
Von Armin Schulz
Rottweil. Sie sind drei gestandene Fahrschullehrer und täglich acht Stunden auf Rottweils Straßen unterwegs. Was sie dort erleben, macht sie stutzig bis zornig. Ihre Feststellung: Verkehrsverstöße beinahe überall und eine Stadt, die zu wenig unternehme.
Über die neue Stadtmitte ist schon vieles gesagt worden – nicht immer nur Gutes. Erst vor wenigen Tagen kritisierte der CDU-Stadtrat Günter Posselt in der Gemeinderatssitzung, dass in den 20er-Zonen zu schnell gefahren, oft falsch geparkt und zu wenig kontrolliert würde. Von der Stadtverwaltung erntete er da Widerspruch. Alles entwickle sich doch prima, hieß es.
Jetzt haben sich beim Schwarzwälder Boten drei Fahrschullehrer gemeldet, die von Berufswegen täglich in Rottweil unterwegs sind und in die gleiche Kerbe wie Posselt hauen: Marcus Pollermann, Tobias Kallasch-Hezel und Marcus Schwanzer machen offensichtlich ähnlich schlechte Erfahrung. u Beispiele zum Thema Parken gefällig? Bitte: In der unteren Hauptstraße beim "Löwen" würden abends und nachts regelmäßig Autos parken und die ohnehin schmale Straße vollends dicht machen, monieren die drei. "Strafzettel helfen da nicht weiter, diese Auto müssten einfach mal abgeschleppt werden", fordert Pollermann. Der Abschleppdienst sollte auch in der Stadtmitte tätig werden, so die Meinung. Von kreuz und quer stehenden Autos, von Fahrzeugen, die die Feuerwehrzufahrt vor der Kapellenkirche versperrten, von Wagen, die stehen, wo sie nicht hingehörten, ist da die Rede.
Das Problem ist nicht neu. Die Erklärungsversuche seitens der Stadt freilich auch nicht: Ordnungsamtsleiter Bernd Pfaff äußert uns gegenüber, das Falschparken habe sich seit der Öffnung Mitte Oktober spürbar verbessert, vor dem Gasthaus Löwen sei zur Klarstellung eine Halteverbotsschild montiert worden, das Hauptstraßenkreuz werde täglich mehrfach kontrolliert. "Eine starke Überwachung findet somit statt, eine ›Bewachung‹ der Straßenzüge können wir allerdings nicht leisten". u Beispiel Geschwindigkeit: "Tempo 20 ist gut", sagen die Fahrschullehrer unisono, "aber auch dies gehört einfach überwacht", kritisieren sie. Sie, die sie junge Autofahrer ausbilden, seien schon des Öfteren in den Langsamfahrzonen von anderen Autos überholt, beschimpft und bedroht worden. Was sollen auch ihre Fahrschüler denken, wenn das nicht geahndet wird?, fragen sie sich. Warum also gibt es keine stationären Geschwindigkeitsmessanlagen, kurz Blitzer genannt? "Bei der Geschwindigkeit geht es um Leben", so Pollermann.
Pfaff verweist darauf, dass man den Fahrern in der neuen Mitte mittels Anzeigetafeln über viele Wochen deren Tempo verkehrserzieherisch angezeigt habe. Auch mit mobilen Messwagen sei kontrolliert worden. Die letzte Messung an einem Januarabend habe eine Beanstandungsquote von 15 Prozent ergeben, wovon 80 Prozent dieser Fahrer wiederum nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen seien. Pfaff verweist auch darauf, dass es sich um einen landesweiten Modellversuch handle und dass man bis dato nur einen Fußgängerunfall (ohne schwere Verletzungen) gehabt habe. u Beispiel links parken: Pollermann legt eine ganze Liste an Straßen vor, in denen entgegen der Fahrtrichtung links geparkt werde. An einem Morgen Ende Januar notiert er binnen 45 Minuten 52 Fahrzeuge, die falsch stehen. 15 Euro Verwarnungsgeld müssten die Fahrer oder Halter berappen, 780 Euro kämen da zusammen. "Doch die Stadt macht nichts dagegen", so seine Erfahrung. "Sie will das gar nicht", meint er und damit liegt er nicht ganz falsch. Der Ordnungsamtsleiter sagt, dass man sich bei dieser Art des Falschparkens lediglich auf die stark befahrenen Straßen konzentriere, da hier auch das Gefahrenpotenzial beim Einfädeln in den fließenden Verkehr größer sei. "In der neuen Mitte wird es geahndet", so Pfaff.
"Das geht nicht", sagen die Fahrschullehrer. Und wieder: Wie sollen sie das ihren Fahrschülern rüberbringen, denn: "In Donaueschingen wird das alles geahndet".
Es bleibt also bei unterschiedlichen Wahrnehmungen und Auffassungen, was das Verkehrsverhalten in der Stadt anbelangt und wie die Verwaltung damit umgeht.
Denkanstöße: Diplom-Meteorologe Sven Plöger referiert im Kraftwerk zum Thema Klimawandel.