Deißlingen (wis). Noch liegt eine Schneedecke über dem Deißlinger Friedhof. Doch das Winterende ist absehbar. Und damit auch der Startschuss für die Neugestaltung des Deißlinger Friedhofs.325 000 Euro will die Gemeinde, wie berichtet, für das große Vorhaben in die Hand nehmen. Die Stätte der letzten Ruhe soll nach dem Abschluss der Arbeiten im Herbst in besonders ansprechender Weise zum Verweilen einladen. Bekanntlich soll auf der Grundlage eines Entwurfs des Gartenbauers Planstatt Senner entlang des freien Areals östlich der Aussegnungshalle ein Urnengräberfeld, eingebettet in eine Staudenbepflanzung, entstehen. Stelen sollen als Grabsteine fungieren, eine Pergola mit Sitzgelegenheiten und Bäumen den offenen Raum etwas einfassen und zum Verweilen einladen. Im vorderen Bereich bei der Aussegnungshalle soll es einen kleinen Platz geben, der sich – mit einer schönen Aussicht auf Deißlingen – ebenfalls zu einem Treffpunkt entwickeln könnte, so die Lösungsidee des Büros aus Überlingen.

Ein Urnengrab im Staudenbett wird bei der Anschaffung teurer sein, als herkömmliche Ruhestätten wie Erd- oder Urnengrab. Dies deshalb, weil sich nach dem Erwerb durch die von der Gemeinde arrangierte gemeinschaftliche Bewirtschaftung des Gräberfeldes Unterhaltungs- und Pflegekosten für Grabbesitzer erübrigen.

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Die Nachfrage nach solchen pflegeleichten Grabstätten wird nicht nur nach Meinung der Deißlinger Verwaltung immer größer. Für eine Ruhestätte auf einer Gemeinschaftsfläche, bei der um eine Stele herum neun Urnenfelder Platz finden können, sei mit Kosten zwischen 2500 und 4000 Euro zu rechnen, weist Planer Tim Kaisers auf das Preisgefüge in anderen Gemeinden. Ein Wahlurnengrab, das ein einzelnen Stele zugeordnet wäre, würde entsprechend mehr kosten. Der Preis hängt letztlich auch vom Kostendeckungsgrad ab, der laut Bürgermeister Ralf Ulbrich in Deißlingen im Moment bei 50 Prozent liegt. 70 Prozent seien mittelfristig das Ziel.

Ein wichtiges Thema bei dieser Neukonzipierung war auch die Gestaltung der Wege. Gewählt wurde schließlich die Verwendung von Betonsteinen, korrespondierend zu den Gegebenheiten bei der Aussegnungshalle.

Neben den Neugestaltungen wird die traditionelle Grabstätte ihren Stellenwert behalten. Im älteren Teil des Friedhofs sei dafür genug Platz vorhanden. Auch dieser Bereich soll durch neue Querverbindungen offener gestaltet werden.

Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Neugestaltung ist auch die Möblierung. Gewissermaßen aus einem Guss soll sich künftig das Erscheinungsbild zeigen. Das will sich die Gemeinde durchaus etwas kosten lassen. Das seinen ja fast schon Kunstwerke, sagte Gemeinderat Jochen Schwarz bei der Vorstellung der Ausstattung, offenbar hin- und hergerissen zwischen der Aussicht auf ein künftig sehr ansprechendes gesamtheitliches Erscheinungsbild auf dem Friedhofareal und dem Wissen, dass allein ein Abfall-Behältnis (27 davon werden gebraucht) etwa 500 Euro kostet. Bürgermeister Ulbrich setzt bei der Preisfrage auch hinsichtlich der Beschaffung anderer Ausstattungsgegenstände noch auf etwas Mengenrabatt. Der Schultes betont aber auch, dass für eine solche gründliche Gestaltungsmaßnahme eine gediegene Ausstattung durchaus angebracht sei.

Mit "Gratulation an Planstatt Senner" drückt Gemeinderat Hartmut Storz wohl das Empfinden einer großen Mehrheit des Gemeinderats aus. Man scheint mit den Vorschlägen des Planungsbüros inzwischen rundum einverstanden.

Dazu gehört auch der Kompromiss, bei den künftig in etwas größerer Zahl sprudelnden Wasserquellen neben ganz neuen Brunnenmodellen auch die gut erhaltenen Sandstein-Tröge weiter zu verwenden.