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Rottweil - Narrenmeister Georg Schumacher schickte am Freitag im Café Schädle die Abstauber aus. Unwiderruflich zum letzten Mal, wie er betonte, doch noch einmal mit erhobenem Zeigefinger – und allem Herzblut, das so ein Narrenmeister in seine Reime legen kann.
Das Amt muss ein Traumjob sein. Jedenfalls hatte Schumacher immer spätestens pünktlich zum Dreikönigstag ein Traum ereilt, der gleichnishaft das Stadtleben spiegelte. Hier und da musste Schumacher freilich noch etwas feilen und polieren, wo sich die nächtliche Eingebung ausschwieg auch mit wacher Vision nachhelfen. Im Großen und Ganzen hat’s dann immer gepasst mit der Träumerei, gelang die mit mal mehr, mal weniger feinem Hammer geschmiedete Versreise von der Nachtmahr in die selige Verheißung der heraufdämmernden Fasnetszeit.
Dass Rottweil-Mitte nicht nur verlässlicher Stichwortgeber war, sondern dem scheidenden Chef sogar noch eine ganz besondere Plattform bieten sollte, hatte man vor gut einem halben Jahr noch kaum zu hoffen gewagt. Auch der Meister selbst, der gestern den vielen Narren noch beichtete, dass sich spätestens ab Mai die Gedankenarbeit auf den kommenden Dreikönigstag konzentriere, konnte da noch nicht wissen, welch wunderbaren Logenplatz ihm der Gewerbe- und Handelsverein errichten sollte: Aus einer Riesenrad-Gondel heraus durfte Schumacher auf "seine" Stadt blicken. Und dieser Blick gewährte ihm endlich auch die Einsicht nicht nur in Ratssaal und Amtsstuben, sondern in alle Winkel der Stadt, wo sich die Abstaubertruppen höchst unterschiedlich, doch mit großer Leidenschaft auf ihre bedeutende Aufgabe vorbereiten. Und das schon im Herbst, wohlgemerkt!
Was hat er nicht alles gesehen, der Herr Narrenmeister: vertauschte Besele, Ganzjahres-Gamaschen, um Fassung ringende Angetraute. Fast für jeden hatte er ein Sprüchlein parat. Gestern waren sie alle pünktlich im "Schädle" erschienen, vollständig und korrekt gekleidet, mit abgestaubten Abstaubbeselchen, ernster Miene und dem Vorsatz, auch abends, wenn sie all die Narrenkleider gewissenhaft untersucht und bearbeitet haben, wieder pünktlich einzutreffen. Diesmal im "Rädle" – und genau um 20. Was auch immer das bedeuten mag.
Denkanstöße: Diplom-Meteorologe Sven Plöger referiert im Kraftwerk zum Thema Klimawandel.