eine andere Richtung. Sechs Wochen vor Weihnachten sei der Preis für ein Kilogramm Lebendschwein auf einen Euro abgerutscht, zwischenzeitlich gebe es zwar wieder 1,05 bis 1,06 Euro, doch auskömmlich ist das nicht. Denkt man in die ausgehenden 1990er-Jahre zurück, erinnert man sich an Preise von 1,60 bis zwei Euro. Dabei habe das Fleisch heute durch bessere Züchtungen höhere Qualität als seinerzeit. Und die Produktionskosten sind auch gestiegen. Um ein Drittel, schätzt der Landwirt, der auf dem Pfauhof in Dornhan Schweine züchtet. In überschaubaren Gruppen, die je nach sagen wir "Lebensabschnitt" von der Zeugung quasi im Paket den Betrieb durchlaufen.

Die Kollegen in der Gegend kann er inzwischen an einer Hand abzählen. Dabei war der nördliche Kreis Rottweil mal eine Domäne für diesen Zweig der Landwirtschaft. Ein paar sind zuletzt ausgestiegen, als Investitionen notwendig wurden, die auch mit dem Tierschutz zusammenhängen. Pfau macht weiter. Und er denkt an Zeiten, in denen es bei der Abgabe von Großgruppen von 40 Tieren noch Zuschläge gegeben habe. Heute gibt es bei 200 Tieren Abschläge. Der Markt verlange heute Tranchen von 700 bis 800 Tieren im gleichen Alter und Gewichtsabschnitt. Höfe wie der Pfauhof können das nicht leisten. So habe die bäuerliche Landwirtschaft keine Zukunft, stellt Pfau fest.

In einer anderen Ecke des Landkreises versucht Michael Aulich, sich breiter aufzustellen. Es sind kleine Beiträge, die die Direktvermarktung von Milch aus dem Automaten, von einer mobilen Käserei auf dem Aulich-Hof in Zimmern gemachten Käse und der Wurst leistet, doch es sind Beiträge. Denn auch der Milchpreis, Aulich hat 80 Stück Vieh, ist weggesackt. Auf dem Aulich-Hof geht es an diesem Tag aber um etwas anderes. Das leidige Thema Enthornung steht auf dem Plan. Tierquälerei für die einen, "notwendig", sagen die anderen. Bei den "anderen" ist auch Jörg Hauser, Leiter des Veterinäramtes in Rottweil – wenn es um bestimmte Haltungsformen geht. Wer seine Kühe im Anbindestall hat, kennt das Problem nicht. Mit den eigentlich tiergerechteren Laufställen ändert sich das. Hier bedeuten Hörner eine Gefahr für die anderen Kühe, wenn Rangstreitigkeiten in der Herde ausgetragen werden, oder für den Bauern. Deshalb ist die Enthornung geboten – nach genau spezifizierter Vorgehensweise. Dazu gehört die Verabreichung eines gut wirksamen Sedativs, das die Kälbchen, sie sind zwischen vier und fünf Wochen alt, ruhig stellt. Die Hornanlage ist in diesem Alter als Verdickung in der Haut tastbar. Sie wird mit einem Brennstab herausgestanzt, dabei soll darunter liegendes Gewebe nicht zerstört, die durchtrennten Gefäße verödet werden. Ein Entzündungshemmer soll Schmerzen begrenzen. Ob’s funktioniert? Dafür gibt es einen einfachen Test. Wenn die Kälbchen gleich nach dem Eingriff trinken, geht es ihnen gut. Sie zeigen keine Verhaltensauffälligkeiten.

Wenn am morgigen Samstag ab 13.30 in der Sport- und Festhalle in Zimmern-Horgen der Kreisbauerntag beginnt, werden wohl andere Themen im Vordergrund stehen. Zu Gast sind dann die Landtagskandidaten aller im Landtag vertretenen Parteien.

  
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