Von Bodo Schnekenburger

Zimmern-Horgen. Seine Leidenschaft für Motorräder ist groß. Sonst wäre er kaum auf die Idee gekommen, eine Zweiradschmiede für ausgefallene Entwürfe zu etablieren. Um so überraschender ist Volker Sichlers neue Begeisterung für Bikes "von der Stange".

Wer bei Sichler in Horgen ordert, tut das mit Sicherheit nicht, um irgendwann einfach nur auf zwei Rädern von A nach B zu kommen. Er will unterwegs sein mit der Maschine, will das Brabbeln hören, das im Leerlauf an einen soliden US-Achtzylinder erinnert – womit es sich dann schnell hat, wenn die Karre auf Touren kommt. Und auch wenn sportliche Fahrer auf Pass-Straßen gerne mal die Rasten abschleifen, ist doch klar: Die Hollister’s-Bikes, die in Horgen entstehen, sind keine Kurvenräuber, keine "Rennerle", sicher auch keine "Wohnzimmer", sondern emotional gestaltete und auf Wunsch mit vielen Gimmicks ergänzte Fahrmaschinen, die weltweit ob vor der Kneipe oder dem mondänen Straßencafé eine gute – und charakteristische – Figur machen.

Bedenkt man, dass Sichler zu dem Geschäft kam, weil er ursprünglich manche Schwäche der Klassiker mit dem klangvollen Namen vergessen und die Bikes straßentauglich machen wollte, mutet es schon seltsam an, dass er ausgerechnet an einer Großserien-Neuentwicklung einen Narren gefressen hat. Doch glaubt man ihm, wenn er versichert, dass er schon seit Jahren nicht mehr mit flottem Tempo "so entspannt" um eine Kurve geschnürt sei. Verantwortlich für dieses neue Fahrgefühl ist eine Firma, die sich eigentlich mit professionellen Quads und ATVs einen Namen gemacht hat. Ob Hüttenbetreiber, Landwirt oder Freizeitabenteurer: Die Marke, die klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, sitzt sicher im Sattel. Und ausgerechnet die hat sich seit vor gerade mal fünf Jahren daran gemacht, unter neuem Namen Cruiser auf zwei Rädern zu bauen. Sichler, der die "Victory"-Bikes in Südwestdeutschland etablieren will, ist jedenfalls begeistert. Aus dem Stand, so erklärt er, hätten die Techniker ein Problem gelöst, das alle anderen gängigen Konstruktionen haben, ansprechend sehen die Bikes auch aus, es gibt ab Werk bestimmte Ausstattungspakete, und wer will, kann in Zimmerlautstärke durch die Landschaft brausen.

Brausen? Das machen die neuen besser als die Konkurrenz, wie die durchaus markenaffine US-Highway-Patrol nach ausgiebigen Tests zugeben muss. Ach ja, und zu den Detaillösungen gehört auch der Fall der Fälle: Falls einer den schweren Bock doch mal auf die Seite legt, landet der immer auf drei Punkten, geht nicht kaputt und kann, auch das hätten Versuche gezeigt, von zierlicheren Vertreterinnen des vermeintlich schwächeren Geschlechts wieder auf die Beine, pardon: die Räder, gestellt werden. Gute Argumente für Sichler, die Skepsis beiseite zu legen. Zumal die Victory-Bikes auch preislich eine Ergänzung unterhalb seiner eigenen Konstruktionen sind.