Rottweil Jeder Sonnenstrahl macht Hoffnung

Corinne Otto, 19.07.2012 09:03 Uhr

Rottweil - Es ist einer der besseren Juli-Tage: an die 25 Grad! Der Ansturm im Rottweiler Freibad ist dennoch verhalten. "Heut kenn ich wieder jeden Besucher persönlich", sagt Bäderleiter Edgar Bantle. Noch ist er nicht verzweifelt: "Wir können noch aufholen."

Soviel Optimismus ist fast schon bewundernswert. Denn seit 2003 hofft man auch im Rottweiler Freibad mal wieder auf einen "richtigen" Sommer. 134.000 Besucher hatte das Freibad in diesem denkwürdigen Jahr. Eine Zahl, von der man heute nicht mehr zu träumen wagt. "Wir liegen momentan bei 28 500 Besuchern", lautet Bantles ernüchternde Zwischenbilanz für 2012. Kein Wunder, angesichts der Großwetterlage und vieler verregneter Sonntage wie beispielsweise dem 1. Juli, an dem sich gerade mal 117 Besucher ins Freibad gewagt hatten. Der Kiosk wird da gar nicht erst aufgemacht, das Personal arbeitet in Minimalbesetzung.

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Immerhin: Ganz leer ist es nie, im Schnitt 200 bis 300 Besucher sind es auch an schlechten Tagen. "Da gibt es einen ganz harten Kern, der zum Gesundheitsschwimmen kommt", sagt Bantle. Auf die rund 20 Frühschwimmer täglich, die sich schon um 6.30 Uhr ins Nass stürzen, ist ohnehin Verlass. Und Ende Juni, als der Sommer kurz aufblitzte, wurde gar die 2000er-Tagesmarke geknackt.

Doch einzelne Sonnentage schlagen nicht großartig ins Gewicht. Denn Bantle, immerhin seit 22 Jahren im Dienst, weiß: "Die Leute brauchen beständiges Wetter, die wollen im Voraus planen." Und so rettet an diesem besseren Juli-Tag wenigstens eine große Pfadfinder-Gruppe aus Niedersachsen die Bilanz. Ansonsten sind es viele Stammgäste und auch ein paar Familien mit kleineren Kindern. Wenn die Wolkendecke mal wieder zuzieht und der Wind böiger wird, heißt es einfach abrubbeln und im großen Sand- und Matschbereich weiterspielen, oder zum Aufwärmen ein paar Runden auf dem Trampolin hüpfen.

"Es ist einfach eine wunderschöne Anlage", sagt Bantle fast schon wehmütig. Die Randbereiche sind neu mit Natursteinen gestaltet, die Becken tipptopp, die Grünflächen frisch gepflegt. Daran liegt es sicher nicht, dass die Besucherzahlen seit Jahren eher hinter den Erwartungen zurückbleiben. Im vergangenen Jahr waren es 70 000, 2008 rund 60 000. Sind die goldenen Zeiten vorbei?

Dass es wieder einen Sommer wie 2003 gibt, kann sich Edgar Bantle fast nicht mehr vorstellen. "Ich habe schon das Gefühl, dass die Sommer eher so bleiben, wie jetzt", räumt er ein. Insgesamt feuchter, unbeständiger, mit mehr Wolken und Wind. Doch er sieht auch andere Faktoren: Während die Schüler früher fast jeden Nachmittag das Freibad stürmten, bleibe vielen dazu in Zeiten von G8 und mehrfachem Nachmittagsunterricht in der Woche fast keine Zeit, hat der Bäderleiter beobachtet.

Nichtsdestotrotz: Auf 70 000 Besucher hoffen Bantle und Schwimmmeister Andreas Schmid auch in diesem Jahr. "Noch ist nichts verloren, eine richtig gute Woche im August kann schon einiges ausrichten", sagt der Bäderleiter. Dann kann es an einem richtig guten Sonntag auch mal 3000 Besucher haben.

An diesem Juli-Tag wickelt eine Mutter ihr Kleinstes schnell in ein dickes Handtuch ein und rubbelt kräftig. Der Wind hat aufgefrischt, die Sonne ist kurz verschwunden – das Hoffen geht weiter.

 
 
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