Rottweil Hängebrücke: Günter Eberhardt will "Neckar Line" bauen

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Bauunternehmer Günter Eberhardt will in Rottweil die Hängebrücke "Neckar Line" bauen. Foto: Otto

Rottweil - Günter Eberhardt hat Tee dabei, als er zum Gespräch in die Redaktion kommt. "Trau-dich-Tee – der macht Mut für das Ja zur Brücke", sagt er verschmitzt. Der Bauunternehmer will in Rottweil die "Neckar Line" bauen. Und er ist zuversichtlich, dass das auch passiert.

Seine Prognose für den Bürgerentscheid am Sonntag? Günter Eberhardt muss nicht lange überlegen: "80 Prozent dafür, 20 Prozent dagegen." Und er fügt hinzu, dass er mit einem knappen Ja zur mit 600 Metern längsten Fußgänger-Hängebrücke der Welt alles andere als zufrieden wäre. "Ich wünsche mir schon ein deutliches Signal, dass die Rottweiler dahinter stehen."

Trotz des seit Wochen laufenden, zeitintensiven "Brücken-Wahlkampfs" wirkt der 49-Jährige recht entspannt – aber das war nicht immer so, verrät er. "Auf die Idee mit dem Trau-Dich-Tee bin ich nur gekommen, weil ich am Anfang wirklich oft Bauchweh hatte und mir immer Magenwohl-Tee geholt hab."

Der Widerstand und vor allem die Argumente mancher Brückengegner hätten ihm zu schaffen gemacht – "weil ich sie absolut nicht nachvollziehen konnte", sagt er. Er kann es bis heute nicht. Und er habe erst lernen müssen, mit so etwas umzugehen. Dass es Anwohner gebe, "die den Bockshof als ihren Vorgarten betrachten", findet er – gelinde gesagt – nicht in Ordnung. "Das ist ein öffentlicher Platz, ein Park", sagt er, und kommt bei dem Thema richtig in Fahrt: Dutzende Male sei er im Sommer im Bockshof gewesen. "Das ist die gute Stube Rottweils, und da passiert nichts – gar nichts! Da sind kaum Leute, es gibt hauptsächlich Verbotsschilder." Für den Unternehmer, der, wie er selbst sagt, dauernd neue Projekte im Kopf hat, dauernd etwas bewegen will, ist das ein Unding. Dass ein Teil des Bockshofs mal ein Friedhof war, wisse er wohl, dass die Gegner das als Argument anführen, versteht er aber nicht. "Es war ein Friedhof – aber das ist sehr lange her", betont Eberhardt. Zwischenzeitlich habe es auch mal einen Kinderspielplatz dort gegeben.

"Man muss Mut haben, um vorwärts zu kommen", ist er überzeugt. Wenn er erkannt habe, dass etwas machbar und richtig ist, dann gebe er hundert Prozent. Bei allem. "Und das Ergebnis ist, dass das, was ich anpacke, am Schluss auch tipptopp funktioniert." Das wisse inzwischen auch seine Familie, schmunzelt der dreifache Familienvater. Für die Brückenidee sei er zunächst von seiner Frau für verrückt erklärt worden. Nicht zuletzt sei mit der Investition – sechs Millionen Euro sind veranschlagt – auch ein finanzielles Risiko verbunden. "Aber meine Frau weiß auch, dass ich bei meinen Entscheidungen eigentlich noch nie falsch gelegen bin."

Damit sei wohl auch die Entwicklung seiner Firma begründet, die der gelernte Maurer 1993 in Hohentengen "eigentlich nur als Nebenerwerb" zum Betonstahlverlegen gegründet hatte. Doch schnell wurde der Betrieb größer. Einer der ersten großen Auftraggeber war die Firma Wochner in Dormettingen. Daraus resultiert, dass das Betonstahlbiegewerk von Eber­hardt in Schömberg steht. Er hat 30 Mitarbeiter. Mit Nachunternehmern sind es rund 100. "Unser Hauptgebiet ist schon immer der Bereich Rottweil und Balingen", sagt der Unternehmer. In Hohentengen gebe es lediglich ein Büro.

Eberhardts Verbindung zu Rottweil aber reicht weiter zurück. Und schon damals war ein Brücke im Spiel. Sein Vater baute als Polier die große Neckartal-Autobahnbrücke mit, und in den Ferien waren die Kinder – das war Anfang der 70-Jahre noch möglich – oft auf der Großbaustelle mit dabei. "Die Brücke hat mich fasziniert, und ich hab später immer davon geredet, dass ich sie mal wieder sehen will." Er hat sie dann tatsächlich wiedergesehen – als er zum ersten Mal vom Thyssen-Krupp-Turm herunterschaute.

Auch beim Turmbau war die Eberhardts Bewehrungsbau GmbH bekanntlich mit im Spiel. In den sechs Monaten Gleitschalungsbau, als der Turm rund um die Uhr in die Höhe wuchs, sei man an der Grenze dessen gewesen, was leistbar ist. "Wir mussten ja alle anderen Kunden in der Zeit weiter bedienen." Auch da sei mancher Magenwohl- Tee im Einsatz gewesen.

Und an diesem Punkt der Geschichte kommt Alfons Bürk ins Spiel. "Er war unglaublich oft auf der Baustelle und hat die Mitarbeiter total motiviert", erzählt Eberhardt. Bürk, der Mann für große Projekte in Rottweil, hatte schon länger die Vision von einer spektakulären Verbindung vom Turm in die Innenstadt. Man kam ins Gespräch, es gab irgendwann einen Termin im Rathaus, die Idee nahm Formen an – und in Eberhardts Kopf fing es an zu rattern. Kurz darauf setzte er sich ins Auto und fuhr zum ersten Mal – viele weitere Besuche sollten folgen – nach Reutte zur dortigen "highline 179"-Brücke. "Es hatte 30 Zentimeter Neuschnee – und es war ein tolles Erlebnis." Was ihn besonders beeindruckte, war die Atmosphäre dort: Es sei ruhig, die Menschen schwankten zwischen Vorfreude und Anspannung, jeder mache Fotos, sei fasziniert, man komme ins Gespräch. "Ich weiß nicht, ob sich das alle Brückengegner schon mal angeschaut haben. Sonst wären sie vielleicht anderer Meinung."

Nach eineinhalb Stunden Gespräch muss Eberhardt eigentlich weiter nach Schömberg – aber erst will er noch in den Bockshof. Dort ist dann schnell zu merken, dass er jeden Mauerabschnitt, jedes Detail kennt. Auch das brachliegende Taubenhaus. "Momentan wollen nicht mal die Tauben in den Bockshof kommen – das ist doch ein Zeichen", schmunzelt er. Dann schildert er begeistert, wie man vom gegenüberliegenden Fels über die Brücke in die Stadt kommt – in die "gute Stube Rottweils eben, in der man gerne Gäste empfängt." Er ist sich sicher: "Das wird richtig gut."

Die Hängebrücke vom Turm zur Stadt und zurück – ob die Rottweiler sie wollen, wird sich am Sonntag beim Bürgerentscheid zeigen. Eber­hardt hofft, dass viele Menschen zur Abstimmung gehen und mobilisiert mit seinem Neckar-Line-Team seit Wochen die Wähler mit verschiedenen Aktionen. Ungewöhnlich viel Engagement für einen Investor. Warum eigentlich? "Ich kann es ja nicht dem Zufall überlassen, ob es gut wird oder nicht. Da muss man schon hinterher sein – das ist auf dem Bau genau so."

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