Kreis Rottweil - Die Helios-Klinik steht seit der Übernahme durch den privaten Träger im Fokus: Umstrukturierung, Umbau, Schaffung neuer Fachbereiche, viele Personalien – und immer wieder Kritik. Gestern war der Rottweiler Gemeinderat vor Ort.

Was hat sich in den 17 Monaten unter Helios-Regie getan? Wo liegen die neuen Schwerpunkte? Kommt das Menschliche und die Zeit für die Patienten vor lauter Streben nach mehr Wirtschaftlichkeit zu kurz? Fragen, die den Gemeinderäten unter den Nägeln brannten.

Bei einem Rundgang durch die erste fast komplett umgebaute Station ging es zunächst darum, "eine Idee davon zu bekommen, wie sich das Haus verändern wird", so Klinik-Geschäftsführer Kristian Gäbler. In der geriatrischen Abteilung wird das bereits deutlich: Alle Zimmer haben nun ein eigenes Bad mit Dusche, die Stationsstützpunkte sind offen und großzügig gestaltet. Sukzessive soll dies bis 2015 auf allen Stationen verwirklicht werden. Neu ist auch der Sprechstundenbereich, der künftig von der Notfall-Ambulanz getrennt ist.

Krankenpflegeschule ausgebaut

Das äußerliche Bild fand Gefallen bei den Gemeinderäten, in der anschließenden Sitzung ging es um die inneren Strukturen. Kristian Gäbler zeigte die Ausgangssituation vor der Übernahme auf: Millionenverluste, kontinuierlich sinkende Fallzahlen und ein Investitionsstau. Mittlerweile habe man die medizinischen Strukturen neu gestaltet, das Leistungsangebot deutlich erweitert, die Krankenpflegeschule ausgebaut und die Patientenzahlen gesteigert. 2010 verzeichnete die Klinik 9680 Patienten, 2011 9870, in diesem Jahr sind es – hochgerechnet – 10 400.

Ein Grund dafür ist laut Kai Mehlhase, dem Ärztlichen Direktor der Klinik, die Spezialisierung in den verschiedenen Fachbereichen wie Innere Medizin und Chirurgie. Auch Investitionen wie beispielsweise in den neuen Kreißsaal mit 950 000 Euro oder in hochmoderne Technik für die Gefäßchirurgie machten sich bemerkbar. Zudem habe man das medizinische Spektrum durch die enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten erweitert.

Nichtsdestotrotz, so Walter Stegmann (FWV), gebe es viele negative Stimmen. Die Ausdünnung des Personals im Bereich der Pflege sei spürbar, die Fluktuation in der Ärzteschaft werfe Fragen auf. "Wie motivieren sie ihre Mitarbeiter?", wollte Jens Jäger (SPD) dazu wissen. Geschäftsführer Kristian Gäbler sprach von einem "laufenden Prozess". Und er bekannte: "Ja, wir haben eine Form von Leistungsverdichtung. Alles andere glauben Sie mir sowieso nicht." Klar sei auch, dass man zu Jahresbeginn "richtige Probleme" gehabt habe, bis alle Rädchen neu ineinandergriffen. Zusätzlich zur internen Neustrukturierung habe man nicht zuletzt 60 Beschäftigte aus dem Schramberger Krankenhaus neu integriert.

Was die neuen "Logistikprozesse" angehe – das Essen wird beispielsweise nun über weite Strecken angeliefert – nutze man lediglich die Vorteile, die der Klinikverbund mit sich bringt, so Gäbler auf Nachfrage von Heide Friederichs (FFRundPRoFi)

Und der Blick in die Zukunft? Immerhin entstehe in Villingen-Schwenningen derzeit ein Großklinikum, erinnerte Günter Posselt (CDU). "Wir sind durch die Fachdisziplinen extrem gut aufgestellt", zeigte sich der Ärztliche Direktor selbstbewusst. So ein neues "Kaufhaus" wie das im Schwarzwald-Baar-Kreis könne ihn da nicht schrecken.