Rottweil Anwohner entsetzt über Baumfällaktion

Corinne Otto, 16.02.2013 09:02 Uhr

Rottweil-Vaihingerhof - Als die Anwohner am Donnerstag vom Lärm der Motorsägen aufgeschreckt zum Bachufer eilen, ist es schon zu spät: Sechs rund 30 Jahre alte Linden und Eichen liegen beim AWO-Parkplatz in Vaihinger-hof am Boden – gefällt im Auftrag der Stadt. Viele Anwohner des idyllischen Areals sind fassungslos, darunter Karl Seeburger, der die Bäume vor rund 30 Jahren gepflanzt und seither gepflegt hat.

Keiner versteht, warum sechs der insgesamt zwölf alten Bäume, die eine Abgrenzung zwischen Parkplatz und dem kleinen Bachlauf bilden, fallen mussten. Nach Anrufen auf dem Rathaus und Diskussionen mit den Mitarbeitern des beauftragten Baumpflegeunternehmens kommt es gestern zum Vor-Ort-Termin. Kurt Faupel, bei der Stadt Rottweil zuständig für die Grünanlagen und Auftraggeber der Fällaktion, wirbt um Verständnis. Im Rahmen der stetig laufenden Begutachtungen sei man zu dem Schluss gekommen, dass die großen Bäume am Parkplatz zu eng aneinander stehen. Deshalb habe man einige gefällt, um den übriggebliebenen mehr Platz zu schaffen.

"Jetzt sind die Bäume tot – ist das besser als wenn sie einfach nur ein bisschen enger gewachsen wären", fragt Anwohnerin Heidrun Müller. Dass das Holz nun auch noch mit viel Energieaufwand zerhäckselt und abtransportiert werde, sei aus ökologischer Sicht ein Unding. "Lassen Sie wenigstens die Stämme hier", fordert sie von Faupel. Und außerdem müsse mit Neupflanzungen Ersatz geschaffen werden.

Die Anwohner, darunter auch Andreas Schwall und Anja Schill, ärgern sich außerdem darüber, dass man mit den Menschen vor Ort nicht wenigsten vorab gesprochen habe. Schließlich kümmern sich viele in dieser Ecke des Vaihingerhofs um das Gelände am Parkplatz, sagen sie. Allen voran Karl Seeburger, der nicht nur die Bäume gepflegt, sondern auch den Parkplatz abgemäht und Äste ausgelichtet hat. "Und das ist jetzt der Dank – bei mir ist Schluss, ich mache hier nichts mehr", sagt er sichtlich betroffen.

Kurt Faupel räumt ein, dass er nicht wusste, wer die Bäume gepflanzt hat. Doch weil sie auf städtischem Grund stehen, sei die Stadt nunmal zuständig. "Und die Maßnahme war längst notwendig", bleibt er bei seinem Standpunkt, auch wenn ihm die Situation insgesamt nun schon "leid tut". Während die Baumreihe für den kleiner Weiler Vaihingerhof etwas Besonderes war, seien sechs gefällte Bäume bei der Unmenge an Maßnahmen in der Stadt "eigentlich eine Kleinigkeit". Immerhin: Zwei neue Eichen sollen weiter hinten in der Reihe gepflanzt werden – zeitnah. Im Vaihinger-hof wird man das genau verfolgen.

 
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Kommentare (4)
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FEB
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Anwohner, 11:07 Uhr

Na sowas

Gilt zu prüfen ob die Gemeinde einen Befreiungsantrag nach §63 NatschG hatte. Bäume sind Lebensraum von Tieren und wenn sie einen größeren Umfang als 80 cm haben stehen sie unter einem besonderen Schutz. http://www.nabu.de/themen/naturschutz/siedlungsraum/01947.html http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50154/in02_10024.html Das in Rottweil die Uhren etwas anders ticken ist doch normal. Wer auf der Stadt hat denn einen Nutzen von dieser Aktion? Wenn solche Dinge ohne Wissen der Anwohner gemacht wird stecken bestimmt Interessen dahinter.

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FEB
18
D.w., 09:52 Uhr

Warum immer gleich zum Wutbürger werden?

Es ist ja löblich dass die Bürger hier Engagement zeigen aber ist es wirklich ok einfach Bäume auf städtischen Grund zu Pflanzen? (ich pflanz auch keine Hecke bei meinem Nachbarn) Klar ist auch dass Bürgerbeteiligung eine feine Sache ist. Aber wollen wir wirklich eine Verwaltung die alle Arbeiten erst von der Nachbarschaft absegnen lässt? Dies führt nur zu Stillstand weil einer prinzipiell immer dagegen ist. Des Weiteren hocken in den Amtsstuben nicht nur faule, baumfällwütigen Angestellte sondern auch Fachleute.

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FEB
16
Michael Manthey, 17:52 Uhr

Blech statt Baum?

Wieso ist PKW-Blech mit einer minimalen „Lebensdauer“ von höchstens 5-15 Jahren schützenswerter als Sauerstoffspendende und CO2-bindende Bäume?

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