Rottweil Der vielleicht größte Wunsch des 88-jährigen Karl Mahlers
Schwarzwälder-Bote, 13.08.2012 00:01 UhrVon Armin Schulz
Rottweil. Man sieht ihm nicht an, dass er gerade 88 Jahre alt geworden ist: Karl Mahler, der langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist am Puls der Zeit. Dennoch will er den Posten abgeben. Doch einen Nachfolger zu finden, ist gar nicht so einfach.
"Tierschutz in Rottweil das sind die Mahlers" hat der frühere Oberbürgermeister von Rottweil, Thomas Engeser, bei der Verleihung der silbernen Bürgermedaille gesagt. Damals waren sie noch zu zweit.
Nachdem seine Frau Marlies vor Kurzem gestorben ist, war für Karl Mahler klar, dass es jetzt Zeit sei, kürzer zu treten. Seitdem will er Vereinsvorsitz und Leitung des Heims am Eckhof im Eschachtal in jüngere Hände geben.
Die Mahlers kümmerten sich Jahrzehnte lang um das Wohl von ausgesetzten und aufgefundenen Tieren hier in Rottweil. 1973 hat Karl Mahler den Vorsitz des Vereins übernommen, den es seit 1885 gibt. Zu Beginn seiner Tätigkeit, so erinnert sich der Rentner, sei es eine Runde von Tierliebhabern gewesen, die der einen oder anderen Bösartigkeit gegenüber Tieren nachgegangen sei. So habe man sich Sorgen um einen Hund gemacht, der die ganze Zeit angekettet war, oder um ein Pferd, das vom Besitzer geschlagen wurde.
Die Arbeit hat sich verändert. Je wohlhabender die Leute wurden, desto mehr Vierbeiner hielten sie sich zu Hause. Und damit begannen die Probleme, mit denen der Verein auch noch heute zu tun hat, so Mahler. Die Freude an den neuen Mitbewohnern währt oftmals nicht all zu lange und Hund und Katze werden ausgesetzt oder anonym abgegeben. Der Verein kümmert sich um sie. Der aktuelle Stand: 30 Katzen und vier Hunde sind im Tierheim untergekommen.
Damit nicht alle Arbeit auf den Schultern des langjährigen Vorsitzenden lastet, wurden zwei 400-Euro-Arbeitskräfte engagiert. Sie sind nun vor Ort und pflegen die Schützlinge. Der Rat Mahlers ist nach wie vor gefragt. Beispielsweise, als es darum geht, ob ein weiterer Hund aufgenommen werden kann. Überhaupt klingelt an diesem Morgen oft das Telefon. Es geht um eine Schildkröte, die in der Durschstraße aufgefunden wurde. Übergangsweise kommt sie bei einer Tierfreundin in Schörzingen unter.
Die Leute seien manchmal wunderlich, so Mahler. Samstagabends erreichten ihn schon Anrufe besorgter Besitzer. Die Katze habe die ganze Woche nicht gefressen und jetzt gehe es ihr noch schlechter, was denn zu tun sei, wird er gefragt. Warum man denn nicht zum Tierarzt gegangen sei, erwidert er und weiß, dass sich der Anrufer doch nur die Arztkosten sparen will.
Die Finanzen sind auch für den Verein ein großes Thema. Allein an Tierarztkosten fallen im Jahr 12 000 Euro an, hinzu kommen weitere fixe Kosten von mehreren tausend Euro. Beispielsweise für Anzeigen, mit denen man jetzt auch einen neuen Vorsitzenden und Tierheimleiter sucht.
Einige Bewerber hätten sich schon gemeldet. Doch als sie gehört hätten, dass es da nichts zu verdienen gebe und die Aufgabe eine ehrenamtliche sei, hätten sie abgewunken. Am besten sei es, ein Rentnerehepaar würde diese Arbeit übernehmen, meint Mahler. Denn man müsse ordentlich Zeit mitbringen. "Wer voll im Beruf steht, kann dies nicht stemmen", so Mahler.
Wie es nun weitergeht? Man werde weiter suchen und Gespräche führen und vielleicht findet sich ja jemand, der in die Fußstapfen treten kann oder zumindest das Zeug dazu hat, in die Aufgabe hineinzuwachsen. Das ist Mahlers vielleicht größter Wunsch an diesem Tag, seinem 88. Geburtstag.


