Rottweil - Es liegt viel Vorfreude in der Luft, wenn man mit Petra und Rainer Müller durch ihre neue Wirkungsstätte geht: Die "Herbergseltern" der neuen Rottweiler Jugendherberge fiebern der Eröffnung entgegen. Davor gibt es aber noch einiges zu tun.

In die Vorfreude nämlich mischt sich auch noch jede Menge Baustaub. Die Handwerker sind vor allem im Erdgeschoss noch eifrig zugange, verlegen die Elektrik im großen Rezeptionsbereich, legen letzte Hand in den Seminarräumen an und verrichten viele kleine Arbeiten, die bei so einem Großprojekt zum Endspurt hin noch anfallen.

Derweil trudeln bei Petra und Rainer Müller im Büro die ersten Buchungen ein. "Im Januar haben wir die ersten Gäste", freut sich das herbergserfahrene Ehepaar. In den vergangenen sieben Jahren haben sie die Jugendherberge in Erpfingen/Sonnenbühl geleitet, davor neun Jahre lang jene in Waldürn. Rottweil ist nun nicht nur eine neue Herausforderung, es ist auch eine Rückkehr. "Hier haben wir früher gewohnt und gearbeitet, wir fühlen uns hier wohl", sagt Rainer Müller.

Der 54-Jährige stammt aus Essen und ist eigentlich Wirtschaftsinformatiker, seine Frau Petra kommt aus Oberndorf und hat nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau noch Hauswirtschafterin gelernt. Und so wird sie in der modern ausgestatteten Großküche der Jugendherberge auch selbst an den Töpfen stehen und schauen, dass Frühstück-, Mittag- und Abendessen frisch und pünktlich auf den Tellern der Gäste landen.

135 Betten in Zimmern für zwei, drei, vier oder sechs Personen hat die Jugendherberge, sodass laut Rainer Müller in der Regel immer rund 120 Menschen im Haus sind, die es zu verköstigen gilt. Die Zimmer sind nicht nur geräumig, sondern auch alle mit eigenem Bad samt Dusche ausgestattet. "Das ist schon eine Luxusherberge", freuen sich die Müllers. Und das wird sich ihrer Ansicht nach auch auf das Klientel auswirken. Rainer Müller rechnet mit mehr Tagungen und Seminaren, beispielsweise von Vereinen, Ausbildungsbetrieben oder kirchlichen Gruppen als an der alten Wirkungsstätte auf der Alb. Große, helle Seminarräume bieten beste Voraussetzungen.

Die alten Balken des 1702 als Dominikanerinnenkloster erbauten Gebäudes geben dem Ganzen das besondere Flair. Und auch mit Stuckdecken im Speisesaal kann nicht jede Herberge aufwarten.

Und schließlich, so betont Rainer Müller, habe Rottweil ja ganz besondere Reize, die Besucher anlocken sollen. Die Relikte der Römer, die Museen, die historische Stadt an sich, die Fasnet – all das soll sich in den Programmen niederschlagen, die das Ehepaar derzeit im Kontakt mit der Stadt erarbeitet. Nicht zuletzt ist in Rottweil eine "Kultur-Jugendherberge" entstanden, so lautet das entsprechende Profil des Jugendherbergswerks.

Momentan ist es übrigens vor allem eins in dem umgebauten Gebäude: warm. Sehr warm. Die Müllers müssen heizen was das Zeug hält, um die letzte Feuchtigkeit aus den Mauern zu vertreiben. "Das Haus stand immerhin sechs Jahre leer", sagt Rainer Müller. Die Bauarbeiten haben ihr Übrigens dazugetan.

Etwas gehemmt sind allerdings derzeit die Arbeiten im Außenbereich. Im Gemeinderat gab es Diskussionen um die Terrassenplatten, und ein Fahrradschuppen wird ebenso wenig gewünscht wie Fahnenstangen. "Wir hoffen, dass diese Probleme noch gelöst werden – dann kann’s losgehen", so das Ehepaar. Die Online-Buchung ist mittlerweile freigeschaltet, "und spätestens zur Fasnet sind wir voll", schmunzelt Rainer Müller.

Wer sich selbst ein Bild machen will, hat dazu am 16. März Gelegenheit. Dann wird die neue Jugendherberge mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht.

Weitere Informationen: www.rottweil.jugendherberge-bw.de