Rottweil Lieber 3000 Zuhörer als die Rottweiler Bürgerfragestunde

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Ute Bott spricht in der Hauptversammlung von Thyssen Krupp in Bochum. Foto: Bott Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Verena Schickle

Rottweil/Bochum. Sonst vertritt Ute Bott, erklärte Gegnerin des Aufzugtestturms von ThyssenKrupp Elevator, ihre Meinung in Rottweil. Jetzt brachte sie ihre Vorbehalte gegen das Projekt auch in der Hauptversammlung des Mutterkonzerns in Bochum vor.

Manch’ einer hatte gemutmaßt, sie habe gar eine Aktie des so von ihr so heftig kritisierten Thyssen-Krupp-Konzerns gekauft, um in der Hauptversammlung ans Mikrofon treten zu können. Hat sie nicht, erklärt Ute Bott. Stattdessen schloss sich die Rottweilerin dem Dachverband der "Kritischen Aktionäre" an. Der wiederum habe von rund 1000 Kleinaktionären das Stimm- und Rederecht übertragen bekommen.

Der Verband kämpft laut Bott seit 25 Jahren für mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit bei deutschen Konzernen. Ute Bott brachte er ein großes Publikum. Vor 2000 bis 3000 Zuhörern, so schätzt sie, trug die Geigenlehrerin ihre in Rottweil längst bekannten Bedenken gegen das Prestigeprojekt von ThyssenKrupp Elevator (TKE) nun auch in Bochum vor.

"Frau Bott sprach in ihrer Rede über die Missstände, Ungereimtheiten und genereller Desinformation vor und während des Verfahrens um den Testturm", erklärt sie in einer Pressemitteilung. Sie spreche für alle Bürger aus und um Rottweil, die sich gegen den Testturm wenden, heißt es in ihrem Redemanuskript. Diesen bezeichnete sie unter anderem als "Riesenbohrer", der kleingeredet worden sei. Bei TK kam das etwas anders an: Bott habe im "Namen der Stadt Rottweil gesprochen", erklärt ein Unternehmenssprecher.

Weitere Redner der "Kritischen Aktionäre" warfen dem Konzern zudem vor, dass ein TK-Stahlwerk in Brasilien noch immer keine Betriebsgenehmigung von den Behörden habe, stattdessen Umwelt und Bevölkerung geschädigt würden. Zudem exportiere der Konzern Rüstungsgüter in Krisengebiete. Den Vorwürfen widersprach das Unternehmen naturgemäß, die Anträge der "Kritischen Aktionäre", Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten, fielen beim Gros der Anwesenden durch.

Dennoch, meint Ute Bott, hat sich der weite Weg nach Bochum gelohnt. Wann sonst redet man direkt mit den Vorständen? "Für mich war das eine gute Gelegenheit und sehr gute Erfahrung." Die Aufmerksamkeit während ihrer Rede sei gut gewesen. Die Rückmeldungen auch: Man merke ihr die Verbundenheit und Betroffenheit angesichts des Turmbaus in Rottweil an, habe es da geheißen.

Trotz anfänglicher Aufregung meint Bott: "Ich hab mich wohlgefühlt während meines Vortrags." Etwas Schlimmeres als die Bürgerfragestunde in Rottweil könne es ohnehin nicht geben. Zumindest habe sie gewusst, dass sie ihre Sätze in Bochum zu ende bringen kann, erklärt Ute Bott. Ohne Buhrufe und Beleidigungen von "euphorisierten Turmbefürwortern", wovon sie in der Hauptversammlung ebenfalls berichtete. Da ist sie dann auch wieder mit dem TKE-Sprecher auf einer Linie, der von einer ruhigen Versammlung sprach. Und davon, dass das neue Aufzugprojekt Multi – die Kabinen sollen künftig ohne Seil und so auch vertikal fahren können, Testort wird der neue Turm sein – und damit auch Rottweil sehr viel Anerkennung erhalten haben.

Bis die Aufzüge auf dem Berner Feld tatsächlich getestet werden, dauert es aber noch ein bisschen. Die Sohltiefe, das Fundament liegt in 32 Metern Tiefe, sei erreicht, teilt der Sprecher mit. Die zusätzlichen Erkundungsbohrungen, die in einem Abstand von vier Metern noch zehn Meter tiefer geführt hätten, haben seinen Angaben nach folgendes Ergebnis gebracht: "Keine Hohlräume und keine Klüftungen unterhalb des Testturms." Anfang, Mitte März soll der eigentliche Bau beginnen und ab Ende des Monats dann "in die Höhe wachsen".

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