
Kreis Rottweil - Bei den Kreisräten kursiert derzeit ein Brandbrief der Chefärzte des Rottweiler Krankenhauses, in dem sie den Kreistag auffordern, jetzt schnellstmöglich zu handeln und sich dabei auf einen Standort zu konzentrieren.
Die Chefärzte schreiben: "Sehr geehrte Kreistagsmitglieder, wieder einmal müssen Sie sich mit der Zukunft der Gesundheitszentren GmbH befassen, nachdem es in langen Diskussionsrunden und zahlreichen Sitzungen nicht gelungen ist, einen einvernehmlichen oder auch nur mehrheitsfähigen Weg für die Krankenhäuser zu finden. Die besten Lösungen sind sicher bereits verpasst, es bleibt nur noch, den Schaden zu begrenzen.
Als Chefärzte des Kreiskrankenhauses Rottweil halten wir es für unsere Pflicht, Sie in dieser Situation über unsere Beurteilung der Lage zu informieren und auf den dringenden Handlungsbedarf hinzuweisen.Für das Rottweiler Krankenhaus ist durch das bisherige Taktieren bereits ein erheblicher Schaden entstanden. Seit Jahren werden Investitionen nicht vorgenommen, strukturelle Verbesserungsvorschläge zurückgestellt, Anstellungsverträge befristet, alles mit dem Hinweis auf die notwendige Klärung der Krankenhausstruktur im Kreis.
Dies hat nicht nur zu einem erheblichen Investitionsstau und zu dem zunehmenden Defizit in der wirtschaftlichen Entwicklung geführt, sondern hat jetzt auch einen eklatanten Personalmangel zur Folge. Qualifizierte Mitarbeiter sind nicht bereit, sich mit kurzfristigen Zeitverträgen abzufinden, sie wandern in Kliniken mit klaren Strukturen ab. So musste bereits im August eine Station der Medizinischen Klinik wegen Mangel an Pflegekräften geschlossen werden. Weitere Engpässe im pflegerischen und ärztlichen Bereich sind absehbar.
In dieser Situation muss jetzt schnell gehandelt werden. Der Kreistag muss nun ohne neuerliche Zeitverzögerungen eine Entscheidung fällen, die die Geschäftsführung der Kreiskliniken in die Lage versetzt, die notwendigen Maßnahmen zeitnah umzusetzen, um weiteren Schaden abzuwenden und die bisher gute Krankenversorgung zu sichern. Dabei ist die Konzentration auf einen Standort unabdingbar. Nur ein fachlich kompetentes und umfassend ausgestattetes Haus wird sich in unserer Region neben dem ausgebauten Haus in Oberndorf und dem neuen Klinikum Villingen-Schwenningen behaupten können.
Noch halten wir in Rottweil in Medizinischer Klinik, Chirurgie und Frauenklinik die Grundlagen für eine qualitativ hochwertige und umfassende Behandlung unserer Patienten vor. Es gilt nun, sich auf die Stärkung dieser Grundlagen zu konzentrieren. Die in Rottweil auch als Ausdruck der guten interdisziplinären Zusammenarbeit arbeitenden Zentren (Brustzentrum, Darmzentrum, Schlaganfallzentrum, Traumazentrum) müssen gestärkt werden und endlich vom Träger Rückhalt bekommen. So ist ein weiterer Erhalt einer qualifizierten medizinischen Versorgung im Kreis neben Oberndorf noch vorstellbar. Bei weiteren Diskussionen wird das Rottweiler Krankenhaus schon bald nicht mehr in vollem Umfang handlungsfähig sein und langfristig nicht überleben.
Wird jetzt erneut Zeit verspielt, wird man sich um die Zukunft beider Häuser bald keine Gedanken mehr machen müssen, sie werden beide in Bedeutungslosigkeit untergehen.
Im Namen der Chefärzte am KKH Rottweil: Günther Fuchs, Ärztlicher Leiter, Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie."