
Von Gerhard BoosIm Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde der Jesuit Alfred Delp gefangengenommen und im Januar 1945 zum Tod verurteilt, ohne dass ihm politische Aktivität nachgewiesen werden konnte. Als Jesuit galt er als Feind des Staates und dessen Ideologie. Er wurde am 2. Februar 1945 (Mariä Lichtmess) in Plötzensee hingerichtet.
"Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind." So lautet einer seiner Sätze im Angesicht des Todes.
Leben gegen den Strom, allen Dingen gewachsen sein – das sind Maximen des Lebens bei diesem Nachfolger des Ignatius von Loyola.
Mut zeigte er als engagierter Soziologe und Theologe durch seine Mitarbeit im Kreisauer Kreis mit Blick auf die Zukunft Deutschlands. Jugendarbeit und Umgang mit dem Wort in Predigten und Aufsätzen in der Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit" waren wichtige Momente seiner Tätigkeit, auch als Präfekt in St. Blasien und Feldkirch. Gesellschaft und Kirche waren in seinem Blickfeld: "Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben." (1944).
Für das Poesiealbum wird oft sein Satz verwendet: "Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, hat sein Leben einen Sinn gehabt." Es geht um die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit, gerade in einer so schwierigen und bedrohlichen Zeit. Es war für ihn eine Zeit der Wüstenerfahrung, doch mit Zuversicht und Hoffnung: "Und ich weiß dies: Der Stern wird über der Wüste stehen."
So meditiert er noch über das Fest der Erscheinung des Herrn 1945, mit gefesselten Händen und in der Ungewissheit über den Ausgang des Prozesses. Alfred Delp, 1907 geboren (ein Jahr jünger als Dietrich Bonhoeffer), wuchs ökumenisch auf: katholisch getauft, aber evangelisch erzogen. 1921 wurde er konfirmiert, aber auch zur Erstkommunion und zur Firmung begleitet. 1926 tritt er in die Gesellschaft Jesu ein. Nach Studium, der Priesterweihe und philosophischer Promotion arbeitet er bei den "Stimmen der Zeit" und in der Männerseelsorge, neben der Arbeit in einer Münchner Pfarrei.
Von der Gestapo verhaftet, ist er Gefangener in Berlin bis zu seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945. Ein Grab gibt es nicht (Befehl Himmlers). Die Asche der Hingerichteten wurde zerstreut: Das Andenken überlebte durch die Schriften und die Erinnerung von Freunden und Mitbrüdern. 2012-03
Denkanstöße: Diplom-Meteorologe Sven Plöger referiert im Kraftwerk zum Thema Klimawandel.