Rottweil Der Kaiser schaut direkt drauf

Schwarzwälder-Bote, 09.07.2012 19:05 Uhr

Rottweil. Rottweils Reichsstadtzeit legte Winfried Hecht Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Rottweil dar. Ausgangspunkt: der Stadtadler mit Kreuz auf der Brust.

Der ehemalige Rottweiler Stadtarchivar nahm das Zeichen der Reichsstadt Rottweil als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen. Nach dem Interregnum (1245 bis 1273) sei es den Landesherren nicht mehr gelungen, die einstige Hoheit über die ehemals staufischen Städte zu erzwingen. Diese Städte unterstanden dann direkt dem Kaiser, so auch Rottweil, das seine Abgaben direkt an ihn entrichtete. Dafür erhielt Rottweil im Lauf der Zeit königliche Rechte (Regalien) wie die Befreiung von auswärtigen Gerichten, 1359 das Blutrecht, 1355 das Münzrecht und 1401 das Recht, einen Schultheiß selbst zu bestimmen.

Wahlzeit in Rottweil für dieses Amt und auch andere Ämter war zwischen dem zweiten Weihnachtsfeiertag und Dreikönig. Ausgeübt wurde es im Heilig-Kreuz-Münster und als "Bohnenwahl" bezeichnet. Die Ämter wurden immer mit zwei Personen besetzt und auf ein Jahr vergeben (Annuität), wobei weder Frauen noch "Unbürger" ein Wahlrecht hatten. Unbürger waren die, die zwar in der Stadt wohnten, aber kein Bürgerrecht besaßen. Man konnte dies Recht durch Geburt, aber auch durch Kauf erwerben und genoss dann den "Bürgernutzen", der ab 1583 nur noch für Bürger katholischen Glaubens galt.

Die Reichsstadt Rottweil erwarb im Lauf der Zeit etliche Umlandgemeinden, kontrollierte damit die dörfliche Verwaltung. 1803 war es mit Rottweils Reichsstadtzeit zu Ende: Als Entschädigung für die jenseits des Rheins gelegenen Gebiete bekam der spätere König von Württemberg auch Rottweil zugesprochen und ließ Truppen in die Stadt einmarschieren. Als dann die Fastnachtszeit losbrach, waren die protestantischen Besatzer, an solche Umtriebe überhaupt nicht gewöhnt, höchst befremdet darüber.

Winfried Hecht verstand es, ein scheinbar trockenes historisches Thema gewürzt mit Humor und kleinen Anekdoten zu vermitteln.

 
 
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