Rottweil - "Unsere Belastungsgrenze ist erreicht. Wir können das Mehrgenerationen allein nicht weiter schultern." Henry Rauner, Vorsitzender der Bürgerinitiative Kapuziner, fand klare Worte im Ausschuss und forderte: "Die Stadt muss sich zum Mehrgenerationenhaus bekennen."

Rauners Bericht vor dem Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss hatte zwei Botschaften. Die eine: Das Mehrgenerationenhaus im Kapuziner ist mit Leben gefüllt, wird von den Bürgern angekommen und von viel ehrenamtlichem Engagement getragen. Die andere: Trotz zahlreicher Vermietungen und regem Cafébetrieb steht und fällt alles mit dem Zuschuss des Bundes. Dieser betrug zu Beginn 40 000 Euro, wurde 2012 auf 30 000 Euro reduziert und fällt 2015 ganz weg. Und dann?

Rauner brachte die Lösung gleich als formellen Antrag ein: "Die Stadt gleicht die Barzuschüsse aus und überweist fehlende Mittel an die Bürgerinitiative". Wenn man das Mehrgenerationenhaus erhalten wolle, dann "muss man es unterstützen", so Rauner.

Und er legte nach: Eigentlich wolle man mit der Mitmach-Initiative Rottweil (MIR) kooperieren, um die Koordination von ehrenamtlichem Engagement und eine "Dienstleistungsdrehscheibe" im Mehrgenerationenhaus zu verankern. Das nämlich ist eine der geforderten Voraussetzungen, damit die Fördermittel überhaupt fließen. Damit jedoch sei man noch nicht so weit, "weil es ein bisschen unglücklich ist, dass die MIR beim OB angedockt ist". Und man habe da "noch nicht die Möglichkeit bekommen, mal zusammenzusitzen".

Oberbürgermeister Ralf Broß sieht das anders: Man sei seit langem im Gespräch, was eine Kooperation in Sachen bürgerschaftliches Engagement angeht. Mittlerweile gebe es einen "fast unterschriftsreifen Vertrag". Allerdings könne und wolle die MIR die vom Förderprogramm geforderte Vermittlung von "haushaltsnahen Dienstleistungen" nicht leisten, weil man mit örtlichen Anbietern nicht konkurrieren wolle.

Dass sich das Konzept Mehrgenerationenhaus in Rottweil etabliert habe und "angekommen" sei, stehe außer Frage, betonte Broß. Die von Rauner vorgetragenen Zahlen belegen dies: 600 Besucher wöchentlich werden – abseits der großen Veranstaltungen – verzeichnet, pro Woche werden rund 20 Termine angeboten, der Sonnensaal ist 2012 an 144 Tagen vermietet worden und 100 ehrenamtliche Stunden pro Woche werden geleistet.

Allerdings: Den Kosten von 112 000 Euro steht ein Ertrag von 103 000 Euro gegenüber. Das auch für 2013 erwartete Minus müsse die Stadt auffangen, so Rauner. Er führte andere Beispiele aus dem Land an, die zeigen, dass Mehrgenerationenhäuser nur höchst selten von Vereinen getragen werden. "Manche haben auch schon wieder zugemacht", warf Rauner in den Raum.

Stadtrat Gerhard Aden (FDP) sah dies als "Rückzugsankündigung" Rauners, die er habe kommen sehen. Ein kostenneutraler Betrieb sei nunmal nicht möglich. Jörg Stauss (FWV) fragte an, ob sich beispielsweise der Cafébetrieb nicht optimieren ließe, um mehr Geld zu erwirtschaften. Anja Schaber von der BI verwies darauf, dass dies dem Gedanken des "Offenen Treffs" widerspreche, der gerade auch einkommensschwachen Menschen Raum biete.

Eine Erhöhung der Tarife bei Vermietungen der Räume, wie von Günter Posselt (CDU) zur Sprache gebracht, sieht Rauner als nicht effektiv. Man liege mit den Preisen bereits "im Durchschnitt".

Walter Stegmann (FWV) brachte es auf den Punkt: "Eie Grundsatzentscheidung muss fallen." Der Beginn sei vielversprechend gewesen, nun müsse man sich zum Mehrgenerationenhaus bekennen – getragen vom Leitbild "soziale Stadt".

Ein Signal, das CDU und SPD mittrugen. Das ehrenamtliche Engagement sei schließlich "einmalig", so Sibylle Schumacher. Und für Winfried Wössner ist klar: "Ziel muss sein, dass Mehrgenerationenhaus zu erhalten und weiterzuentwickeln." Wieviel sich die Stadt das kosten lassen will, wird Thema in der Haushaltsdebatte sein.