Rottweil Braun schreibt Geschichte
Schwarzwälder-Bote, 10.04.2012 19:00 UhrVon Frank Schäfer
Bezirksliga: Es mag in den vergangenen Jahren viele Teams gegeben haben, die sich in der Bezirksliga (Schwarzwald) überlegen die Meisterschaft sicherten. Die Schramberger Dominanz stößt allerdings in neue Dimensionen vor.
Die Dominanz der Schramberger zeigte sich beim glatten 4:0-Heimsieg im absoluten Spitzenspiel gegen den VfL Mühlheim einmal mehr (Hinspiel 6:1). Trotz eines nunmehr auf 13 Zähler angewachsenen Vorsprungs erdet sich das Trainerteam Hepkeskin/Bialas mehr auf ein komfortables Polster, denn auf eine bereits gefallene Vorentscheidung in der Meisterschaft. "Wir konzentrieren uns voll auf das Restprogramm, um dann hoffentlich schon vorher alles klar machen zu können", hält Patrick Bialas den Ball flach. Lobende Worte findet der Co-Spielertrainer für die Außenspieler im Mittelfeld beziehungsweise die Doppelsechs: "Thomas Schondelmaier kann man nicht über 90 Minuten kaltstellen, wiederum kamen zwei Torvorlagen von ihm. Ganz schwer ist es gegen Flori Haag und Nico Rall zu spielen. Beide stehen defensiv extrem gut, geben dem Spiel nach vorn wichtige Impulse und holen immer wieder Fouls raus, mit denen sie für Entlastung sorgen." Insbesondere freut sich Bialas über den gelungenen Schachzug, Alexander Langhirt zu einem konstant spielenden Innenverteidiger umzufunktionieren. "Es gab Handlungsbedarf auf dieser Position. Anfangs war er nicht so glücklich mit der Entscheidung. Aber er ist ungemein zweikampf- und kopfballstark, extrem wichtig für den Spielaufbau, in Bezug auf Samstag zudem verantwortlich, dass hinten die Null stand", so Bialas über den Torschützen des Führungstors.
Ausgebaut wurde der frühe Vorsprung durch Christian Braun, der sowohl am Boden (2:0), als auch in der Luft (3:0) einmal mehr seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellte und mit seinen nun 55 Saisontreffern den deutschlandweiten Bezirksliga-Rekord knackte. Würde Braun die einmalige Quote von rund 2,6 Toren pro Spiel im Restprogramm fortsetzen, stünden am Saisonende derer 79 zu Buche. "Ich bin selber irgendwie sprachlos", konnte der Rekordjäger den außergewöhnlichen Erfolg am Ostermontag selbst noch nicht ganz fassen.
Und dennoch stellt er seinen eigenen Triumph klar unter den der Mannschaft: "Alleine am Torrekord möchte ich mich nicht festhalten. Wenn wir am Ende nicht Meister werden, kann ich mir davon auch nichts kaufen." Mit einem Augenzwinkern verrät Braun, dass er von seinen Teamkameraden im Training manchmal auf den Boden zurückgeholt werden müsse – im doppeldeutigen Sinne versteht sich. Braun über sein Erfolgskonzept: "Man kann sich fast alles selbst beibringen. In der Vorrunde konnte ich am Abschluss arbeiten. Derzeit hole ich mir vieles über das Selbstvertrauen und ich baue mir selbst keinen Druck auf."
Die These, er profitiere beim Lesen der gegnerischen Torhüter von eigenen Erfahrungen, kann der einstige A-Jugendtorwart nur bedingt bestätigen: "Jeder Torwart tickt anders. Gut möglich, dass mir die Ruhe vor dem Tor gewisse Vorteile verschafft."
Weniger vorteilhaft: Im Testspiel gegen die SG Empfingen zog sich Braun eine Absplitterung des Knöchels zu und kann seitdem nur eingeschränkt trainieren. Aktuell schmerzfrei, wird der Angreifer früher oder später nicht um eine Operation herum kommen.
Beim Probetraining in Köln wartete der viel umworbene 23-jährige "Bezirksligastar" im Testspiel gegen Aachen mit einem Treffer auf. Kontakt zu den Geißböcken gab es vorerst keinen. Klar, dass ein außergewöhnliches Talent auch bei etlichen anderen Vereinen Begehrlichkeiten weckt. Doch Braun, wie er leibt und lebt, will sich voll auf die Schramberger Meisterschaft konzentrieren.



