Von Bodo Schnekenburger

Rottweil. "Was die Zunft kann, kann die Stadt schon lange!", mag sich letztere gedacht haben und griff in die Vollen. So freigiebig wie dieser Tage hat man sie selten erlebt, und das, wo sie doch bis morgen eigentlich nichts mehr zu melden hat.

Es war ein herrlicher Versprecher von Urs Boller, dem Vorsitzenden der Brugger Freunde von Rottweil, der sich beim Empfang für die Delegationen der Partnerstädte glücklich darüber zeigte, dass Oberbürgermeister Ralf Broß sein Amt los sei. Gemeint hat er natürlich, dass er dem OB etwas Zeit für Fasnet gönne.

Der Empfang dieses Jahr war schon etwas Besonderes. Aus Hyères wollte sich zwar niemand auf den Weg ins kalte Rottweil machen, noch stärker als sonst waren allerdings die Brugger um Stadtammann Daniel Moser und den Freundeskreis präsent, was wohl dem Schweizerjahr und dem Partnerschaftsjubiläum geschuldet ist. Trotz Einsatzvorbereitung kam Kapitänleutnant Mario Fink mit sechs Mann vom Patenschiff zur Fasnet. Aus L’Aquila waren neben den Vertretern des Partnerschaftsvereins um Maria-Silvia Reversi und Stadtrat Maurizio Capri in Vertretung des Bürgermeisters auch 22 Ehrenamtliche um Mara Casilio des medizinischen Hilfswerks "Humanitas" angereist. Sie, Ärzte und Pflegekräfte, die in ihrer Freizeit eine Praxis zur Früherkennung von Krebs betreiben, nutzen ein von den Erdbebenspenden aus Rottweil beschafftes Ultraschallgerät und wollte sich persönlich bedanken. Mit der Fasnet und Imst ist es so eine Sache: Die Tiroler Freunde sind ihrem Brauchtum auch verpflichtet, weswegen es mit Treffen zu dieser Zeit mitunter schwierig ist. Dieses Jahr allerdings sind fast 30 Imster nach Rottweil gekommen, um sich schnurstracks ins hiesige Fastnachtstreiben zu stürzen.

Entsprechend emotional lief der Empfang im Historischen Ratssaal ab. Formal kann man von neun Grußworten, einige davon wohlformulierte Reden, sprechen, die insgesamt gut eine Stunde Zeit beanspruchten. Man kann auch die Präsente aufzählen, Malerei aus L’Aquila, Süßes und Hochprozentiges, aus Brugg zudem ein Exemplar der "Brugger Neujahrsblätter" von 1914, in denen eigentlich die Begründung der Städtefreundschaft 1913 erwähnt sein müsste. Bei allem wurde aber deutlich, dass es eine Verbundenheit gibt, die gegebenenfalls auf Geschenke verzichten kann, die aber um so bedachter sind.

Geschenke gab’s natürlich auch aus Rottweil: Jede Delegation bekam Schweizerjahr-Süßes und ein Viererbund-Buch, für jeden gab’s schließlich einen kleinen Narrenanstecker. Nach den Eindrücken des Narrensprungs waren die kleinen Figürchen am Montagmittag schnell begehrte Tauschobjekte – je nach neu entdeckter Vorliebe. Eine grobe Vorschau stand, in Etappen, auch noch auf dem Plan: Nach 100 Jahren Städtefreundschaft mit Brugg und 550 Jahren zugewandter Ort zur Eidgenossenschaft in diesem Jahr stehen 2014 größere Partnerschaftsfeiern mit Imst (50 Jahre), L’Aquila (25 Jahre) und "Rottweil", dem Patenschiff, (20 Jahre) ins Haus.